Ramadan in Osnabrück

Seitdem ich wieder in Osnabrück bin, gehe ich selten in die Moschee. In Berlin hatte ich eine ganz gute Anbindung an einen multiethnischen deutschsprachigen Moscheeverein mit sehr aktivem Gemeindeleben, an dem ich mich beteiligte. Dadurch hatte ich dann automatisch eine alltägliche Anbindung an die Moschee.

In Osnabrück kenne ich wenig Muslime, das Gemeindeleben ist – soweit ich das mitbekommen habe – eher nach nationalen Gruppen organisiert und ich habe mich auch nur vereinzelt um Kontakt bemüht, da ich früher oder später sowieso Osnabrück verlasse.

Nun im Ramadan gehe ich regelmäßig zum Tarawih-Gebet in unterschiedliche türkische Moscheen hier vor Ort. Die Gemeinden sind völlig anders als ich es aus Berlin gewohnt bin. Und was soll ich sagen … Ich finde diese Erfahrung wunderschön. Die Frauen (und wahrscheinlich auch die Männer), die zum Gebet kommen sind überwiegend alt, die Atmosphäre ist sehr ruhig und konzentriert und vor allen Dingen ganz einfach. Die Leute sind dort tatsächlich nur für das Gebet. Es gibt wenig Gerede, viel gemeinsames Dua (ich liebe es). Einfach schön.

5. muslimischer Blogkarneval

Am 5. Oktober findet wieder ein Blogkarneval statt, dieses Mal pünktlich isA. Die Zusammenfassung übernimmt Rachid. Beiträge kann man direkt bei ihm, auf der Eintragungsseite oder als Kommentar auf der Seite des Blogkarnevals einreichen.

4. muslimischer Blogkarneval online

Der vierte Blogkarneval ist zu Ende gegangen und ich entschuldige mich, dass es mit der Zusammenfassung ein wenig lange gedauert hat. Ich hab es auch – zu meiner Schande – dieses Mal nicht geschafft, selber einen Artikel für den Karneval zu schreiben. Das Leben neben dem Blog hat mich zu sehr gefordert :-) Beim nächsten Mal wieder insha Allah. Womit wir bei der Organisation des nächsten Karnevals wären. Planmäßig müsste dieser ja am ersten Freitag im Oktober stattfinden, also dem 5.10., mitten im Ramadan. Am schönsten wäre es wenn sich jemand freiwillig melden würde…

Die ersten Beiträge hatte Ekrem Senol vom JurBlog eingereicht. In seinem Artikel “Migranten im Geiste des freiheitlich demokratischen Rechtsstaats” stellt Ekrem eine in den Mainstreammedien wenig präsente Sichtweise auf den Boykott des zweiten Integrationsgipfels verschiedener Migrantenorganisationen dar. Dieser stieß ja größtenteils auf Unverständnis und bestätigte viele in der mittlerweile zur Binsenweisheit gewordenen Annahme die Integration sei gescheitert. Ekrem Senol deutet das Ereignis andersherum, als Zeichen für gelungene Integration:

“Sämtliche Debatten der letzten Jahre haben Muslime in Deutschland nicht vom Pfad der hiesigen Ordnung abgebracht. Stets wurde mit Mitteln protestiert, die in unserer Grundordnung als vorbildlich gelten.”

Diesem Thema widmet sich auch Abdulgani Enigin Karahan von islam-europe.org. Er ist der Meinung die Türkischstämmigen Verbände hätten zurecht die Teilnahme an dem Integrationsgipfel verweigert.

Der zweite Artikel “Eine unendliche Geschichte? Die Diskussion um den Religionsunterricht in NRW” von Mustafa Yeneroglu analysiert ausführlich die Argumentation des Landes Nordrheinwestfalen in Bezug auf die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts und daraus resultierende Ablehnung der – durchaus vorhandenen! – muslimischen Ansprechpartner. Der Artikel ist sehr detailreich und unmöglich von mir hier rezensiert zu werden, da mir schlicht das Fachwissen fehlt. Dankbar bin ich allerdings sehr für diese kompetente und sachliche Analyse.

