Der erste Tafsir (Korankommentar) von einer Frau

Kariman Hamzah – eine ehemalige Fernsehmoderatorin aus Ägypten – hat einen Korankommentar geschrieben. In vielen Medienmeldungen wird dieser Tafsir als der erste, der von einer Frau geschrieben wurde, bezeichnet. Das stimmt so nicht, ich hatte ja vor ein paar Tagen schonmal das Thema gestreicht – mir sind mindesten zwei Frauen bekannt, die einen (in einem Fall kompletten) arabischen Korankommentar verfasst haben. Dies einmal abgesehen von den zahlreichen Interpretationen zu kleineren Abschnitten des Qurans in arabisch und vielen Sprachen, die von Fauen zu allen Zeiten unternommen wurden.

Kariman Hamza ist allerdings die erste Frau, dessen Tafsir mit dem Titel “Der deutliche Korankommentar für Kinder und Jugendliche”1 von der al-Azhar Universtät genehmigt wurde.

Mit Dank an Muslimah Media Watch.

Fußnoten
  1. al-Wadih fi Tafsir al-Quran li-ash-Shabab wa-ash-Shabiba []

Vom Suchen und Finden arabischsprachiger Literatur im Netz

Auf der Suche nach bestimmten Tafsiren im Original wird man in den Weiten des Internets recht gut fündig. Ein sehr gutes Instrument für die Suche ist der Suchdienst Yamli. Am besten man probiert es einfach mal aus. Der Vorteil hier ist, dass man für eine arabischsprachige Suche nicht immer mehr das Tastaturlayout wechseln muss. Man umschreibt den gesuchten Begriff einfach in lateinischen Buchstaben und Yamli gibt dann mehrere Varianten in Arabisch vor. Auf diese Weise habe ich recht schnell den Tafsir von Aisha Abd ar-Rahman alias Bint as-Shati gefunden.1 Meines Wissens ist dies einer der ganz wenigen Korankommentare auf arabisch, die von einer Frau verfasst wurden.2

Eine reiche Quelle (nicht nur) für arabische Bücher in elektronischer Form ist archive.org. Dieser Dienst archiviert nicht nur alle Internetseiten sondern auch lizenzfreie Texte. So bin ich hier bei meiner Such nach einer Reihe von Tafsiren fündig geworden: der bekannte moderne Tafsir von Ibn Ashur in 15 Bänden mit dem Titel “at-Tahrir wa-t-Tanwir”3, der Tafsir al-Manar von Muhammad Abduh4 oder aber der Tafsir von Jalal ad-Din as-Suyuti namens “ad-Durr al-manthur fi-t-tafsir bi-l-ma’thur” aus dem 15. Jahrhundert. Weiterhin findet man dort auch orientalistische Werke wie die “Geschichte des Qorans” von Theodor Nöldeke aus dem Jahre 1860 oder islamische Klassiker wie das berühmte Geschichtswerk Ibn Jarir at-Tabaris in persischer Sprache.

Fußnoten
  1. Er hat den Titel “Tafsir al-Bayani lil-Qur’an al-Karim”. []
  2. Vielleicht der einzige? Ein anderer Korankommentar, der immer mal wieder in der Literatur genannt wird, den ich aber bis jetzt nicht gefunden habe, ist der von Zaynab al-Ghazali. []
  3. Das könnte man mit “Befreiung und Erleuchtung” übersetzen. []
  4. Umstrittener Großmufti von Ägypten von 1899 bis 1905. []

Neue Internetseite muslimischer Frauen

Zusammen mit zwei anderen muslimischen Frauen arbeite ich schon seit einigen Monaten an einer neuen Webpräsenz . Zusammen mit Nina Mühe und Silvia Horsch haben wir jetzt die Seite Nafisa.de ins Leben gerufen auf der wir den Diskurs über muslimische Frauen kritisch betrachten wollen. Aus dem Klappentext:

