al-Muhaddithat: the women scholars in Islam – Mohammed Akram Nadwi

Ich freue mich ja über jedes Buch, das ich geschafft habe zu lesen, aber dieses hier ist besonders wertvoll. Es handelt sich dabei um die englische Übersetzung des Vorwortes eines noch nicht erschienenen 40-bändigen Biographie-Lexikons über weibliche Hadith-Gelehrte (muhaddithat) von dem indischen Gelehrten Mohammad Akram Nadwi. Welches Ausmaß an wissenschaftlicher Fleißarbeit der Autor geleistet haben mag, kann man erahnen, wenn man bedenkt, dass allein dieses Vorwort 300 Seiten stark ist.

In zehn Kapitel erläutert Mohammad Akram Nadwi detailliert wie der Alltag einer/s Hadithgelehrten zu verschiedenen Zeiten ausgesehen haben kann. Die geschieht ausschließlich anhand von Quellen und Zitaten. Dass es ausführliche Biographielexika aus den unterschiedlichen Zeiten gibt wusste ich. Auch, dass es davon unterschiedliche Genres gibt, je nach Fachgebiet in dem diese Biographien eine Relevanz besitzen – mal um Tradenten von Hadithen zu klassifizieren, mal um berühmte Persönlichkeiten eines Jahrhunderts oder einer Stadt aufzulisten o.ä. Die Literatur, die ich bis jetzt zu diesem Thema gesichtet hatte, bezieht sich denn auch fast ausschließlich auf solche Lexika, bzw. bezieht sich auf Hadithsammlungen, wenn es sich um Personen aus dem Umfeld des Propheten (a.s.s.) oder deren Nachfolger handelt. Dem Autor des vorliegenden Buches steht aber weiteres Quellenmaterial zur Verfügung. So zieht er Briefe, Anwesenheitslisten von Hadithkursen (!!!) oder Lizenzschriften (Ijaza) heran, die teilweise aus dem 12. Jahrhundert stammen. Diesen können unterschiedliche und erstaunlich detaillierte Angaben entnommen werden: volle Namen der Lehrerin, vollständige Namen und Herkunft der Schüler, evtl. verkürzte Teilnahme der Schüler, Unterrichtsstoff usw.

Das ausführliche Literaturverzeichnis, komplexe Verweise, Kartenmaterial, Kopien von Originaldokumenten und vier verschiedene Indizes für Gefährten und deren Nachfolger (sahaba/tabi’i), weibliche Gelehrte, männliche Gelehrte und Orte runden dieses Buch ab und machen es zu einem unvergleichlichen und nützlichen Nachschlagewerk. Einfach wunderbar.

Mohammad Akram: Vortrag über weibliche Hadith Gelehrte

ch bin heute auf einen interessanten Artikel von Allama Muhammad Akram Nadwi’ gestoßen. Dr. Mohammad Akram ist der Autor eines 40-bändigen Werkes über weibliche Hadithgelehrte (Muhaddithat) in arabischer Sprache. In diesem Lexikon hat er biographische Daten von 8000 weiblichen Gelehrten vom ersten bis zum 15. Jahrhundert islamischer Zeitrechnung (also bis zur Gegenwart) gesammelt. Der Autor deckt auch eine weite geographische Spanne ab, so dass sich sogar (obgleich wenige) Informationen zu weiblichen Hadithgelehrten aus Südostasien und China finden.

Der Artikel ist wirklich lesenswert: es gibt einige interessante Informationen zu bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten islamischer Geschichte, an die man sonst nicht so ohne weiteres herankommt. Außerdem kommt der Autor zu spannenden Schlussfolgerungen.

So sagt er z.B., dass die Überlieferung von Hadithen durch Frauen meist zuverlässiger war als die durch Männer:

It is well-known that a good number of male narrators of hadith have been accused of inaccurate reporting and some even of fabrication. No woman hadith scholar has ever been accused of such wrongs and weaknesses. Imam Dhahab comments on this point by declaring that he knew of no women who had been accused of any willed or unwilled aberrance from the strict standards of the scholarly tradition.

Schön finde ich auch, wie Dr. Akram betont, dass das Erlangen und Lehren von Wissen und Wissenschaften eine Pflicht (nicht nur ein Recht) für das Individuum darstellt – und zwar unabhängig von seinem Geschlecht. Eine islamische Gesellschaft müsse es also Frauen wie Männern ermöglichen, diesen Bereich ihrer individuellen Verpflichtung Gott gegenüber zu verwirklichen. Eine Beschränkung von Frauen im wissenschaftlichen Bereich verurteilt er scharf:

To restrict educational scope for girls to what trains them to serve in house and home is to deny their right to learn (and then teach) what is needed for the full realization of their potential as worshipping servants of their Creator. To do so is to limit the cultural space ahead of them, to make the earth around them narrower, to draw down the horizons above them. Then, if such restriction is carried too far, it is no great exaggeration to liken it to a sort of burying alive. The burying alive of infant girls was a terrible practice of the Arab Jahiliyyah, the period of Ignorance before Islam. And the Qur’an (al-Takwir, 81: 8–9) warns of the Day when the victims of that crime will cry out to God for justice – the day when the infant buried alive shall ask for what sin she was killed.