Fotos der Pro-Köln Anti-Moschee Demo

Hier gibt es viele Fotos der Pro-Köln Demonstration gegen den Moscheebau der DITIB in Ehrenfeld am 16.07.2007. So sieht also eine Mehrheit aus :) )

Islamkritik a la Giordano

Es ist wirklich faszinierend, dem Herrn Giordano bei seiner persönlichen Dauerschlammschlacht zuzusehen. Er richtete seine Argumentation zuerst gegen die Kölner Moschee, dann gegen von ihm als “menschliche Pinguine” verunglimpfte bedeckte muslimische Frauen, um sich kurz danach zum Retter aller muslimischer Frauen, die zu allen Zeiten und überall vom Islam unterdrückt wurden, aufzuschwingen. Gestern legte Giordano nochmal nach und lehnte eine Einladung Lale Akgüns zu einer Diskussionsveranstaltung in einem “türkisch geprägten Viertel” in Köln mit der Begründung ab, dass er es seinen “potentiellen Killern” so einfach nun doch nicht machen wolle.

Mal davon abgesehen, dass ich seine Vorgehensweise für äußerst unseriös halte, eignet sich seine unbeschwert-direkte Argumentation hervorragend für eine Darstellung der gängigsten Methoden selbst ernannter Islamkritiker bei der Konstruktion einer Gefahr durch den Islam. Ein paar davon will ich anhand einiger Zitate aus oben verlinkten Artikel beschreiben.

Die Meinungsfreiheits-Keule

Kaum kommt die leiseste Kritik am eigenen Standpunkt auf, spielt man sich als Verfechter der Meinungsfreiheit auf und tut so als würde einem der Mund verboten.

Giordano: […] Ich erinnere mich an ein Erlebnis, das ich hatte vor ungefähr drei Wochen. Morgens beim Frühstück im Hotel kommt da eine Frau rein, die von oben bis unten verhüllt ist. Frau Kollegin ich sage Ihnen, es hat mich erschreckt und hat mich verletzt, was ich da gesehen habe. Das ist ein Anblick, der mich stört. Ich rede hier nicht von Verboten; ich will das nur sagen dürfen.

Dumm nur, wenn der Gesprächspartner darauf nicht reinfällt:

Durak: Das dürfen Sie doch, Herr Giordano. Niemand hindert Sie daran, dies zu tun. Im Gegenteil: Sie können weiter darüber sprechen. Das ist doch nicht das Problem. […]

Dann muss schnell der nächste rethorische Kunstgriff angewendet werden:

Die Etablierung eines Bedrohungsszenarios

Man dreht den Spieß schnell um: nicht der Islamkritiker ist der Angreifer – Nein – er ist selbst ein Opfer:

Giordano: Es ist ein ästhetisches Problem. Ich denke es ist ein soziales Problem. Es ist ein politisches Problem.* Natürlich! Diese ganze Verhüllungsphilosophie im Islam ist etwas, was mich stört. Und wenn Sie sagen ich kann es sagen? Ja, ich kann es sagen, Gott sei Dank richtig, weil wir hier in einer Gesellschaft leben, einer demokratischen Republik, einem demokratischen Verfassungsstaat, wo das möglich ist. Aber fragen Sie mich nicht, welche Reaktionen es darauf gibt.

Die Drohungen, natürlich. Wenn es die nicht geben würde, müsste man sie glatt erfinden. Es wäre sonst einfach zu schwer, die nun gefestigte Rolle des Opfers weiterhin glaubwürdig zu geben. Außerdem fungiert das Bedrohungsszenario auch sehr gut, um sich unliebsame Diskussionen zu ersparen, in denen die Schwäche der eigenen Argumentation entlarvt werden könnte.

Die SPD-Islambeauftragte und Bundestagsabgeordnete Lale Akgün lud Giordano daraufhin zu einer Diskussion über die Moschee und die Integration von Muslimen ein. “Die öffentliche Diskussion könnten wir in einem Kölner Café abhalten, ruhig in einem türkisch geprägten Viertel der Stadt”, schrieb sie. Giordano lehnte dies jedoch am Samstag ab und verwies auf Morddrohungen, die er von radikalen Muslimen erhalten habe: “Ich gestehe, dass mir ein wenig unheimlich wurde, als ich Ihren Vorschlag zur Kenntnis nahm”, antwortete er in einem Schreiben. “So leicht möchte ich es meinen potenziellen Killern nun doch nicht machen.”

