Neue Internetseite muslimischer Frauen

Zusammen mit zwei anderen muslimischen Frauen arbeite ich schon seit einigen Monaten an einer neuen Webpräsenz . Zusammen mit Nina Mühe und Silvia Horsch haben wir jetzt die Seite Nafisa.de ins Leben gerufen auf der wir den Diskurs über muslimische Frauen kritisch betrachten wollen. Aus dem Klappentext:

Wir – das sind drei muslimische Frauen und Wissenschaftlerinnen – beschäftigen uns aus persönlichen und beruflichen Gründen intensiv mit den Themenbereichen “Frau”, “Geschlecht”, “Islam” in einer pluralistischen Gesellschaft. Mit nafisa wollen wir über unsere Arbeit, Ansichten und Ergebnisse informieren. Dabei verfolgen wir zwei Ziele: Erstens möchten wir uns am gesellschaftlichen Diskurs über den Islam und muslimische Frauen beteiligen. Schon oft haben wir uns an einseitigen Debatten und tendenziöser Berichterstattung zu einer Reihe von Themen gestört und wollen deshalb unsere Sicht der Dinge in die Diskussion bringen.

Wir hoffen damit auf Interesse zu stoßen!

5. muslimischer Blogkarneval

Am 5. Oktober findet wieder ein Blogkarneval statt, dieses Mal pünktlich isA. Die Zusammenfassung übernimmt Rachid. Beiträge kann man direkt bei ihm, auf der Eintragungsseite oder als Kommentar auf der Seite des Blogkarnevals einreichen.

4. Blogkarneval

Ich hatte schon per Mail auf den vierten Blogkarneval deutschsprachiger Muslime aufmerksam gemacht. Der Karneval findet am 24. August statt. Einträge können bis zum 23. August eingereicht werden. Dies könnt ihr entweder direkt als Kommentar auf muslimkarneval.de machen, oder indem ihr euren Artikel auf der Eintragungsseite einreicht. Ich hoffe, dass dieses Mal spannende Artikel zusammenkommen. Die Themenwahl ist frei.

Ein spirituell motiviertes Umweltbewusstsein

Ich weiß noch wie geschockt ich war, als ich als 12-Jährige auf einer Schüleraustauschwoche entdeckte, dass der Müll in meiner britischen Gastfamilie nicht getrennt wurde. Manchmal wanderte sogar Glas in den regulären Hausmüll! Waldsterben, Überfischung, saurer Regen und verstrahlte Lebensmittel waren für mich Sorgen, die mich in meinem Alltag begleiteten. Umweltschutz und seine praktische Umsetzung haben mich zu dem Zeitpunkt brennend interessiert. Ich muss leider sagen, dass dieses Bewusstsein bei mir im Laufe der Zeit immer mehr in den Hintergrund rückte. Nicht weil es mir nicht wichtig wäre, aber das aktuelle politische Tagesgeschehen, Resignation in Umweltdingen und ganz allgemein das Leben leisten ihren Beitrag.

Ein sehr interessantes Interview mit einem britischen Umweltaktivisten in der neuesten Ausgabe der IZ hat mich nach langer Zeit wieder zum Nachdenken gebracht.

“Auf eine Weise lässt sich sagen, dass wir die Natur objektiviert haben. Wir sagen: Wir sind das Subjekt und die Natur ist das Objekt. In Wirklichkeit gibt es aber kein Objekt und kein Subjekt. Wir sind alle Subjekte gegenüber Allahs Befehl. Wenn Menschen das verstehen und anfangen, darüber nachzudenken, wer sie sind, wie sie funktionieren und was ihnen der Himmel, die Sonne, der Mond und die Bäume bedeuten, dann kann sich etwas ändern. Die Leute haben aber keine Zeit dafür. Wofür sie Zeit erübrigen können, ist die Hubraumgröße ihres Autos, die Fläche ihres Hauses, der Schnitt ihres Gartens und ob sie einmal im Jahr nach Süden in die Sonne fliegen können. Diese Sorgen sind eine Gefahr für uns geworden.”