Zum ersten Mal hat sich Rachid aus der Schweiz mit seinem Blog “lieber Bruder Ali” beteiligt, was eine Bereicherung war. Der erste Beitrag kommt in ganz kurzer Form daher und beschreibt, wie dass was unserem Ego leicht fällt, nicht unbedingt auf den richtigen Weg führt. Obwohl ich die Aussage schon verstehe, habe ich an der absoluten Wahrheit dieser Aussage so meine Zweifel. So gibt es doch in den Ibadat (gottesdienstliche Handlungen wie Gebet und Fasten etc.) bestimmte Erleichterungen (wie das verkürzte Reisegebet), deren Erfüllung als verdienstvoller angesehen wird, als der “schwere” zugrunde liegende Gottesdienst. Sehr schön finde ich wie auf Rachids Blog kritische Themen in Bezug auf die Organisationkultur von Muslimen thematisiert werden. Beim Lesen des Artikels “Moscheevereine haben ein Ressourcenproblem” wusste ich sofort wovon die Rede ist. Ich kenne solche Probleme durchaus auch aus Berlin, wo es zwar Versuche gibt, bestimmte Dinge gemeinsam zu gestalten – was ja absolut sinnvoll ist – es allerdings immer wieder Probleme durch die Diskussion(un)kultur gibt.

Abu Zeyneb hat dieses Mal zwei seiner Gedichte eingereicht. Ich bin leider in Sachen HipHop nicht sehr bewandert, deswegen bleiben mir die Bedeutungen oft schleierhaft. Mein Faible für Fußnoten kann ich aber auf seinem Blog voll ausleben :)

Belal hat einen offenen Brief an Günther Wallraff geschrieben, in dem er seinen Unmut über die von Wallraff geäußerte Forderung einer Rushdie-Lesung in der heißdiskutierten Kölner Moschee – die ja noch gar nicht steht! – artikuliert.

Der Beitrag von Eman widmet sich einem ganz anderen Thema als den sozial-politischen. Sie schreibt über den Einfluss, den die arabische Sprache auf das Deutsche gehabt hat. Dies ist immer noch sichtbar an vielen Worten, die im deutschen Alltagsgebrauch wieder zu finden sind – wie z.B. Tarif, Alkohol oder Matratze. Spannend!

Kurz vor Schluss hat auch Omar noch einen Artikel einreichen können, in dem er sich mit der Zuschreibung oder Selbstbezeichnung als moderater Muslim auseinandersetzt. Einerseits vermittelt diese Bezeichnung den Eindruck es gäbe eine strengere und somit korrektere Form der Religionsausübung und andererseits macht eine Einteilung in extreme und moderate Lager die innermuslimsche Debatte unmöglich.

Die letzten Tage vor dem Blogkarneval

Ich möchte nochmal daran erinnern, dass der Blogkarneval in ein paar Tagen ausläuft. Ich werde am Freitag wohl erst spät dazu kommen, die eingereichten Beiträge zusammen zu fassen und zu kommentieren. Von daher habt ihr auch am Freitag noch die Möglichkeit einen Beitrag kurz vor knapp einzureichen.

Bis jetzt sind schon ein paar Beiträge eingereicht worden, ein paar mehr wären jedoch auch nicht verkehrt. Also liebe Leute, her damit :)

4. Blogkarneval

Ich hatte schon per Mail auf den vierten Blogkarneval deutschsprachiger Muslime aufmerksam gemacht. Der Karneval findet am 24. August statt. Einträge können bis zum 23. August eingereicht werden. Dies könnt ihr entweder direkt als Kommentar auf muslimkarneval.de machen, oder indem ihr euren Artikel auf der Eintragungsseite einreicht. Ich hoffe, dass dieses Mal spannende Artikel zusammenkommen. Die Themenwahl ist frei.

Dritter Blogkarneval deutschsprachiger Muslime

estern ging der dritte Blogkarneval deutschsprachiger Muslime zu Ende. Eine ausführliche Zusammenfassung aller eingereichten Beiträge findet man hier bei Toomuchcookies.net

Irgendwie… hatte ich gehofft ein paar mehr muslimische Blogger auf der Bühne zu sehen. Aber vielleicht (hoffentlich) kommt das ja noch!Keine Kommentare |

Islamkritik a la Giordano

Es ist wirklich faszinierend, dem Herrn Giordano bei seiner persönlichen Dauerschlammschlacht zuzusehen. Er richtete seine Argumentation zuerst gegen die Kölner Moschee, dann gegen von ihm als “menschliche Pinguine” verunglimpfte bedeckte muslimische Frauen, um sich kurz danach zum Retter aller muslimischer Frauen, die zu allen Zeiten und überall vom Islam unterdrückt wurden, aufzuschwingen. Gestern legte Giordano nochmal nach und lehnte eine Einladung Lale Akgüns zu einer Diskussionsveranstaltung in einem “türkisch geprägten Viertel” in Köln mit der Begründung ab, dass er es seinen “potentiellen Killern” so einfach nun doch nicht machen wolle.

