Frauen an der Kaaba

Manchmal kann man einfach nur wütend sein… wie zum Beispiel beim Lesen dieser Nachricht über die neuesten Pläne, Frauen aus dem inneren der Moschee um die Kaaba herum fernzuhalten.

Es ist für jeden Muslim, der die Hajj unternimmt, ein tiefes Bedürfnis, so nah wie nur irgend möglich an der Kaaba zu beten. Das ist aufgrund der Menge der Menschen, die sich während der Hajj Zeit dort aufhalten nicht immer möglich und man muss oft mit einem hinteren Platz Vorlieb nehmen.

Als ich vor zwei Jahren zur Hajj in Mekka war, lief es meistens so, dass die Plätze in der Nähe der Kaaba meisten schon eine Stunde vor dem jeweiligen Gebet besetzt waren. Jedoch umkreisen noch bis kurz vor dem Gebet viele Menschen die Kaaba (tawaf). Das bedeutet, dass jeder an dem Platz betet an dem er sich grade aufhält, wenn der Vorbeter das Gebet anfängt. Es ist zu wenig Zeit und Platz um extra einen anderen Platz zu suchen. So kann es dann passieren, dass Männer und Frauen nebeneinander beten. Durch die Massen an Menschen ist es in den letzten Jahren sehr eng geworden und man hatte deshalb einen Teil des Hofes um die Kaaba extra für Frauen reserviert. Dieser Platz befindet sich in der Nähe der Quelle Zamzam. Das war auch vor zwei Jahren noch so und ich fand die Regelung eigentlich sehr gut. Die Stelle hätte nur noch ein bisschen größer sein können. So konnte man noch Tawaf machen bis das Gebet anfing und dann den wunderschönen Anblick der Kaaba während des Gebets genießen, ohne von einem der lästigen Aufseher behelligt zu werden.

Wenn den Frauen dieser Anblick genommen wird, ist das mehr als eine absolute Unverschämtheit. Wenn es den Befürwortern einer solchen Maßnahme wirklich um die Sicherheit und den Komfort gehen würde, dann hätte man die Probleme, die durch die großen Massen an Pilgern verursacht werden, auch besser berücksichtigen können und müssen als man den Haram-Komplex vor ein paar Jahren so aufwendig renoviert hat.

Ein weiterer Punkt erscheint mir sehr widersprüchlich: Wie gesagt vollziehen hunderte von Pilgern bis zum Anfang des Gebets den Tawaf nahe der Kaaba. Das ist teilweise notwendig, da der Tawaf relativ zeitaufwendig ist und ein Pflichtteil der Hajj darstellt. Dies gilt selbstverständlich für beide Geschlechter, was bedeutet, dass sich immer auch Frauen unter den letzten befinden werden die noch ganz in der Nähe der Kaaba den Tawaf vollziehen. Das heißt aber auch, dass in der Nähe der Kaaba Frauen unter den Betenden sein werden. Wenn man wirklich Männer und Frauen für das Gebet trennen will, müsste man den Frauen ganz verbieten, auf dem Innenhof die Kaaba zu umkreisen. Und das ist meiner Meinung nach ein unmögliches Unterfangen.

Und was heißt überhaupt Sicherheit? Mir sind während meiner ganzen Zeit in der Kaaba keine schlimmen Dinge passiert. Im Gegenteil, es herrscht überwiegend eine sehr ruhige Atmosphäre unter den Pilgern. Und wenn jemand bei dem Gedrängel in der Nähe der Kaaba mal die Geduld verliert, dann sind sofort andere Pilger dabei, denjenigen mit sanften Worten zu beruhigen. Ich konnte beobachten wie rührend sich die Pilger umeinander kümmern. Männer beschützen ihre Ehefrauen vor zu großem Gedrängel mit ihre Armen, sehr alte Leute werden von ihren jüngeren Familienmitgliedern getragen oder im Rollstuhl gefahren. Ich hatte während der Hajj eine heftige Erkältung und war deshalb sehr geschwächt. Eine sehr alte Frau neben mir schien das bemerkt zu haben und griff an einer sehr dichten Stelle meine Hand und führte mich hindurch. Diese Barmherzigkeit werde ich nie vergessen.

Die einzigen, die dort wirklich manchmal stören, sind bestimmte Aufseher. Oft wird auf ziemlich rabiate Weise versucht, Dinge zu verhindern, die nach saudischer Islam-Aufassung einen Regelverstoß darstellen. So ist mir folgendes passiert: Ich war innerhalb einer Gruppe Frauen kurz vor Anfang des Gebets noch in der Nähe der Kaaba. Dies passiert wie schon erwähnt öfters, wenn man sich noch im Tawaf befindet. Wir blieben also zum Gebet stehen, als ein besonders unfreundlicher Aufseher uns wegschicken wollte. Wütend mit seinem Umhang fuchtelnd und schimpfend, ließ er uns nicht in Ruhe. Das Problem war aber, das wir niemals rechtzeitig einen anderen Platz gefunden hätten. Bis auf den letzten Zentimeter war alles weit und breit besetzt. Wir blieben also dort. Unsere männlichen Begleiter setzten sich vorbildlich für uns ein, so dass der Aufseher schließlich von dannen ziehen musste, als das Gebet begann.

Enstchuldigung, dass es ein wenig lang geworden ist heute, aber es musste mal gesagt werden.