Trickster Travels – Natalie Zemon Davis

Leo Africanus
Durch einen Zeitungsartikel neugierig geworden, habe ich mir dieses Buch über al-Hasan ibn Muhammad ibn Ahmadal-Wazzan al-Fasi besorgt. Er wurde wohl zwischen 1486 und 1488 (891-93 nach der Hijra) in Granada geboren und wuchs in Fes, Marokko, auf. Man vermutet, dass er um 1491 zusammen mit seiner Familie nach Nordafrika auswanderte, ca. 10 Jahre bevor Juden und Muslime aus Andalusien nach Nordafrika vertrieben wurden. In Fes wuchs er also heran und erfuhr hier auch seine Ausbildung in klassisch-islamischen Disziplinen wie dem malikitischen Fiqh, Koran- und Sprachstudien. Als junger Mann unternahm er weite diplomatische und kaufmännische Reisen durch Nord- und Mittelafrika und die Türkei im Auftrag des wattasidischen Sultans von Fes Muhammad al-Burtughali. Auf einer Rückreise durch das Mittelmeer im Jahr 1518 wurde al-Hasan al-Wazzan von christlichen Prtane gefangen genommen und als Sklave nach Rom gebracht. Seine Bildung machte ihn zu etwas besonderem und so wurde er dem damaligen Papst Leo X. zum Geschenk gemacht. Zunächst verbrachte er die Zeit dort als Gefangener, der allerdings Zugriff zur vatikanischen Bibliothek hatte. Ein Jahr nach seiner Ankunft durfte das Gefängnis verlassen und trat zum Christentum über.1 Er wurde vom Papst persönlich getauft, der ihm auch mit seinem Namen Pate stand. Unter seinem neuen Namen Leo Africanus (auch Giovanni Leone) sollte al-Hasan al-Wazan einige Berühmtheit erlangen, als der Autor mehrerer Bücher und Lexika über die Geographie und Kulturen Afrikas, die arabische Sprache und berühmte Personen Afrikas. Wenig ist davon erhalten geblieben, außer die über Jahrhunderte als Standardwerk geltende Cosmographia Del’ Africa. Nach seinem 10-jährigen Aufenthalt in Italien gibt es nur noch wenig gesicherte Daten über ihn: entweder ging er zurück nach Nordafrika, starb auf dem Weg dorthin oder kam während der Plünderung Roms durch die Truppen Karls V. um.

Das vorliegende Buch ist deshalb so wertvoll weil es jeder noch so dünnen Spur über das rätselhafte Leben des Giovanni Leone nachgeht und sämtliche Möglichkeiten durchdenkt. Manches Mal strapaziert dies die Phantasie des Lesers stark, aber die Autorin schafft es so nicht nur die Person, ihre Sichtweise und Erfahrungen genauer auszuloten, sondern auch die Zeit und das intellektuelle und politische Umfeld, in dem al-Hasan al-Wazzan sich aufhielt näher zu beleuchten. Keine einfache Lektüre, aber dennoch sehr empfehlenswert. Im September 2008 scheint die deutsche Ausgabe herauszukommen unter dem Titel “Leo Africanus: Ein Reisender zwischen Orient und Okzident”.

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Linktipp: Leo Africanus – informative Seite mit wissenschaftlich ausgewogenen Hintergrundinfos

Fußnoten
  1. Innerhalb der Leo Africanus-Forschung gibt es eine Diskussion darüber, ob dies freiwillig zustande kam. Man geht aufgrund verschiedener Indizien davon aus, dass al-Hasan al-Wazzan nicht freiwillig Christ wurde. Ein Indiz ist die auffällige Neutralität dem Islam gegenüber in seinen italienischen Werken, die andere bekannte Konvertiten vom Islam zum Christentum zu dieser Zeit so nicht an den Tag legten. Die Autorin des Buches geht davon aus, dass Leo Africanus immer Muslim geblieben ist und auch als solcher gestorben ist. []