Wir – das sind drei muslimische Frauen und Wissenschaftlerinnen – beschäftigen uns aus persönlichen und beruflichen Gründen intensiv mit den Themenbereichen “Frau”, “Geschlecht”, “Islam” in einer pluralistischen Gesellschaft. Mit nafisa wollen wir über unsere Arbeit, Ansichten und Ergebnisse informieren. Dabei verfolgen wir zwei Ziele: Erstens möchten wir uns am gesellschaftlichen Diskurs über den Islam und muslimische Frauen beteiligen. Schon oft haben wir uns an einseitigen Debatten und tendenziöser Berichterstattung zu einer Reihe von Themen gestört und wollen deshalb unsere Sicht der Dinge in die Diskussion bringen.

Wir hoffen damit auf Interesse zu stoßen!

Broschüre des Berliner Senats – “Mit Kopftuch außen vor?”

Broschüre der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung | Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales

Broschüre der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung | Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales

Ich habe vor ein paar Wochen von einer Neuerscheinung des Berliner Senats (Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung) erfahren und direkt bestellt. Es handelt sich dabei um eine kleine Broschüre mit dem Namen “Mit Kopftuch außen vor?“. Mit der Broschüre will die Landesstelle einerseits Erfahrungen muslimischer Frauen dokumentieren, mit denen sie aufgrund Kopftuch bedingter Diskriminierung in Kontakt getreten ist. Dabei stützt sich die Broschüre auf Einzelgespräche die in den Jahren zwischen 2005 bis 2007 in der Beratungsarbeit der Landesstelle geführt wurden und auf einzelne Befragungen und Studien zum Thema. Eine davon ist die Magisterarbeit von Canan Korucu – eine qualitative Studie anhand von Leitfadeninterview mit jungen Kopftuch tragenden Musliminnen. Andererseits werden am Schluss der Broschüre äußerst interessante Handlungsvorschläge formuliert, von denen man nur hoffen kann, dass sie auch in die Tat umgesetzt werden:

1. Breite, sich an alle gesellschaftliche Akteure richtende, Aufklärung zum AGG und zum Neutralitätsgesetz (d.h. auch zu dessen begrenztem Regelungsbereich), Öffentlichkeitsarbeit, Bewusstmachen von Ungleichbehandlungen.

2. Herausgabe eines Faltblatts zum Neutralitätsgesetz, das insbesondere die Wirtschaft über den Ausdehnungsbereich und die Grenzen des Gesetzes informiert. Erläuterung auch aktueller antidiskriminierungsrechtlicher Vorgaben (AGG).

3. Überprüfung des Neutralitätsgesetzes vor dem Hintergrund des AGG.

4. Rundschreiben an alle Schulen und Kitas zum Neutralitätsgesetz unter Berücksichtigung des AGG.

5. Spezifische Fortbildungsangebote für Pädagogen und Pädagoginnen, um sie in der Führung situationsangemessener Gespräche mit Schüler/innen und ggf. deren Eltern zu unterstützen.

6. In Kooperation mit den Moscheevereinen sollen Ansprechpersonen in Fällen von Diskriminierung benannt und zum AGG geschult werden.

7. Einbeziehung der für das Themenfeld relevanten Nicht-Regierungsorganisationen als Multiplikatoren und Experten in den Gesamtprozess

8. Hervorhebung positiver Vorbilder: Stimmen von Musliminnen in der öffentlichen Debatte mehr Gehör verschaffen.

8. Empowerment muslimischer Frauen, damit sie sich besser gegen Diskriminierungen zur Wehr setzen und ihre Rechte einfordern können und zur Verbesserung ihrer gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Partizipation. Meldung von Diskriminierungsfällen bei den Beratungsstellen zur Unterstützung und Bekanntmachung.

