Luxenberg, Ohlig und die Islamwissenschaft
Ich verfolge die Diskussion um die Thesen Luxenbergs und Ohligs nun schon ein paar Jahre. Immer mal wieder gibt es sehr interessante Artikel, die dazu von deutschsprachigen Wissenschaftlern veröffentlicht wurden. Ich habe diese Artikel nun in einem Reader gesammelt, denn ich bei Gelegenheit aktualisieren werde. Viel Spaß beim Lesen…
Kurz verlinkt: Kommentar zur Diskussion um Kalisch
Im Spiegel gibt es heute ein ausführliches Interview mit Michael Marx (Corpus Coranicum). Anlass ist die Diskussion um den Münsteraner Professor Kalisch, der mit seiner Einstellung zur Natur des Propheten Muhammad für Wirbel gesorgt hatte. Im Mittelpunkt steht dabei die Aussage es entspräche dem derzeitigen Forschungsstand innerhalb der Islamwissenschaft, begründete Zweifel an der Existenz des Propheten zu haben.
Ich verfolge diese Diskussion schon etwas länger, Kalisch ist ja auch nicht der einzige der Aussagen in der Art tätigt. Das Novum ist bei ihm nur, dass es sich hier um einen bekennenden Muslim handelt. Was mir bei diesen Behauptungen besonders aufstößt ist allerdings nicht der offensichtliche Widerspruch zu muslimischen Grundüberzeugungen. Was mich am meisten verwundert ist, dass diese Behauptung nur dann als Ergebnis einer Forschung postuliert werden könnte, wenn überhaupt eine Forschung stattgefunden hat. Eigentlich ganz simpel. Das ist aber innerhalb der Islamwissenschaft noch gar nicht in ausreichendem Ausmaß passiert.1 Das Projekt in Potsdam setzt an dieser Stelle an:
Wir am Corpus Coranicum versuchen, erst einmal Grundlagenforschung zu treiben, bevor man mit Supertheorien kommt.
Interessant ist, dass Michael Marx die mündlichen Aussagen Kalischs qualitativ auf dieselbe Stufe einordnet wie die Arbeiten Ohligs und sie als außer-wissenschaftlich empfindet – weil widersprüchlich und argumentativ lückenhaft.
Marx: Es gilt, vorsichtig zu sein. Für die Geschichte generell kann man keine naturwissenschaftlichen Beweise anführen. Wie wollen Sie die Existenz von Karl dem Großen beweisen? Wir können keine Experimente durchführen, wir müssen mit Evidenzen arbeiten. Und ein Evidenzstrang in dieser Frage ist der Koran. Hier ist die Evidenzlage so gut wie bei keiner anderen Religion. Wir kennen Koranhandschriften und islamische Inschriften schon ab 40 bis 50 Jahre nach dem Tode des Propheten. Der Koran wäre extrem erklärungsbedürftig, wenn man den Propheten rausrechnet. Ohlig behauptet, der Islam sei bis in die Ommajadenzeit, also bis ins 9. Jahrhundert, im Wesentlichen eine christliche Sekte gewesen. In dem Fall aber habe ich das massive Problem, dass der Text des Koran dazu nicht passt. Wieso ist dann die Christusfigur im Koran nicht zentraler? Abraham, Moses und Noah werden viel häufiger genannt.
Insgesamt kann ich nur empfehlen, das gesamte Interview zu lesen, da dadurch die wissenschaftlichen Dimensionen der Diskussion dem Außenseiter klarer werden.
Artikel in der IZ zur Frankfurter Tagung
Ich habe vor kurzem einen Artikel für die Islamische Zeitung geschrieben, in dem ich meine Eindrück der Frankfurter Tagung zum Thema “Koranwissenschaften heute – Genese, Exegese, Hermeneutik, Ästhetik” schildere. Inzwischen gibt es einige Rückmeldungen zu dem Artikel, die ich gerne kommentieren möchte… Nur nicht mehr heute! Insha Allah bald mehr dazu.
