Einführung in das Koranarabische anhand der Sure “al-Mulk” – Robert Breitinger

almulk Viele Menschen lernen Arabisch aus der Motivation heraus, islamische Quelltexte – und zwar vorrangig den Koran – lesen und verstehen zu können. Warum sich also mit den für Anfängerlehrwerke typischen Restaurant- und Arztdialogen herumquälen? Das ist oft extrem frustrierend weil das angestrebte Ziel weit entfernt scheint. Der Verlag für islamische Bildung und Erziehung (VIBE) stellt für dieses Problem ein kleine aber feine Lösung parat: mit der Einführung in das Koranarabisch anhand der Sure 67 “Die Herrschaft” können sogar Grammatikanfänger direkt mit dem Korantext arbeiten. Lediglich mit den arabischen Buchstaben sollte man bereits vertraut sein.

In zwölf Lektionen wird der Lerner in Grundlagen der arabischen Grammatik anhand von Beispielen aus der Sure al-Mulk eingeführt: Wortarten, Verbalstämme, Verneinung usw. Der Anhang ist äußerst hilfreich: hier findet sich die gesamte Grammatik des Buches noch einmal komprimiert und sehr übersichtlich gestaltet auf sieben Seiten wieder. Zum Vokabeltraining ist hier auch der komplette erlernte Wortschatz in Verben und Nomen unterteilt aufgelistet und außerdem sind zum Schluss alle grammatischen Fachausdrücke erklärt. Wirklich brauchbar wird das Buch auch für Anfänger durch die konsequente Umsetzung aller arabischen Passagen in wissenschaftliche Umschrift und Übersetzung und die farbliche Markierung der jeweils relevanten Abschnitte. Kurz: das Buch ist in sich abgeschlossen und benötigt keine zusätzlichen Materialien. Ich würde mich sehr freuen, wenn der Verlag in Zukunft weiterführende Grammatikbücher produzieren würde.

Grammatik – ein Gedicht

In der arabischsprachigen Tradition ist es keine Besonderheit, Grammatik mit Hilfe sich reimender Verse zu erklären. Eines der bekanntesten Gedichte zur arabischen Grammatik ist das von Ibn Mālik aus dem 13. Jahrhundert. Sein grammatische Lehrgedicht ist unter dem Namen alfiyyat al-Malik bekannt und hier im Original nachzulesen. Es ist nicht ungewöhnlich, dieses Gedicht in voller Länge auswendig zu lernen, wenn man z.B. auf einer Institution wie der al-Azhar sein Schulkarriere beginnt.

Arabischer Titel: ath-thulathuma'ati wa khamsun bayt al-bahiyya li 'asem ibn 'atiyya fi al-qawa'id al-almaniyya. (350 schöne Verse von Asem Ibn Atiyya über die Regeln des Deutschen)

Arabischer Titel: ath-thulathuma'ati wa khamsun bayt al-bahiyya li 'asem ibn 'atiyya fi al-qawa'id al-almaniyya. (350 schöne Verse von Asem Ibn Atiyya über die Regeln des Deutschen)

Ganz in dieser Tradition steht Assem Attia Ali, der ein kleines Heftchen mit dem Titel “Die deutsche Grammatik in Form von gereimter Dichtung” verfasst hat. Soweit ich weiß, ist der Verfasser Germanist an einer kairener Universität. Ich konnte ihn per Google leider nicht ausfindig machen, hätte ihn jedoch sehr gerne kontaktiert, um zu fragen ob ich das Heftchen hier zum Download zur Verfügung stellen könnte. Ich habe das Heftchen vor ein paar Jahren bekommen.

In seinem Vorwort gibt Herr Attia an, dass er das Heftchen für seine Studenten verfasst hat:

Ich liebe die deutsche Sprache leidenschaftlich und bin in sie vernarrt, konnte aber aus Eifersucht nicht aufraffen (sic), dass meine Deutschlernenden Studenten sich über ihre Grammatik beklagen. Sie behaupten, dass die dt. Grammatik schwer zu verstehen sei. Das hat mich bewogen, darüber nachzudenken, wie ich eine Lösung für dieses Problem finden könnte.

Beispielseite mit den Abschnitten zur Deklination alleinstehender Adjektive, zum Partizip I, II und dem Passiv.

Beispielseite mit den Abschnitten zur Deklination alleinstehender Adjektive, zum Partizip I, II und dem Passiv.

In 350 Versen geht der Autor dann verschiedene grammatische Phänomene – vom Verb, über Akkusativobjekt und Präpositionen bis zum Konjuntiv – in Versform durch. Ich habe ja selber mal unterrichtet und habe in einzelnen, mittlerweile veralteten Lehrwerken hier und da mal einen Merkspruch gefunden, aber noch nie ein langes Gedicht, welches sich mit der kompletten Grammatik beschäftigt. Ich finde die Idee schön und hatte schon lange vor, das hier mal bekannt zu machen.

Sick of Sick? – André Meinunger

Über den Bremer Sprachblog bin auf dieses Buch gestoßen. Der etwas verwirrende Titel rührt daher, dass der Autor – Linguist am Berliner Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft – sich kritisch mit den zahlreichen Publikationen von Bastian Sick – vielen bekannt durch “Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod” – auseinandersetzt. Der Titel kommt zwar etwas gehässig daher, was aber der Lektüre dieses spannendes Buches keinen Abbruch tut.

Der Autor befasst sich in 25 recht kurz gehaltenen Kapiteln mit von Sick – in seinen Büchern, seiner Spiegelkolumne “Zwiebelfisch” und neuerdings auch einem Spiel – bemängelten Phänomenen der gegenwärtigen deutschen Sprache. Dabei wird klar, dass die Sicksche Kritik in Teilen oberflächlich und manchmal sogar komplett irreführend ist. Umso erholsamer und einleuchtender ist da die komplexe Behandlung einzelner Themenbereiche bei Meinunger. Im Gegensatz zu Sick verfügt Meinunger über umfassende Kenntnisse der Geschichte der deutschen Sprache (und artverwandter Sprachen) und der Mechanismen die einem (absolut natürlichen) Sprachwandel unterliegen.

Bei einem Verb wie winken ist es also durchaus von Bedeutung, dessen Entwicklung zu kennen um heutige Formen wie gewunken als grammatisch korrekt einordnen zu können. Bei Sick wird dies jedoch als fehlerhaftes Deutsch bemängelt.

Im Grunde genommen sind hier zwei Auffassungen, über das was Sprache und besonders Sprachbeschreibung leisten soll, im Clinch. Nach der einen muss nach einem relativ starren Regelwerk korrigierend eingegriffen werden, die andere Auffassung begreift Sprache her als lebendigen Organismus der über “Mechanismen der Selbstregulation” verfügt.

Eine Leseprobe findet man beim Verlag.