10. Gespräche mit Wirtschaftsvertretern und Wirtschaftsvertreterinnen zur Erhöhung von deren Akzeptanz gegenüber muslimischen Frauen im Arbeitsleben. Im Sinne des Diversity-Ansatzes ist dabei stärker auf das Qualifikationspotential hinzuweisen, das eine große Anzahl muslimischer Frauen mitbringt und das bei Ausgrenzung brach liegt.1

Die Broschüre kann man entweder hier herunterladen oder als Drucksache bestellen:

Die Broschüre “Mit Kopftuch außen vor?” kann über die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales per E-Mail broschuerenstelle@senias.berlin.de und telefonisch unter 030 9028 2848 bestellt werden.

Fußnoten
  1. Hervorhebungen von mir []

Körting sieht wenig Zukunft für das Kopftuchgesetz

Hatte ich ganz vergessen zu bloggen…

Auf der Islam-Woche, die vor ein paar Wochen in Berlin war, gab es eine Podiumsdiskussion auf der Günter Piening (Beauftragter für Integration und Migration, Die Grünen), Ehrhart Körting (Berliner Innensenator, SPD), Oğuz Üçüncü (Generalsekretär der IGMG) und Amir Zaidan (Direktor des IRPI in Wien) zum Thema “Wie loyal sind Muslime zu unserer Gesellschaft?” Die war ziemlich interessant und ergebnisreich, zumal man eine solche Konstellation ja nicht alle Tage zu sehen bekommt.

lebedeinentraum_1.jpg
Quelle: Lebe deinen Traum von Maharepa

Ehrhart Körting machte zum wiederholten Male optimistische Äußerungen zum Thema Kopftuchgesetz. In Berlin ist es so, dass das Kopftuch und Symbole von anderen Religionen nicht sichtbar im öffentlichen Dienst getragen werden dürfen. Das hört sich zunächst einmal besser an als die Gesetzgebungen in anderen Ländern, in denen das Kopftuch eine gesonderte Position unter den religiösen Symbolen innehat und oft als einziges im Staatsdienst verboten ist. In Berlin bezieht sich das Verbot aber auf den gesamten öffentlichen Dienst und wird zudem noch in den einzelnen Bezirken höchst unterschiedlich ausgelegt. So kann es sein, dass eine Studentin mit Kopftuch im Quartiersmanagment Neukölln keine Chance auf ein Praktikum hat, in Kreuzberg aber schon.

„Es ist unerträglich, dass jemand, der kein Kopftuch trägt, beschimpft wird“, sagt Körting. „Und genauso wenig gibt es einen Freibrief, Kopftuchträgerinnen zu diskriminieren.“ Doch diese Erfahrung machen viele unter den 200 000 in Berlin lebenden Muslimen. „Frauen, die Kopftuch tragen, werden oft benachteiligt. Arbeitgeber in der Privatwirtschaft lehnen sie ab, obwohl es eine Religionsfreiheit gibt“, sagt Sabine Kroker-Stille, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Landes Berlin.

Ganz zu schweigen von der Signalwirkung des Gesetzes auf andere Bereiche der Wirtschaft, so dass es schon zur Normalität gehört, dass Frauen aufgrund ihres Kopftuches und trotz (teils hervorragender) Qualifikation nicht als Krankenschwestern, Ärztinnen, Kosmetikerinnen, Schneiderinnen, Rechtsanwaltsgehilfinnen oder auch als Küchenhilfe bei MacDonalds arbeiten dürfen.

Umso hoffnungsvoller stimmt wenn heute einer der größten Befürworter der Regelung im Jahr 2003, die Lage heute anders bewertet:

„Ob es auf Dauer bei einer solchen Regelung bleibt, halte ich für unwahrscheinlich“, sagte Innensenator Ehrhart Körting (SPD).

Muslime und Stereotype

Zu jeder Nationalität/ Religionsgemeinde/ Gruppierung gibt es das passende oder unpassende Stereotyp. Auch gibt es keine Gruppierung die nicht über Stereotype in Bezug auf Nicht-Zugehörige verfügt.

