Update zu unserem Fall: Das sagt die zuständige Polizei

Pony Hütchen vom Politblog hat bei der Polizeiinspektion in Soltau-Fallingbostel angerufen, um unsere Schilderung zu überprüfen. Der dortige Pressesprecher war anscheinend sehr offen. Ich zitiere mal:

Nachtrag: In den Kommentaren wurde geäußert, die Geschichte sei frei erfunden. Politblog hat den Fall recherchiert und mit der Pressestelle der zuständigen Polizeiinspektion Soltau-Fallingabostel Kontakt aufgenommen. Der dortige Pressesprecher Detlef Maske bestätigte gegenüber Politblog den Einsatz in folgender Weise:Es sei ein Hinweis aus der Bevölkerung gekommen. Derartigen Hinweisen müsse die Polizei angesichts der internationalen Sicherheitslage nachgehen. Am späten Abend des 25. Oktober hat diese “Gefahr abwendende Maßnahme” stattgefunden. Derartige Einsätze sind möglich auf der Grundlage des “Niedersächsisches Polizeigesetzes”(s.w.u.). Ein richterlicher Durchsuchungsbefehl sei dafür nicht erforderlich.In der ersten Darstellung wurde Politblog gegenüber geäußert, “ja, es hat eine solche Personenkontrolle stattgefunden. Die Beamten haben lediglich die Personalien überprüft und dazu mit den Bewohnern ein nettes Gespräch an der Haustür geführt.” Auf den Einwand, das stimme nicht im Geringsten mit den Angaben der Betroffenen überein, wurde auf Nachfrage – im Hintergrund, offensichtlich bei dem Einsatzleiter – bestätigt, die Polizei hätte die Wohnung betreten.Erneutes Nachhaken von Politblog: “Das Ehepaar spricht von acht Beamten, vier davon in der Wohnung, einige sogar in schusssicherer Kleidung und weiter von einem Einsatzleiter, der die Personalien überprüfte. Zwei der Beamten hätten ohne Beisein der Betroffenen weitere Räume betreten. Drei Beamte seien nach dem Öffnen der Tür unmittelbar in das Haus gestürmt. Ist das keine Hausdurchsuchung?” Wieder Nachfrage im Hintergrund. Ja, es seien Sicherungsmaßnahmen im Haus durchgeführt worden. Die Beamten hätten sich davon überzeugen müssen, ob weitere Personen im Haus seien. Dazu mussten sie auch in anderen Räumen nachschauen.Eine Bitte von Politblog: “Herr Maske, dürfen wir Ihnen einmal den Text aus der Sicht der jungen Frau vorlesen?” “Ja, gerne”, erwiderte Detlef Maske durchaus geduldig und gesprächsbereit. Nach einigen Passagen aus dem Original und einer kurzen Zusammenfassung von Musafiras Text erhielten wir auf die Frage, ob sich der beschriebene Vorfall so ereignet haben könnte, ein klares “Ja” als Antwort.Wir haben uns für die Auskünfte bedankt und erhielten kurz darauf einen weiteren Anruf vom Pressesprecher, der immer noch sehr freundlich war. Er wolle noch einmal darauf hinweisen, dass es sich um keine Hausdurchsuchung gehandelt habe, sondern um eine Sicherungsmaßnahme zur Gefahrenabwehr. Man müsse diese Maßnahmen vor dem Hintergrund der internationalen Lage sehen. Auch wenn wir in Deutschland noch nicht so unmittelbar betroffen seien, müsse man auch aufmerksame und besorgte Nachbarn verstehen. Ob es denn üblich und nötig sei, eine solche “Personenkontrolle” zu nachtschlafender Zeit und mit einem derartigen Aufgebot durchzuführen, wollte Politblog wissen. “Ja, das sei in solchen Fällen durchaus angemessen”, so die Antwort des netten Beamten aus Soltau.

Ich melde mich in den nächsten Tagen mal wieder, auch um auf die vielen Kommentare zu antworten.

Flitterwochen durch Polizeieinsatz unterbrochen

Eigentlich wollte ich schon länger wieder mal einen Blogeintrag schreiben, vor allen Dingen weil sich bei mir viel getan hat, über das ich berichten wollte. Das wichtigste: Omar und Ich haben vor ein paar Wochen geheiratet, alhamdulillah. Zur Erholung vom ganzen Heiratsstress mit den verschiedensten Feiern in Osnabrück und Hannover wollten wir eine Woche in einem Ferienhaus in der Lüneburger Heide verbringen. Den Urlaub mussten wir dann leider vorzeitig abbrechen, weil uns etwas unglaubliches passiert ist. Aber der Reihe nach …

Am 25.10.2007 waren wir bereits seit 5 Tagen in den Flitterwochen in einem kleinen Dorf bei Walsrode in der Lüneburger Heide. Wir hatten dort ein kleines zweistöckiges Ferienhaus in der Nähe eines Waldgebietes gemietet in direkter Nachbarschaft zu anderen bewohnten Grundstücken.