Nochmal langsam: Giordano bekam Morddrohungen und hat jetzt natürlich Angst ermordet zu werden. Er “überlegt” sogar Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen. Also ich würde da ja nicht lange überlegen… Aber wie auch immer, unheimlich wurde ihm also, als er von Lale Akgün eine Einladung zu einer öffentlichen Diskussion bekam. Wird Herr Giordano nun sämtliche Öffentlichkeit meiden? Oder nur die in “türkisch geprägten Vierteln”, weil dort mehr seiner “potentiellen Killer” unterwegs sind? Oder macht er es in Zukunft wie andere Islamkritiker und erscheint nur noch demonstrativ mit Bodyguards?
Das wichtigste ist jedoch, dass man auf diese Weise schon wieder zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen hat: die Etablierung einer diffusen allpräsenten Gefahr und eine Rechtfertigung für…

Die bewusste Realitätsverweigerung

Man muss sich dann nämlich nicht mit seinen Kritikern und schon gar nicht mit Muslimen an einen Tisch setzen bzw. sich deren Kritik in einer zivilen Diskussion aussetzen. Außerdem muss man sich nun auch nicht der für den Islamkritiker quälenden Vorstellung stellen, dass Muslime oder seine Kritiker doch nicht alle gleich sind und eventuell ihre Kritik auch vernünftig oder gar berechtigt äußern könnten.

Die “ich kenne Muslime und die denken auch so wie ich” Taktik

Eine weitere Methode, die eigene Position zu legitimieren, ist sich selbst als Opfer darzustellen oder sich mit den (vermeintlichen) Opfern zu solidarisieren. Im Falle der unterdrückten muslimischen Frau kann Giordano schlecht die Rolle des Opfers einnehmen, aber – wie passend – er kennt ja welche, für deren Rechte er eintritt:

Durak: Das dürfen Sie sagen. Wir leben in Deutschland. Deshalb können wir auch weiter öffentlich darüber sprechen. Haben Sie denn mit Frauen schon darüber gesprochen, die so verhüllt sind?

Giordano: Ich habe mit vielen Musliminnen und Muslimen gesprochen. Ich bin ja nicht von gestern. Wo ich mich da hineingewagt habe, das ist ja etwas, wovon man auch Kenntnis haben muss. Ich habe vor allen Dingen mit Türkinnen gesprochen, die wissen was es bedeutet hat und bedeutet, Frau in der islamischen Gesellschaft zu sein, auch hier in Deutschland, nicht nur in islamischen Originalländern. Ich will hier keine Namen nennen, um denen kein Ungemach zu bereiten, aber es sind Türkinnen selbst, die keinen Zweifel daran gelassen haben, was es bedeutet, Frau in der islamischen Gesellschaft zu sein.

Oder doch nicht? Giordano beantwortet die kluge Frage des/der Reporters/Reporterin ja gar nicht, denn er hat eben nicht mit einer verhüllten Frau darüber gesprochen, dass er ein ästhetisches Problem mit ihrer Kleidung hat oder gar, was es bedeutet eine Frau in der islamischen Gesellschaft zu sein. Das würde auch eventuell seine Sicht der Dinge ändern und das wäre ja unerwünscht. Stattdessen redet er lieber mit Leuten, die seine Sichtweise bestätigen, deren Namen er hier lieber nicht nennen will. Sehr wahrscheinlich weil wir sie eh schon kennen…

Sich das wehrlose Opfer suchen

Die muslimische Frau eignet sich in der öffentlichen Diskussion besonders gut zur Instrumentalisierung. Man interessiert sich ja gar nicht wirklich für sie – sonst würde man ja auch mal mit ihr reden – sondern benötigt sie nur als Argumentationsmittel. Die muslimische Frau bietet hierfür den perfekten Schauplatz, da sie stumm und unsichtbar ist. Dies ist aber nicht etwa so, weil es keine Frauen gäbe, die in der Lage wären sich und ihre Vorstellung von Selbstbestimmung, Karriere, Familie oder gesellschaftlicher Teilhabe intelligent und selbstbewusst zu artikulieren. Sie werden nur konsequent von allen Seiten und auf allen Ebenen marginalisiert. Aber genau dieser Umstand ermöglicht es so genannten Islamkritikern erst, ihre “Kritik” unwidersprochen zu äußern, weswegen sie ja auch nicht wirklich etwas dagegen unternehmen – ja sogar noch gegen die Beteiligung dieser Frauen an der öffentlichen Diskussion argumentieren.

