Grammatik – ein Gedicht
In der arabischsprachigen Tradition ist es keine Besonderheit, Grammatik mit Hilfe sich reimender Verse zu erklären. Eines der bekanntesten Gedichte zur arabischen Grammatik ist das von Ibn Mālik aus dem 13. Jahrhundert. Sein grammatische Lehrgedicht ist unter dem Namen alfiyyat al-Malik bekannt und hier im Original nachzulesen. Es ist nicht ungewöhnlich, dieses Gedicht in voller Länge auswendig zu lernen, wenn man z.B. auf einer Institution wie der al-Azhar sein Schulkarriere beginnt.

Arabischer Titel: ath-thulathuma'ati wa khamsun bayt al-bahiyya li 'asem ibn 'atiyya fi al-qawa'id al-almaniyya. (350 schöne Verse von Asem Ibn Atiyya über die Regeln des Deutschen)
In seinem Vorwort gibt Herr Attia an, dass er das Heftchen für seine Studenten verfasst hat:
Ich liebe die deutsche Sprache leidenschaftlich und bin in sie vernarrt, konnte aber aus Eifersucht nicht aufraffen (sic), dass meine Deutschlernenden Studenten sich über ihre Grammatik beklagen. Sie behaupten, dass die dt. Grammatik schwer zu verstehen sei. Das hat mich bewogen, darüber nachzudenken, wie ich eine Lösung für dieses Problem finden könnte.

Beispielseite mit den Abschnitten zur Deklination alleinstehender Adjektive, zum Partizip I, II und dem Passiv.
Sick of Sick? – André Meinunger
Über den Bremer Sprachblog bin auf dieses Buch gestoßen. Der etwas verwirrende Titel rührt daher, dass der Autor – Linguist am Berliner Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft – sich kritisch mit den zahlreichen Publikationen von Bastian Sick – vielen bekannt durch “Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod” – auseinandersetzt. Der Titel kommt zwar etwas gehässig daher, was aber der Lektüre dieses spannendes Buches keinen Abbruch tut.
Der Autor befasst sich in 25 recht kurz gehaltenen Kapiteln mit von Sick – in seinen Büchern, seiner Spiegelkolumne “Zwiebelfisch” und neuerdings auch einem Spiel – bemängelten Phänomenen der gegenwärtigen deutschen Sprache. Dabei wird klar, dass die Sicksche Kritik in Teilen oberflächlich und manchmal sogar komplett irreführend ist. Umso erholsamer und einleuchtender ist da die komplexe Behandlung einzelner Themenbereiche bei Meinunger. Im Gegensatz zu Sick verfügt Meinunger über umfassende Kenntnisse der Geschichte der deutschen Sprache (und artverwandter Sprachen) und der Mechanismen die einem (absolut natürlichen) Sprachwandel unterliegen.
Bei einem Verb wie winken ist es also durchaus von Bedeutung, dessen Entwicklung zu kennen um heutige Formen wie gewunken als grammatisch korrekt einordnen zu können. Bei Sick wird dies jedoch als fehlerhaftes Deutsch bemängelt.
Im Grunde genommen sind hier zwei Auffassungen, über das was Sprache und besonders Sprachbeschreibung leisten soll, im Clinch. Nach der einen muss nach einem relativ starren Regelwerk korrigierend eingegriffen werden, die andere Auffassung begreift Sprache her als lebendigen Organismus der über “Mechanismen der Selbstregulation” verfügt.
Eine Leseprobe findet man beim Verlag.