Mal davon abgesehen, dass ich seine Vorgehensweise für äußerst unseriös halte, eignet sich seine unbeschwert-direkte Argumentation hervorragend für eine Darstellung der gängigsten Methoden selbst ernannter Islamkritiker bei der Konstruktion einer Gefahr durch den Islam. Ein paar davon will ich anhand einiger Zitate aus oben verlinkten Artikel beschreiben.

Die Meinungsfreiheits-Keule

Kaum kommt die leiseste Kritik am eigenen Standpunkt auf, spielt man sich als Verfechter der Meinungsfreiheit auf und tut so als würde einem der Mund verboten.

Giordano: […] Ich erinnere mich an ein Erlebnis, das ich hatte vor ungefähr drei Wochen. Morgens beim Frühstück im Hotel kommt da eine Frau rein, die von oben bis unten verhüllt ist. Frau Kollegin ich sage Ihnen, es hat mich erschreckt und hat mich verletzt, was ich da gesehen habe. Das ist ein Anblick, der mich stört. Ich rede hier nicht von Verboten; ich will das nur sagen dürfen.

Dumm nur, wenn der Gesprächspartner darauf nicht reinfällt:

Durak: Das dürfen Sie doch, Herr Giordano. Niemand hindert Sie daran, dies zu tun. Im Gegenteil: Sie können weiter darüber sprechen. Das ist doch nicht das Problem. […]

Dann muss schnell der nächste rethorische Kunstgriff angewendet werden:

Die Etablierung eines Bedrohungsszenarios

Man dreht den Spieß schnell um: nicht der Islamkritiker ist der Angreifer – Nein – er ist selbst ein Opfer:

Giordano: Es ist ein ästhetisches Problem. Ich denke es ist ein soziales Problem. Es ist ein politisches Problem.* Natürlich! Diese ganze Verhüllungsphilosophie im Islam ist etwas, was mich stört. Und wenn Sie sagen ich kann es sagen? Ja, ich kann es sagen, Gott sei Dank richtig, weil wir hier in einer Gesellschaft leben, einer demokratischen Republik, einem demokratischen Verfassungsstaat, wo das möglich ist. Aber fragen Sie mich nicht, welche Reaktionen es darauf gibt.

Die Drohungen, natürlich. Wenn es die nicht geben würde, müsste man sie glatt erfinden. Es wäre sonst einfach zu schwer, die nun gefestigte Rolle des Opfers weiterhin glaubwürdig zu geben. Außerdem fungiert das Bedrohungsszenario auch sehr gut, um sich unliebsame Diskussionen zu ersparen, in denen die Schwäche der eigenen Argumentation entlarvt werden könnte.

Die SPD-Islambeauftragte und Bundestagsabgeordnete Lale Akgün lud Giordano daraufhin zu einer Diskussion über die Moschee und die Integration von Muslimen ein. “Die öffentliche Diskussion könnten wir in einem Kölner Café abhalten, ruhig in einem türkisch geprägten Viertel der Stadt”, schrieb sie. Giordano lehnte dies jedoch am Samstag ab und verwies auf Morddrohungen, die er von radikalen Muslimen erhalten habe: “Ich gestehe, dass mir ein wenig unheimlich wurde, als ich Ihren Vorschlag zur Kenntnis nahm”, antwortete er in einem Schreiben. “So leicht möchte ich es meinen potenziellen Killern nun doch nicht machen.”

Nochmal langsam: Giordano bekam Morddrohungen und hat jetzt natürlich Angst ermordet zu werden. Er “überlegt” sogar Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen. Also ich würde da ja nicht lange überlegen… Aber wie auch immer, unheimlich wurde ihm also, als er von Lale Akgün eine Einladung zu einer öffentlichen Diskussion bekam. Wird Herr Giordano nun sämtliche Öffentlichkeit meiden? Oder nur die in “türkisch geprägten Vierteln”, weil dort mehr seiner “potentiellen Killer” unterwegs sind? Oder macht er es in Zukunft wie andere Islamkritiker und erscheint nur noch demonstrativ mit Bodyguards?
Das wichtigste ist jedoch, dass man auf diese Weise schon wieder zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen hat: die Etablierung einer diffusen allpräsenten Gefahr und eine Rechtfertigung für…

Die bewusste Realitätsverweigerung

Man muss sich dann nämlich nicht mit seinen Kritikern und schon gar nicht mit Muslimen an einen Tisch setzen bzw. sich deren Kritik in einer zivilen Diskussion aussetzen. Außerdem muss man sich nun auch nicht der für den Islamkritiker quälenden Vorstellung stellen, dass Muslime oder seine Kritiker doch nicht alle gleich sind und eventuell ihre Kritik auch vernünftig oder gar berechtigt äußern könnten.