Ich möchte hier nur über den Umgang von Muslimen mit Stereotypen sprechen, welche von außen an sie herangetragen werden. In Gesprächen unter Muslimen hört man oft eine starke Unzufriedenheit mit dem mitunter vorurteilsbeladenen Umgang mit ihnen heraus: sei es in den Medien, im Dialog, auf politischer oder auch privater Ebene. Diese Vorurteile existieren tatsächlich, und das nicht erst seit gestern, und auch nicht nur unter dem “gemeinen” Volk (vgl. auch die von Edward Said ausgelöste Orientalismus-Debatte). Solche Fremdbeschreibungen erfüllen eine bestimmte Funktion für den, der sie ausführt. Diese hat mit der Konstruktion seines Selbstbildes zu tun. Das funktioniert dann ungefähr so:

1. Behauptung: Gruppe B ist ganz anders als Gruppe A.

2. Behauptung: Gruppe B ist zurückgeblieben.

Aus beiden Behauptungen folgt, dass Gruppe A fortschrittlich ist. Gruppe B ist so nur die Projektionsfläche für alles das was Gruppe A nicht ist. Ich denke, dass keine Gruppierung frei von solchen Mechanismen ist, man sollte sie sich nur bewusst machen um zu einer authentischen Identität zu kommen.

Weit über die Diskriminierung hinaus, haben solche Zuschreibungen jedoch noch einen tiefergehenden Effekt auf die Muslime. Dies wird besonders in der Identitätsbildung von Muslimen deutlich, denn die erfolgt meiner Beobachtung nach oft nur noch als (trotzige oder zustimmende) Reaktion auf die Fremdbeschreibungen. Dies kann man an zahllosen Beispielen verdeutlichen, ich bringe hier nur zwei:

- So wird die Behauptung “Das Kopftuch ist ein Symbol der Unterdrückung von Frauen” einfach übernommen oder es wird die (meiner Meinung nach unsinnige)* Gegenbehauptung “Es ist ein Symbol für die Befreiung der Frau” aufgestellt. Womit gleichzeitig die Behauptung aufgestellt wird, die muslimische Frau sei an sich ja schon befreit und bedürfe keiner weiteren Unterstützung.

- Der Islam wird oft als absolut inkompatibel mit einer wie auch immer gearteten Demokratie bezeichnet. Dies wird von vielen Muslimen einfach übernommen. So meinen sie entweder außerhalb eines islamischen Referenzrahmens für Demokratie argumentieren zu müssen. Oder aber, sie lehnen Demokratie schlichtweg ab, und argumentieren so oft (gewollt oder unbewusst) für autoritäre und ausbeuterische Systeme.

Das Problem bei dieser Art des Umgangs mit Vorurteilen ist aber, dass wir so einfach nicht mit unseren tatsächlichen Problemen fertig werden. Wir ignorieren sie dadurch vielmehr und machen uns selber unfähig zur Selbstkritik und der daraus folgenden Verbesserung von Missständen. Ich will bei dem Beispiel “unterdrückte muslimische Frau” bleiben. Wenn wir immer nur auf Vorwürfe von außen antworten und bei der Behauptung bleiben der Islam unterdrücke die Frau nicht (was ja an sich stimmt), dann verschließen wir damit die Augen vor tatsächlich bestehendem Unrecht. Nämlich dem, dass es ein Problem in der Behandlung von Frauen in musl. Gesellschaften und Familien gibt. Es kann so passieren, dass eine Beratungsstelle für Frauen mit familiären Problemen innerhalb einer Moscheegemeinde als ein Angriff auf den Islam an sich und die Gemeinde verstanden wird. Das kann doch nicht sein! Es gab so einen Fall wirklich (kann den Artikel nicht mehr finden) und ich kann dies auch aus der eigenen Erfahrung teilw. bestätigen. Wenn man sich als Muslim oder den Islam nur als Gegenentwurf zur “westlichen Gesellschaft” versteht, läuft man Gefahr die Bedürfnisse der Muslime in unserer Gesellschaft zu missachten und dadurch ihren Zustand zu verschlechtern.

