Grammatik – ein Gedicht
In der arabischsprachigen Tradition ist es keine Besonderheit, Grammatik mit Hilfe sich reimender Verse zu erklären. Eines der bekanntesten Gedichte zur arabischen Grammatik ist das von Ibn Mālik aus dem 13. Jahrhundert. Sein grammatische Lehrgedicht ist unter dem Namen alfiyyat al-Malik bekannt und hier im Original nachzulesen. Es ist nicht ungewöhnlich, dieses Gedicht in voller Länge auswendig zu lernen, wenn man z.B. auf einer Institution wie der al-Azhar sein Schulkarriere beginnt.

Arabischer Titel: ath-thulathuma'ati wa khamsun bayt al-bahiyya li 'asem ibn 'atiyya fi al-qawa'id al-almaniyya. (350 schöne Verse von Asem Ibn Atiyya über die Regeln des Deutschen)
In seinem Vorwort gibt Herr Attia an, dass er das Heftchen für seine Studenten verfasst hat:
Ich liebe die deutsche Sprache leidenschaftlich und bin in sie vernarrt, konnte aber aus Eifersucht nicht aufraffen (sic), dass meine Deutschlernenden Studenten sich über ihre Grammatik beklagen. Sie behaupten, dass die dt. Grammatik schwer zu verstehen sei. Das hat mich bewogen, darüber nachzudenken, wie ich eine Lösung für dieses Problem finden könnte.

Beispielseite mit den Abschnitten zur Deklination alleinstehender Adjektive, zum Partizip I, II und dem Passiv.
Der Rosengarten
Wenn jemand von einem anderen Gutes sagt, wendet sich das Gute zu ihm zurück, und in Wirklichkeit ist dieses Lob für ihn selbst. Er ist ähnlich wie jemand, der um sein Haus einen Rosenhag und Duftkräuter pflanzte; wann immer er hinsieht, erblickt er Rosen und Duftkräuter und ist ständig im Paradies. Wenn er sich angewöhnt hat, gut von anderen zu sprechen, sprechen die anderen auch gut von ihm. Wenn er Gutes von jemandem sagt wird der sein Freund; und an einen lieben Freund zu denken ist wie Rosen und Rosenhag, Dufthauch und Rast. Aber wenn er schlecht von jemand spricht, dann erscheint er diesem verhasst – wenn er an ihn denkt, und sein Bild ihm erscheint, ist es, als ob eine Schlange oder ein Skorpion, ein Dorn oder eine Distel vor seinen Augen erschienen sei.
Nun, wenn du Tag und Nacht Rosen und Rosengärten und die Wiesen von Iram sehen kannst, warum gehst du inmitten von Dornbüschen und Schlangen umher? Liebe alle, damit du immer unter Rosen und in einem Garten weilst.
Rumi