Die “ich kenne Muslime und die denken auch so wie ich” Taktik

Eine weitere Methode, die eigene Position zu legitimieren, ist sich selbst als Opfer darzustellen oder sich mit den (vermeintlichen) Opfern zu solidarisieren. Im Falle der unterdrückten muslimischen Frau kann Giordano schlecht die Rolle des Opfers einnehmen, aber – wie passend – er kennt ja welche, für deren Rechte er eintritt:

Durak: Das dürfen Sie sagen. Wir leben in Deutschland. Deshalb können wir auch weiter öffentlich darüber sprechen. Haben Sie denn mit Frauen schon darüber gesprochen, die so verhüllt sind?

Giordano: Ich habe mit vielen Musliminnen und Muslimen gesprochen. Ich bin ja nicht von gestern. Wo ich mich da hineingewagt habe, das ist ja etwas, wovon man auch Kenntnis haben muss. Ich habe vor allen Dingen mit Türkinnen gesprochen, die wissen was es bedeutet hat und bedeutet, Frau in der islamischen Gesellschaft zu sein, auch hier in Deutschland, nicht nur in islamischen Originalländern. Ich will hier keine Namen nennen, um denen kein Ungemach zu bereiten, aber es sind Türkinnen selbst, die keinen Zweifel daran gelassen haben, was es bedeutet, Frau in der islamischen Gesellschaft zu sein.

Oder doch nicht? Giordano beantwortet die kluge Frage des/der Reporters/Reporterin ja gar nicht, denn er hat eben nicht mit einer verhüllten Frau darüber gesprochen, dass er ein ästhetisches Problem mit ihrer Kleidung hat oder gar, was es bedeutet eine Frau in der islamischen Gesellschaft zu sein. Das würde auch eventuell seine Sicht der Dinge ändern und das wäre ja unerwünscht. Stattdessen redet er lieber mit Leuten, die seine Sichtweise bestätigen, deren Namen er hier lieber nicht nennen will. Sehr wahrscheinlich weil wir sie eh schon kennen…

Sich das wehrlose Opfer suchen

Die muslimische Frau eignet sich in der öffentlichen Diskussion besonders gut zur Instrumentalisierung. Man interessiert sich ja gar nicht wirklich für sie – sonst würde man ja auch mal mit ihr reden – sondern benötigt sie nur als Argumentationsmittel. Die muslimische Frau bietet hierfür den perfekten Schauplatz, da sie stumm und unsichtbar ist. Dies ist aber nicht etwa so, weil es keine Frauen gäbe, die in der Lage wären sich und ihre Vorstellung von Selbstbestimmung, Karriere, Familie oder gesellschaftlicher Teilhabe intelligent und selbstbewusst zu artikulieren. Sie werden nur konsequent von allen Seiten und auf allen Ebenen marginalisiert. Aber genau dieser Umstand ermöglicht es so genannten Islamkritikern erst, ihre “Kritik” unwidersprochen zu äußern, weswegen sie ja auch nicht wirklich etwas dagegen unternehmen – ja sogar noch gegen die Beteiligung dieser Frauen an der öffentlichen Diskussion argumentieren.

So tun als spräche man für eine Mehrheit

Diese Mehrheit traut sich aber nicht, sich zu artikulieren. Sei es nun die Mehrheit der liberalen aufgeklärten Muslime hier in Deutschland, die Angst vor den Drohungen der radikalen Vereinsmuslime hat oder die Mehrheit der Deutschen, die Angst davor hat als Nazis abgestempelt zu werden und auch von den radikalen Muslimen bedroht wird. Deshalb sprechen dann andere – die Mutigen – für sie.

