Scharia in westlichen Gesellschaften

Die Debatte um eine Anwendung der Scharia auch im Westen erhitzt die Gemüter immer wieder. Sei es aufgrund der verzerrten Wahrnehmung eines Vorschlags des Bischofs von Canterbury, oder weil der bosnische Mufti wagte, das Unwort in einem Artikel zu benutzen. Auf eine interessante Studie, die sich mit der Praxis in westlichen Gesellschaften (hier Kanada und die USA) beschäftigt, bin ich heute gestoßen. Ganz unhysterisch und aus einer rechtswissenschaftlichen Perspektive untersucht nun eine Forscherin in Nordamerika – gefördert vom Social Science and Humanities Council of Canada – das Phänomen “islamische Scheidung”. Das laufende Projekt geht also den Fragen nach, warum manche Muslime zusätzlich zum zivilrechtlichen Weg in Eheangelegenheiten religiöse Beratschlagung und Regelung in Anspruch nehmen, warum dies eine Bedeutung für sie hat, welche Rolle Imame in diesem Prozess spielen, inwieweit islam-rechtliche Prinzipien in diesem Prozess zur Anwendung kommen und inwieweit Moscheen eine Rolle spielen im Bereich der Konfliktlösung zwischen Ehepartnern. Das Projekt hat eine Internetseite, die man unter www.islamicdivorce.org erreichen kann.

Ramadan in Osnabrück

Seitdem ich wieder in Osnabrück bin, gehe ich selten in die Moschee. In Berlin hatte ich eine ganz gute Anbindung an einen multiethnischen deutschsprachigen Moscheeverein mit sehr aktivem Gemeindeleben, an dem ich mich beteiligte. Dadurch hatte ich dann automatisch eine alltägliche Anbindung an die Moschee.

In Osnabrück kenne ich wenig Muslime, das Gemeindeleben ist – soweit ich das mitbekommen habe – eher nach nationalen Gruppen organisiert und ich habe mich auch nur vereinzelt um Kontakt bemüht, da ich früher oder später sowieso Osnabrück verlasse.

Nun im Ramadan gehe ich regelmäßig zum Tarawih-Gebet in unterschiedliche türkische Moscheen hier vor Ort. Die Gemeinden sind völlig anders als ich es aus Berlin gewohnt bin. Und was soll ich sagen … Ich finde diese Erfahrung wunderschön. Die Frauen (und wahrscheinlich auch die Männer), die zum Gebet kommen sind überwiegend alt, die Atmosphäre ist sehr ruhig und konzentriert und vor allen Dingen ganz einfach. Die Leute sind dort tatsächlich nur für das Gebet. Es gibt wenig Gerede, viel gemeinsames Dua (ich liebe es). Einfach schön.

Frauenabteilung

Ich bin heute auf den überaus interessanten Blog einer kanadischen Muslima namens Safiyya gestoßen. Wirklich lesenswert, ich bin auch schon eine Weile damit beschäftigt :)

Ein für mich schockierender, aber leider durch eigene Erfahrungen bestätigter, Beitrag dokumentiert in Bildern den Unterschied zwischen den Gebetsplätzen für Männer und Frauen in einer saudischen Moschee. Bevor ich loslege, muss ich der Fairness halber sagen, dass in manchen Ländern Moscheen nicht häufig von Frauen genutzt werden (aus umstrittenen Gründen, die hier aber nicht das Thema sein sollen) und es deswegen meist keine oder nur sehr kleine Räume/Abteilungen für Frauen gibt, die zudem auch oft vernachlässigt werden.

Trotzdem ist es unverständlich, dass ein Frauengebetsraum, wenn schon vorhanden, hässlicher und/oder einfacher sein muss als der der Männer. Dies habe ich leider des Öfteren erlebt und habe das nie verstanden. In einer sehr neuen, schönen Moschee in Kairo war es sogar so, dass es zwar einen riesigen Raum für Frauen gab, der auch von sehr vielen Frauen genutzt wurde. Generell werden die Moscheen in Kairo sehr stark von Frauen genutzt, vermehrt in den letzten zehn Jahren. Leider war der Raum sehr schwer zugänglich (viele Treppen bis in das zweite Stockwerk), was für Behinderte und Ältere ein Problem darstellt. Besonders auffällig und für mich deprimierend war dann aber der qualitative und ästhetische Unterschied der Inneneinrichtung dieses Raumes im Vergleich zur Männerabteilung auf der unteren Ebene. Die Teppiche der Frauen waren grau und unscheinbar, die der Männer reich verziert (man konnte durch ein kleines Fenster heruntergucken), die Frauen beteten vor kahlen weißen Wänden, die Wände der Männerabteilung waren mit schönen Kalligrafien oder aufwändigen Holzschnitzereien verziert. In dieser Moschee konnte man von purer Absicht ausgehen, weil sie sehr neu war und genauso konzipiert war. Der Frauenraum wurde also nicht erst im Nachhinein eingerichtet. Ich verstehe so etwas einfach nicht!

Ich habe dann auch nach Möglichkeit nicht mehr dort gebetet, da es mir zu sehr auf Gemüt schlug und die Trennung in anderen Moscheen netter gelöst ist. Wie z.B. durch eine Trennung im selben Raum durch eine Holzwand oder Ähnliches. Am liebsten habe ich in der Sultan Hassan Moschee gebetet, die ohnehin eines der schönsten und beeindruckendsten Gebäude Kairos ist. Die Frauen beten dort in einem der vier Iwane, gegenüber der Gebetsrichtung. Man kann die Khutba von dort sehr gut verstehen und an dem erhebenden Gefühl eines gemeinschaftlichen Gebets uneingeschränkt teilhaben.

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