Nach Luxenberg: Ohlig über den frühen Islam

Nur auf die Schnelle eine Leseempfehlung zu einer grade auf Qantara erschienenen Rezension zu dem neuen Sammelband von Karl-Heinz Ohlig “Der frühe Islam” von Daniel Birnstiel:

Der gestellten Forderung, Licht in die dunklen Anfänge des Islam zu bringen, kommt das besprochene Buch somit nicht nach.Die durchaus berechtigte Kritik einer bisherigen Quellen(ver)lesung v.a. zeitgenössischer christlicher Schriftsteller im Sinne der islamischen Tradition erweist sich als Farce angesichts der von den Autoren mindestens ebenso wenig neutralen Verwendung der Quellen und deren (Ver)Lesung im Sinne der eigenen Theorien. Der “erwählte” oder “gelobte” muhammad-Jesus bleibt einstweilen ein weit verfehlter Gegenstand revisionistischen Begehrens.

Neue Übersetzung der Reisen des Ibn Battuta

Meiner Liste deutscher Übersetzungen arabischer Klassiker habe ich heute einen Neuzugang zugefügt. Die Reisen des Ibn Battuta liegen in völliger Neuübersetzung vor. Übersetzt wurden sie von Horst Grün. Hier ein Auszug aus dem Verlagstext:

Auf 120.000 Kilometer hat man die gesamte Reisestrecke geschätzt, die Ibn Battuta im 14. Jahrhundert zu Pferd und Kamel, zu Schiff, im Ochsenwagen und in der Sänfte zurücklegte. Siebenundzwanzig Jahre lang reiste der Marokkaner bis an die Grenzen der damals bekannten Welt. Er lernte Heilige und Wandermönche, Könige, Sultane und Despoten in den entlegensten Teilen der muslimischen Reiche kennen, während er die heiligen Stätten des Islam besuchte: Bagdad, Mekka, Kairo und Damaskus, aber auch Indien, die Malediven und China sind seine Stationen. Nach einem kurzen Besuch Spaniens und einer zweijährigen Reise nach Mali und Niger legte der rastlos Reisende den Wanderstab endgültig zur Seite. Der Bericht, den er nach seiner Rückkehr diktierte, trug ihm nicht nur in der arabischen Welt den Beinamen des größten Reisenden des Islam ein.

Update: Hier gibt einen Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen über die Entstehung dieser neuen Übersetzung.

Mohammad Akram: Vortrag über weibliche Hadith Gelehrte

ch bin heute auf einen interessanten Artikel von Allama Muhammad Akram Nadwi’ gestoßen. Dr. Mohammad Akram ist der Autor eines 40-bändigen Werkes über weibliche Hadithgelehrte (Muhaddithat) in arabischer Sprache. In diesem Lexikon hat er biographische Daten von 8000 weiblichen Gelehrten vom ersten bis zum 15. Jahrhundert islamischer Zeitrechnung (also bis zur Gegenwart) gesammelt. Der Autor deckt auch eine weite geographische Spanne ab, so dass sich sogar (obgleich wenige) Informationen zu weiblichen Hadithgelehrten aus Südostasien und China finden.

Der Artikel ist wirklich lesenswert: es gibt einige interessante Informationen zu bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten islamischer Geschichte, an die man sonst nicht so ohne weiteres herankommt. Außerdem kommt der Autor zu spannenden Schlussfolgerungen.

So sagt er z.B., dass die Überlieferung von Hadithen durch Frauen meist zuverlässiger war als die durch Männer:

It is well-known that a good number of male narrators of hadith have been accused of inaccurate reporting and some even of fabrication. No woman hadith scholar has ever been accused of such wrongs and weaknesses. Imam Dhahab comments on this point by declaring that he knew of no women who had been accused of any willed or unwilled aberrance from the strict standards of the scholarly tradition.

Schön finde ich auch, wie Dr. Akram betont, dass das Erlangen und Lehren von Wissen und Wissenschaften eine Pflicht (nicht nur ein Recht) für das Individuum darstellt – und zwar unabhängig von seinem Geschlecht. Eine islamische Gesellschaft müsse es also Frauen wie Männern ermöglichen, diesen Bereich ihrer individuellen Verpflichtung Gott gegenüber zu verwirklichen. Eine Beschränkung von Frauen im wissenschaftlichen Bereich verurteilt er scharf:

To restrict educational scope for girls to what trains them to serve in house and home is to deny their right to learn (and then teach) what is needed for the full realization of their potential as worshipping servants of their Creator. To do so is to limit the cultural space ahead of them, to make the earth around them narrower, to draw down the horizons above them. Then, if such restriction is carried too far, it is no great exaggeration to liken it to a sort of burying alive. The burying alive of infant girls was a terrible practice of the Arab Jahiliyyah, the period of Ignorance before Islam. And the Qur’an (al-Takwir, 81: 8–9) warns of the Day when the victims of that crime will cry out to God for justice – the day when the infant buried alive shall ask for what sin she was killed.

Offener Brief an den Papst in Deutscher Sprache

Den Brief ist jetzt übersetzt worden und kann hier gelesen werden.

Das Bild der muslimischen Frau

Wer sich näher mit der Wahrnehmung der muslimischen Frau auseinandersetzen möchte, dem kann ich folgende Literaturempfehlungen ans Herz legen, die sich dem Thema wissenschaftlich annähern:

Mohja Kahf – Western Representations of the Muslim Woman: From Termagant to Odalisque

Irmgard Pinn – EuroPhantasien. Die islamische Frau aus westlicher Sicht

Brecht…

hat mich trotz Pflichtlektüre in der Schule nie sonderlich interessiert. Ein Versäumnis, das es nachzuholen gilt. Für den Anfang habe ich mich über einige Zitate von ihm gefreut (Danke Papa!). Hier ein persönliches Best-of:

Reicher Mann und armer Mann standen da und sah`n sich an. Da sagt der Arme bleich: ´Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.´

Bankraub: eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank.

Liebe ist der Wunsch, etwas zu geben, nicht zu erhalten.

Keine Gnade mehr mit denen, die nicht erforscht haben und doch reden.

Mehr gibts hier und hier.

Der west-östliche Diwan

Goethe hat sich auf die ihm eigene Art mit dem Islam beschäftigt: neugierig, bejahend und selbstbewusst. “Freisinn” und “Talismane” sind zwei Gedichte aus dem west-östlichen Diwan, dem Produkt aus Goethe’s Beschäftigung mit dem persischen Dichter Hafis. Es ist unglaublich mit welch einer Begeisterung und Intensität Goethe sich in dieses (und viele andere) Thema gestürzt hat. Er studierte den Koran, arabische Geschichte, sammelte Bücher aus aller Welt und lernte sogar arabisch.

Es gibt die Möglichkeit den Diwan online zu lesen, was ich allerdings nicht empfehlen würde. Es gibt mehrere Ausgaben des Diwan bei verschiedenen Verlagen. Beim Kauf sollte man darauf achten, eine Ausgabe mit Kommentaren zu nehmen. Dort finden sich dann hilfreiche Anmerkungen zur Entstehung bestimmter Passagen, Originalzitate (besonders spannend) und teilweise auch Abbildungen.

Viel Freude!

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