Giordano: Die Reaktionen, die ich bekommen habe auf meinen Vorstoß, lassen überhaupt nicht den geringsten Zweifel daran, dass die Mehrheit diesen Bau ablehnt. Und die Politiker haben so getan, als wenn das gar keine Bedeutung hat. Ich denke sie haben sie nicht gefragt, weil sie die Antwort wussten, nämlich dass die Bevölkerung damit nicht einverstanden ist, und nicht aus rassistischen und neonazistischen, rechtsextremistischen Gründen. Die Leute, die mich erreichen: Sie müssen mal die Empörung hören, wenn sie sich darüber erregen, dass sie in diese rechte Ecke gestellt werden. Und das schrecklichste bei der ganzen Sache ist: Sie sind der Meinung, der Bau ist falsch, wagen es aber nicht zu sagen, weil sie eben fürchten, entweder in diese rechte Ecke gestellt zu werden oder bedroht zu werden.

Also die Mehrheit der Leute, die auf Giordano zukommen sind gegen diese Moschee. Wundert mich nicht, da Giordano ja mit Kritikern gleich gar nichts zu tun haben will. Aber dann direkt davon auszugehen, dass gleich die ganze Bevölkerung gegen den Bau ist… Schon etwas vermessen.

Unwahrheiten als wahr darstellen

Das einfachste Mittel ist das Aufstellen von Unwahrheiten. Man kann solche Dinge natürlich sagen, so oft man will, nur werden sie dadurch nicht wahrer.

Giordano: Und ich sage noch was, und ich mache mir damit keine Freunde. Nirgendwo wird die Würde der Frau so verletzt wie in der islamischen Gesellschaft. Die Geschichte des Islam ist eine einzige Entwürdigung der Frau und das bis zur Stunde. Und ich will das sagen dürfen, auch wenn es radikalen Muslimen nicht gefällt.

Diese Behauptung dürfte wohl auch Historikern, Soziologen etc. nicht gefallen (einfach weil sie falsch ist), ob diese allerdings alle radikale Muslime sind, bezweifle ich.

Die Lösung des Problems offen lassen

Der Islamkritiker thematisiert ein Problem. Im Falle von Giordanos Äußerungen der letzten Woche sind das vor allen Dingen verhüllte Frauen, große Moscheen, die gescheiterte Integration und der Islam an sich.Gut, nun wissen wir worin Giordano das Problem sieht. Worin sieht er wohl eine Lösung?

Giordano: Das ist auch solch eine Fangfrage. Wer Verbote fordert, ist gleich von Vornherein im Unrecht. Ich sage dazu nur eines: Ich will auf deutschen Straßen keine Burka-Trägerinnen und Shado-Verhüllten sehen.

Er fordert kein Verbot, will aber auf deutschen Straßen keine Chador-Trägerin sehen. Wie schafft man das denn ohne Verbote? Ein Kennzeichen der Islamkritiker ist, dass sie Lösungsvorschläge – also den dreckigen Teil der Arbeit – anderen überlassen. Diese Lösungen werden dann von Leuten wie Ulfkotte und Co. in einem Forderungskatalog wie folgt artikuliert: Änderung des Grundgesetzes (Religionsfreiheit) in Bezug auf den Islam oder auch ein Zuwanderungsmoratorium für Muslime. Wie das wohl weitergeht…

* Einfach genial diese Irrationalität: aus einem ästhetischen Problem wird ein politisches. Das muss man erstmal fertig bringen und sich dabei immer noch ernst nehmen können. Bewundernswert.

Erster Blogkarneval deutschsprachiger Muslime online

Der erste Blogkarneval deutschsprachiger Muslime ist online. Die wirklich ausführliche Zusammenfassung kann man auf Ayas Blog lesen.

Ich habe natürlich auch mitgemacht und freu mich schon auf nächste Mal.

Besonders gut fand ich den Beitrag “Ein Muslim auf dem Mond” von Kadir Yücel. Ich hatte die Geschichte öfter mal gehört und habe nie daran gezweifelt, dass sie erfunden sein muss. Danke für die Aufklärung an Kadir!

Muslime und Stereotype

Zu jeder Nationalität/ Religionsgemeinde/ Gruppierung gibt es das passende oder unpassende Stereotyp. Auch gibt es keine Gruppierung die nicht über Stereotype in Bezug auf Nicht-Zugehörige verfügt.