* Unsinnig deshalb, weil Frauen in weiten Teilen der menschlichen Geschichte nun einmal unterdrückt waren/sind und das völlig unabhängig davon, ob sie nun bedeckt waren oder sind. Außerdem haben bis vor ca. 100 Jahren in den meisten Gesellschaften des Nahen und Mittleren Ostens Frauen aller Religionen eine Kopf- bzw. Gesichtsbedeckung getragen, ohne dadurch befreiter zu sein. Dies übrigens auch schon lange bevor der Koran offenbart wurde. Der Grad der “Befreiung” einer Frau steht einfach in keinem Zusammenhang zum Grad der Bedeckung.

Frauenabteilung

Ich bin heute auf den überaus interessanten Blog einer kanadischen Muslima namens Safiyya gestoßen. Wirklich lesenswert, ich bin auch schon eine Weile damit beschäftigt :)

Ein für mich schockierender, aber leider durch eigene Erfahrungen bestätigter, Beitrag dokumentiert in Bildern den Unterschied zwischen den Gebetsplätzen für Männer und Frauen in einer saudischen Moschee. Bevor ich loslege, muss ich der Fairness halber sagen, dass in manchen Ländern Moscheen nicht häufig von Frauen genutzt werden (aus umstrittenen Gründen, die hier aber nicht das Thema sein sollen) und es deswegen meist keine oder nur sehr kleine Räume/Abteilungen für Frauen gibt, die zudem auch oft vernachlässigt werden.

Trotzdem ist es unverständlich, dass ein Frauengebetsraum, wenn schon vorhanden, hässlicher und/oder einfacher sein muss als der der Männer. Dies habe ich leider des Öfteren erlebt und habe das nie verstanden. In einer sehr neuen, schönen Moschee in Kairo war es sogar so, dass es zwar einen riesigen Raum für Frauen gab, der auch von sehr vielen Frauen genutzt wurde. Generell werden die Moscheen in Kairo sehr stark von Frauen genutzt, vermehrt in den letzten zehn Jahren. Leider war der Raum sehr schwer zugänglich (viele Treppen bis in das zweite Stockwerk), was für Behinderte und Ältere ein Problem darstellt. Besonders auffällig und für mich deprimierend war dann aber der qualitative und ästhetische Unterschied der Inneneinrichtung dieses Raumes im Vergleich zur Männerabteilung auf der unteren Ebene. Die Teppiche der Frauen waren grau und unscheinbar, die der Männer reich verziert (man konnte durch ein kleines Fenster heruntergucken), die Frauen beteten vor kahlen weißen Wänden, die Wände der Männerabteilung waren mit schönen Kalligrafien oder aufwändigen Holzschnitzereien verziert. In dieser Moschee konnte man von purer Absicht ausgehen, weil sie sehr neu war und genauso konzipiert war. Der Frauenraum wurde also nicht erst im Nachhinein eingerichtet. Ich verstehe so etwas einfach nicht!

Ich habe dann auch nach Möglichkeit nicht mehr dort gebetet, da es mir zu sehr auf Gemüt schlug und die Trennung in anderen Moscheen netter gelöst ist. Wie z.B. durch eine Trennung im selben Raum durch eine Holzwand oder Ähnliches. Am liebsten habe ich in der Sultan Hassan Moschee gebetet, die ohnehin eines der schönsten und beeindruckendsten Gebäude Kairos ist. Die Frauen beten dort in einem der vier Iwane, gegenüber der Gebetsrichtung. Man kann die Khutba von dort sehr gut verstehen und an dem erhebenden Gefühl eines gemeinschaftlichen Gebets uneingeschränkt teilhaben.