So tun als spräche man für eine Mehrheit

Diese Mehrheit traut sich aber nicht, sich zu artikulieren. Sei es nun die Mehrheit der liberalen aufgeklärten Muslime hier in Deutschland, die Angst vor den Drohungen der radikalen Vereinsmuslime hat oder die Mehrheit der Deutschen, die Angst davor hat als Nazis abgestempelt zu werden und auch von den radikalen Muslimen bedroht wird. Deshalb sprechen dann andere – die Mutigen – für sie.

Giordano: Die Reaktionen, die ich bekommen habe auf meinen Vorstoß, lassen überhaupt nicht den geringsten Zweifel daran, dass die Mehrheit diesen Bau ablehnt. Und die Politiker haben so getan, als wenn das gar keine Bedeutung hat. Ich denke sie haben sie nicht gefragt, weil sie die Antwort wussten, nämlich dass die Bevölkerung damit nicht einverstanden ist, und nicht aus rassistischen und neonazistischen, rechtsextremistischen Gründen. Die Leute, die mich erreichen: Sie müssen mal die Empörung hören, wenn sie sich darüber erregen, dass sie in diese rechte Ecke gestellt werden. Und das schrecklichste bei der ganzen Sache ist: Sie sind der Meinung, der Bau ist falsch, wagen es aber nicht zu sagen, weil sie eben fürchten, entweder in diese rechte Ecke gestellt zu werden oder bedroht zu werden.

Also die Mehrheit der Leute, die auf Giordano zukommen sind gegen diese Moschee. Wundert mich nicht, da Giordano ja mit Kritikern gleich gar nichts zu tun haben will. Aber dann direkt davon auszugehen, dass gleich die ganze Bevölkerung gegen den Bau ist… Schon etwas vermessen.

Unwahrheiten als wahr darstellen

Das einfachste Mittel ist das Aufstellen von Unwahrheiten. Man kann solche Dinge natürlich sagen, so oft man will, nur werden sie dadurch nicht wahrer.

Giordano: Und ich sage noch was, und ich mache mir damit keine Freunde. Nirgendwo wird die Würde der Frau so verletzt wie in der islamischen Gesellschaft. Die Geschichte des Islam ist eine einzige Entwürdigung der Frau und das bis zur Stunde. Und ich will das sagen dürfen, auch wenn es radikalen Muslimen nicht gefällt.

Diese Behauptung dürfte wohl auch Historikern, Soziologen etc. nicht gefallen (einfach weil sie falsch ist), ob diese allerdings alle radikale Muslime sind, bezweifle ich.

Die Lösung des Problems offen lassen

Der Islamkritiker thematisiert ein Problem. Im Falle von Giordanos Äußerungen der letzten Woche sind das vor allen Dingen verhüllte Frauen, große Moscheen, die gescheiterte Integration und der Islam an sich.Gut, nun wissen wir worin Giordano das Problem sieht. Worin sieht er wohl eine Lösung?

Giordano: Das ist auch solch eine Fangfrage. Wer Verbote fordert, ist gleich von Vornherein im Unrecht. Ich sage dazu nur eines: Ich will auf deutschen Straßen keine Burka-Trägerinnen und Shado-Verhüllten sehen.

Er fordert kein Verbot, will aber auf deutschen Straßen keine Chador-Trägerin sehen. Wie schafft man das denn ohne Verbote? Ein Kennzeichen der Islamkritiker ist, dass sie Lösungsvorschläge – also den dreckigen Teil der Arbeit – anderen überlassen. Diese Lösungen werden dann von Leuten wie Ulfkotte und Co. in einem Forderungskatalog wie folgt artikuliert: Änderung des Grundgesetzes (Religionsfreiheit) in Bezug auf den Islam oder auch ein Zuwanderungsmoratorium für Muslime. Wie das wohl weitergeht…

* Einfach genial diese Irrationalität: aus einem ästhetischen Problem wird ein politisches. Das muss man erstmal fertig bringen und sich dabei immer noch ernst nehmen können. Bewundernswert.