Fazlun Khaled ist der Leiter der “Islamic Foundation for Ecology and Enviromental Sciences“. Seine Arbeit erstreckt sich auf mehrere Ebenen – die Stiftung, die 1980 ins Leben gerufen wurde, unterstützt lokale Projekte in Indonesien, Nigeria, Pakistan, Tanzania und dem Jemen, publiziert Schriften zum Thema Islam und Ökologie und veranstaltet unterschiedliche Workshops zum Thema.

Menschen als Khalifa und Umwelt als Amana
Eine Grundannahme Khaleds ist, dass der Mensch von Gott als Wächter über die Erde (Khalifa) eingesetzt wurde und somit Verantwortung für dieses Treuepfand (Amana) aufbringen muss. Der Mensch ist nicht nimmersatter Nutznießer der Natur, sondern benutzt nur soviel er benötigt und richtet dabei den geringst möglichen Schaden an.

Es gibt keine Trennung zwischen Praxis und Theorie. So kann ich von unserem Projekt in Sansibar erzählen, wo wir durch den Qur’an das Verhalten der Menschen ändern. Diese haben die Korallenriffe mit Dynamit befischt. Durch unser Training wurde den Menschen bewusst, dass sie – wie das Meer, die Fische und die Korallen – auch Teil von Allahs Schöpfung sind. Als Khalifen sind sie die Wächter von Allahs Schöpfung und müssen sie bewahren. Dieses Bewusstsein war sehr wichtig. Kurz nach dieser Trainingssitzung hörte das Fischen mit Dynamit in den Korallenriffen auf. Um dieses Riff der Mesari-Insel zu bewahren, haben wir es zu einer Hima erklärt. Wenn man eine Hima widmet, müssen sich die Fischer an bestimmte Regeln halten.

Hima und Harim
Zwei praktische Konzepte, die seit Jahrhunderten angewendet wurden, waren mir noch gar nicht bekannt. Khaled spricht von indigenen Praktiken des Naturschutzes, die er in seinen Workshops und den Projekten, die er unterstützt, wieder aufzuleben versucht. Hima bezeichnet ein Gebiet auf dem je nach Lage die Haltung von Nutztieren, oder das Fällen von Bäumen usw. nicht erlaubt ist. Ein Haram oder Harim bezeichnet ein Wasserschutzgebiet an einem Fluss an dem das Fällen von Bäumen oder das Verschmutzen des Wassers untersagt sind.

Praxis siegt über Utopie
Was mir so gut an dem Anliegen dieser Stiftung gefällt ist, dass sie praktische Lösungen für aktuelle und akute Probleme anbietet und auch realisiert. Diese bescheidene und demütige Note ist nicht jedem muslimischen Weltverbesserer zu eigen, würde ihm aber gut stehen. Manche ziehen es doch lieber vor sich in idealistischen Utopien zu verfangen. Und einen Rat gegen Resignation und Bringt-doch-alles-eh-nichts-Stimmung gibt es auch in dem Interview:

In diesem Zusammenhang gibt es ein profundes – und gut dokumentiertes – Hadith, wonach wir, wenn wir einen Samen hätten, diesen auch dann pflanzen sollen, wenn es bereits der Jüngste Tag ist. Dein Schicksal ist es, diesen Samen zu pflanzen, ob der Jüngste Tag nun kommt oder nicht. Dies ist sowohl eine Erklärung des Vertrauens in Allah als auch die Entschiedenheit, dass man nicht aufgeben werde, weil dies nun mal das menschliche Schicksal ist.

Nothilfe in Nahost

Angesichts der stetig wachsenden Flüchtlingsströme in Nahost ist Hilfe angebracht. Deshalb hier der Verweis auf zwei Spendenorganisationen, die sich seit langer Zeit in der Nothilfe in Krisenregionen bewährt haben:

http://www.muslime-helfen.de/

http://www.islamicrelief.de/

Man kann online spenden, per Telefon oder ganz traditionell selber überweisen. Jeder noch so kleine Betrag hilft!

„Das Gleichnis derjenigen, die ihre Vermögensgüter auf dem Weg Allahs hergeben ist wie das Gleichnis eines Korns; es lässt sieben Ähren wachsen, in jeder Ähre hundert Körner, und Allah vervielfacht, wem Er will, und Allah ist allerreichend, wissend“ (2:261).