juma_sultan_hassan.jpg

Frauen an der Kaaba 2

Die Pläne zur Verlegung des Frauenbereichs in der Nähe der Kaaba in einen weiter abgelegen Bereich kommen nun doch nicht zum Tragen. Dies hat ein offizieller Sprecher der saudischen Regierung heute mitgeteilt. Die Aufteilung im Mataaf (dem Vorhof der Kaaba) soll beibehalten werden, d.h. den Frauen ist der Platz am ehemaligen Eingang zur Zamzamquelle vorbehalten (auf dem Bild links, durch die schwarze Kleidung der Frauen leicht zu erkennen). Alhamdulillah kann ich dazu nur sagen. Trotzdem bleibt ein bitterer Beigeschmack, denn dieser Bereich ist sehr klein und dadurch sehr schnell besetzt.
Des Weiteren ist die Rede davon, dass nun 53% der gesamten Fläche des Haram für Frauen reserviert sei. Und zwar auf den zwei oberen Ebenen des Haram. Bleibt abzuwarten wie das in die Praxis umgesetzt wird, ich hatte ja schon von den teilweise sehr unwirschen “Aufpassern” im Haram berichtet. In einem anderen Artikel wird darüber berichtet, wie meistens Frauen dazu angehalten werden bestimmte Bereiche zu verlassen, fertig zu beten etc.

Ein weiteres Problem, auf das in beiden Artikeln eingegangen wird, ist der erschwerte Zugang für Frauen zum Grab des Propheten (sallahu aleyhi wa sallam) in Medina. Man kommt für gewöhnlich nur in einen speziell abgegrenzten Teil (und das auch nur zu bestimmten Zeiten), von dem aus man auch gar nichts sehen kann, da alles mit Plastikwänden abgeschirmt ist. Dies ist für viele Frauen sehr traurig, da sie sich, genau wie die Männer, nichts sehnlicher wünschen dem Propheten (sas) so nah wie möglich zu kommen. Ich kann zwar noch nachvollziehen, dass man bei einem so großen Besucheraufkommen nach Geschlechtern trennt. Es kann zu einem großen Gedränge kommen und für den ein oder anderen unangenehm werden. Das muss jedoch nicht heißen, dass Frauen dann bestimmte Plätze (zumal einen so wichtigen) gar nicht mehr betreten dürfen. Man könnte ja einfach unterschiedliche Zeiten einrichten.

Ich verstehe einfach nicht, warum grade Frauen diejenigen sind, die unter der rigiden Geschlechtertrennung zu leiden haben. In der Argumentation heißt es immer, dass sie grade nur zum Schutze der Frau da sei….

Das Bild der muslimischen Frau

Wer sich näher mit der Wahrnehmung der muslimischen Frau auseinandersetzen möchte, dem kann ich folgende Literaturempfehlungen ans Herz legen, die sich dem Thema wissenschaftlich annähern:

Mohja Kahf – Western Representations of the Muslim Woman: From Termagant to Odalisque

Irmgard Pinn – EuroPhantasien. Die islamische Frau aus westlicher Sicht

Frauen an der Kaaba

Manchmal kann man einfach nur wütend sein… wie zum Beispiel beim Lesen dieser Nachricht über die neuesten Pläne, Frauen aus dem inneren der Moschee um die Kaaba herum fernzuhalten.

Es ist für jeden Muslim, der die Hajj unternimmt, ein tiefes Bedürfnis, so nah wie nur irgend möglich an der Kaaba zu beten. Das ist aufgrund der Menge der Menschen, die sich während der Hajj Zeit dort aufhalten nicht immer möglich und man muss oft mit einem hinteren Platz Vorlieb nehmen.

Als ich vor zwei Jahren zur Hajj in Mekka war, lief es meistens so, dass die Plätze in der Nähe der Kaaba meisten schon eine Stunde vor dem jeweiligen Gebet besetzt waren. Jedoch umkreisen noch bis kurz vor dem Gebet viele Menschen die Kaaba (tawaf). Das bedeutet, dass jeder an dem Platz betet an dem er sich grade aufhält, wenn der Vorbeter das Gebet anfängt. Es ist zu wenig Zeit und Platz um extra einen anderen Platz zu suchen. So kann es dann passieren, dass Männer und Frauen nebeneinander beten. Durch die Massen an Menschen ist es in den letzten Jahren sehr eng geworden und man hatte deshalb einen Teil des Hofes um die Kaaba extra für Frauen reserviert. Dieser Platz befindet sich in der Nähe der Quelle Zamzam. Das war auch vor zwei Jahren noch so und ich fand die Regelung eigentlich sehr gut. Die Stelle hätte nur noch ein bisschen größer sein können. So konnte man noch Tawaf machen bis das Gebet anfing und dann den wunderschönen Anblick der Kaaba während des Gebets genießen, ohne von einem der lästigen Aufseher behelligt zu werden.