Am Donnerstagabend hatten wir grade eine Partie Scrabble beendet, die ich leider verloren habe. Ich bin eine ganz schlechte Verliererin und legte mich aufs Sofa. Omar ging ins Bad, als es heftig an der Haustür klopfte. Ich schrak auf, konnte mich aber vor Herzklopfen nicht rühren. Dann klopfte es ein zweites Mal heftig. Omar eilte schon aus dem Badezimmer und rief mir zu, dass er an die Tür gehen würde. Ich versuchte mir noch schnell mein Gebetskleid überzuziehen, da ich in dem Moment natürlich kein Kopftuch trug.

Omar rief unterdessen “Einen Augenblick, bitte” in Richtung Tür und schaute durch den Vorhang der vor der Glastür hing. “Polizei, bitte aufmachen” rief es von draußen. Omar schloss die Tür auf und öffnete die Tür, als die Polizei auch schon in das Haus stürmte. Omar hielt einen Arm vor die Tür mit der Bitte “Einen Augenblick, meine Frau zieht sich grade an”. Ein großer Polizist in schusssicherer Kleidung drückte seinen Arm weg und ein älterer grauhaariger Herr (der befehlsführende Beamte) hielt Omar seine Dienstmarke vor das Gesicht. Der große und zwei andere Beamte preschten in der Zeit voran in das Haus. Der ältere Herr kam mit Omar in den Wohnraum. In der Zeit hatte ich es noch geschafft, mich anzuziehen und ging auf den Beamten zu und streckte ihm meine Hand zur Begrüßung entgegen, was aber nicht erwidert wurde. Omar und ich mussten uns dann hinsetzen aufs Sofa, während das Haus durchsucht wurde. Mindestens zwei Beamte gingen nach oben in die Schlafzimmer und kamen nach einer halben Minute wieder nach unten. Ein Beamter schaute sich die Walsroder Tageszeitung an, die auf einem Tisch lag. Wir hatten sie am selben Tag in einem nahegelegenen Dorf gekauft. Wir können uns beide nicht erinnern, dass das Badezimmer durchsucht wurde.

Der ältere Beamte der Kriminalpolizei in Soltau setzt sich nun auf das Sofa gegenüber von uns und erklärte uns, jemand hätte am selben Tag folgende Indizien gemeldet: Am Sonnabend sei ein orientalisch aussehendes Pärchen “im Dunkeln” ohne Auto in Dorf angekommen. Das war alles. Beide Beamte, die mit uns sprachen machten einen netten und anständigen Eindruck auf uns. Dennoch war ich aufgrund der Verletzung unserer Privatsphäre tief erschüttert.

Uns wurden nun Fragen gestellt:
Warum wir Flitterwochen in Hamwiede machen? Ohne Auto? Warum kamen wir im Dunkeln an? Wir antworten, dass wir das haus über das Internet unter www.heideurlaub.de gefunden haben, die Besitzer zu den ersten gehörten, die sich bei uns gemeldet hatten, der Preis unserem kleinen Budget entgegenkam, wir uns noch kein Auto leisten können und dass wir erst so spät ankommen konnten, weil unsere Hochzeitsfeier erst gegen 19 Uhr am Samstag beendet war.

Der Beamte verlangte unsere Personalausweise und fragte telefonisch irgendwo nach, ob gegen einen von uns etwas vorläge. Währenddessen stellte Omar ein paar Fragen an den großen kräftigen Herrn in der schusssicheren Weste. Er sagte uns, dass sie mit acht Beamten (die eigens zu diesem Einsatz aus den Betten geholt wurden) angerückt sind. Vier umstellten das Haus, während vier weitere in das Haus eindrangen. Die Beamtin stand während der ganzen Zeit des Gesprächs still im Hintergrund. Der ältere Herr hatte etwas Probleme, die Nummern auf dem Personalausweis zu lesen, da er seine Brille nicht dabei hatte, er bat den großen Beamten sie ihm vorzulesen. Dann gab er diese dann an die andere Person am Ende der Leitung weiter und merkte dabei noch anerkennend an, dass Omar fließend und akzentfrei deutsch spricht, also schon als junger Mann nach Deutschland gekommen sein müsse. Er fragte auch noch nach seinem Herkunftsland und seinem Beruf. Omar wusste nicht was die Frage soll, da er ja Deutscher ist.

Während wir auf die Rückmeldung zu unseren Daten warten, redeten wir mit dem verantwortlichen Beamten. Ich fing an zu weinen, weil ich diese ganze Aktion nicht fassen konnte und geschockt war. Ich fragte ihn was diese Aktion denn jetzt sollte? Er sagte, dass dies mit einer ganz normalen Kontrolle – wie etwa der Alkoholkontrolle bei Autofahrern – zu vergleichen sei. Wir konnten nicht fassen, dass es einen solch großen aufwändigen Polizeieinsatz aufgrund dieser lächerlichen “Indizien” gab. Das Telefon klingelte und es schien nichts Nennenswertes über uns zu geben, was wir dem Kommentar “Leider haben wir tatsächlich ein Paar in ihren Flitterwochen gestört” entnahmen. Ich fragte den Beamten in was für einem Land wir eigentlich leben und er antwortete “In einem sicheren”. Zum Schluss wurde uns dann auch die Hand gereicht.

Ganz ehrlich, Sicherheit ist das letzte, was uns durch diese Aktion vermittelt wurde …