Korruption
Auf der Seite des Deutschlandfunk findet sich ein Interview mit Karlheinz Böhm, in dem dieser eine erfrischend andere und vor allen Dingen originäre Sichtweise auf aktuell diskutierte Themen rund um den G8 Gipfel artikuliert.
Korruption ist in vielen afrikanischen Ländern ein alltäglich erfahrbares Phänomen. Allein deshalb geht man automatisch davon aus, dass es sich auf diese Länder beschränkt, wir also in unserem rechtsstaatlichen Westen damit nichts zu tun hätten – sämtliche Korruptionsskandale der letzten Jahre in Wirtschafts- und Politikerkreisen ignorierend. Böhm findet dies verlogen:
Schauen Sie, wenn ich das Wort Korruption höre, muss ich manchmal geradezu, wenn Sie mir das Wort verzeihen, lachen. Denn wenn ich mich erinnere, in den letzten paar Jahren, ganz wenige Jahre, da brauche ich gar nicht so lange zurückzudenken, gab es in Europa unter anderem in meiner Heimat Österreich, wie auch in Deutschland, wie auch in anderen Staaten Europas, es gab Korruptionsskandale, die in Nummern gegangen sind, in Zahlen, womit das, was in Afrika passiert, geradezu lächerlich erscheint. Das heißt, das sind riesige Korruptionsskandale, die meistens auf Individuen beruhen, die dann mit Milliarden und Abermilliarden irgendwelche schrecklichen Dinge machen und man sich jetzt überlegt, wie man sie vor Gericht stellen soll et cetera. Das zu vergleichen mit dem, was man hier Korruption nennt in Afrika, das finde ich höhnisch und zynisch, anders kann ich es nicht sagen.
Wie eng wirtschaftliche Probleme in der “3. Welt” verknüpft sind mit unserem eigenen Wirtschaftssystem, braucht eigentlich nicht extra erwähnt zu werden. Dennoch veranschaulicht Böhm dies sehr gut:
Das Problem Wirtschaft, das muss ich deswegen erwähnen, weil wenn ich denke, was wir für einen Kilo Kaffee in Österreich oder Deutschland zum Beispiel bezahlen und was hier ein Kaffeebauer verdient im Monat mit einem Durchschnittseinkommen für seine ganze Familie von etwa 25 Euro, und wenn man sieht, dass da noch immer kolonialistisches Denken ist, gerade was den Handel betrifft, es müsste langsam Schritt für Schritt nicht nur ein wirklich freier und gerechter Handel entstehen. Sondern es müsste auch etwas entstehen, dass man das Interesse hat, das, was man ein halbes Jahrtausend verhindert hat, halt zu unterstützen, so gut es geht. Nämlich, das was zum Beispiel “Menschen für Menschen” versucht jetzt seit 25 Jahren, den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich selber so zu entwickeln, dass sie Partner von uns werden können.