Wenn den Frauen dieser Anblick genommen wird, ist das mehr als eine absolute Unverschämtheit. Wenn es den Befürwortern einer solchen Maßnahme wirklich um die Sicherheit und den Komfort gehen würde, dann hätte man die Probleme, die durch die großen Massen an Pilgern verursacht werden, auch besser berücksichtigen können und müssen als man den Haram-Komplex vor ein paar Jahren so aufwendig renoviert hat.

Ein weiterer Punkt erscheint mir sehr widersprüchlich: Wie gesagt vollziehen hunderte von Pilgern bis zum Anfang des Gebets den Tawaf nahe der Kaaba. Das ist teilweise notwendig, da der Tawaf relativ zeitaufwendig ist und ein Pflichtteil der Hajj darstellt. Dies gilt selbstverständlich für beide Geschlechter, was bedeutet, dass sich immer auch Frauen unter den letzten befinden werden die noch ganz in der Nähe der Kaaba den Tawaf vollziehen. Das heißt aber auch, dass in der Nähe der Kaaba Frauen unter den Betenden sein werden. Wenn man wirklich Männer und Frauen für das Gebet trennen will, müsste man den Frauen ganz verbieten, auf dem Innenhof die Kaaba zu umkreisen. Und das ist meiner Meinung nach ein unmögliches Unterfangen.

Und was heißt überhaupt Sicherheit? Mir sind während meiner ganzen Zeit in der Kaaba keine schlimmen Dinge passiert. Im Gegenteil, es herrscht überwiegend eine sehr ruhige Atmosphäre unter den Pilgern. Und wenn jemand bei dem Gedrängel in der Nähe der Kaaba mal die Geduld verliert, dann sind sofort andere Pilger dabei, denjenigen mit sanften Worten zu beruhigen. Ich konnte beobachten wie rührend sich die Pilger umeinander kümmern. Männer beschützen ihre Ehefrauen vor zu großem Gedrängel mit ihre Armen, sehr alte Leute werden von ihren jüngeren Familienmitgliedern getragen oder im Rollstuhl gefahren. Ich hatte während der Hajj eine heftige Erkältung und war deshalb sehr geschwächt. Eine sehr alte Frau neben mir schien das bemerkt zu haben und griff an einer sehr dichten Stelle meine Hand und führte mich hindurch. Diese Barmherzigkeit werde ich nie vergessen.

Die einzigen, die dort wirklich manchmal stören, sind bestimmte Aufseher. Oft wird auf ziemlich rabiate Weise versucht, Dinge zu verhindern, die nach saudischer Islam-Aufassung einen Regelverstoß darstellen. So ist mir folgendes passiert: Ich war innerhalb einer Gruppe Frauen kurz vor Anfang des Gebets noch in der Nähe der Kaaba. Dies passiert wie schon erwähnt öfters, wenn man sich noch im Tawaf befindet. Wir blieben also zum Gebet stehen, als ein besonders unfreundlicher Aufseher uns wegschicken wollte. Wütend mit seinem Umhang fuchtelnd und schimpfend, ließ er uns nicht in Ruhe. Das Problem war aber, das wir niemals rechtzeitig einen anderen Platz gefunden hätten. Bis auf den letzten Zentimeter war alles weit und breit besetzt. Wir blieben also dort. Unsere männlichen Begleiter setzten sich vorbildlich für uns ein, so dass der Aufseher schließlich von dannen ziehen musste, als das Gebet begann.

Enstchuldigung, dass es ein wenig lang geworden ist heute, aber es musste mal gesagt werden.