Ich möchte hier nur über den Umgang von Muslimen mit Stereotypen sprechen, welche von außen an sie herangetragen werden. In Gesprächen unter Muslimen hört man oft eine starke Unzufriedenheit mit dem mitunter vorurteilsbeladenen Umgang mit ihnen heraus: sei es in den Medien, im Dialog, auf politischer oder auch privater Ebene. Diese Vorurteile existieren tatsächlich, und das nicht erst seit gestern, und auch nicht nur unter dem “gemeinen” Volk (vgl. auch die von Edward Said ausgelöste Orientalismus-Debatte). Solche Fremdbeschreibungen erfüllen eine bestimmte Funktion für den, der sie ausführt. Diese hat mit der Konstruktion seines Selbstbildes zu tun. Das funktioniert dann ungefähr so:

1. Behauptung: Gruppe B ist ganz anders als Gruppe A.

2. Behauptung: Gruppe B ist zurückgeblieben.

Aus beiden Behauptungen folgt, dass Gruppe A fortschrittlich ist. Gruppe B ist so nur die Projektionsfläche für alles das was Gruppe A nicht ist. Ich denke, dass keine Gruppierung frei von solchen Mechanismen ist, man sollte sie sich nur bewusst machen um zu einer authentischen Identität zu kommen.

Weit über die Diskriminierung hinaus, haben solche Zuschreibungen jedoch noch einen tiefergehenden Effekt auf die Muslime. Dies wird besonders in der Identitätsbildung von Muslimen deutlich, denn die erfolgt meiner Beobachtung nach oft nur noch als (trotzige oder zustimmende) Reaktion auf die Fremdbeschreibungen. Dies kann man an zahllosen Beispielen verdeutlichen, ich bringe hier nur zwei:

- So wird die Behauptung “Das Kopftuch ist ein Symbol der Unterdrückung von Frauen” einfach übernommen oder es wird die (meiner Meinung nach unsinnige)* Gegenbehauptung “Es ist ein Symbol für die Befreiung der Frau” aufgestellt. Womit gleichzeitig die Behauptung aufgestellt wird, die muslimische Frau sei an sich ja schon befreit und bedürfe keiner weiteren Unterstützung.

- Der Islam wird oft als absolut inkompatibel mit einer wie auch immer gearteten Demokratie bezeichnet. Dies wird von vielen Muslimen einfach übernommen. So meinen sie entweder außerhalb eines islamischen Referenzrahmens für Demokratie argumentieren zu müssen. Oder aber, sie lehnen Demokratie schlichtweg ab, und argumentieren so oft (gewollt oder unbewusst) für autoritäre und ausbeuterische Systeme.

Das Problem bei dieser Art des Umgangs mit Vorurteilen ist aber, dass wir so einfach nicht mit unseren tatsächlichen Problemen fertig werden. Wir ignorieren sie dadurch vielmehr und machen uns selber unfähig zur Selbstkritik und der daraus folgenden Verbesserung von Missständen. Ich will bei dem Beispiel “unterdrückte muslimische Frau” bleiben. Wenn wir immer nur auf Vorwürfe von außen antworten und bei der Behauptung bleiben der Islam unterdrücke die Frau nicht (was ja an sich stimmt), dann verschließen wir damit die Augen vor tatsächlich bestehendem Unrecht. Nämlich dem, dass es ein Problem in der Behandlung von Frauen in musl. Gesellschaften und Familien gibt. Es kann so passieren, dass eine Beratungsstelle für Frauen mit familiären Problemen innerhalb einer Moscheegemeinde als ein Angriff auf den Islam an sich und die Gemeinde verstanden wird. Das kann doch nicht sein! Es gab so einen Fall wirklich (kann den Artikel nicht mehr finden) und ich kann dies auch aus der eigenen Erfahrung teilw. bestätigen. Wenn man sich als Muslim oder den Islam nur als Gegenentwurf zur “westlichen Gesellschaft” versteht, läuft man Gefahr die Bedürfnisse der Muslime in unserer Gesellschaft zu missachten und dadurch ihren Zustand zu verschlechtern.

* Unsinnig deshalb, weil Frauen in weiten Teilen der menschlichen Geschichte nun einmal unterdrückt waren/sind und das völlig unabhängig davon, ob sie nun bedeckt waren oder sind. Außerdem haben bis vor ca. 100 Jahren in den meisten Gesellschaften des Nahen und Mittleren Ostens Frauen aller Religionen eine Kopf- bzw. Gesichtsbedeckung getragen, ohne dadurch befreiter zu sein. Dies übrigens auch schon lange bevor der Koran offenbart wurde. Der Grad der “Befreiung” einer Frau steht einfach in keinem Zusammenhang zum Grad der Bedeckung.