Arabisch-klassische Literatur in deutscher Übersetzung
Text liegt hier als PDF vor.
Da ich leidenschaftlicher Bücherwurm und -sammler bin, stöbere ich für mein Leben gern in Antiquariaten. Vor ein paar Jahren ist das gezielte Suchen nach nicht mehr verlegten Büchern durch Dienste wie booklooker.de und zvab.de sehr einfach geworden. Seitdem suche ich regelmäßig nach Übersetzungen klassischer arabischer Literatur ins Deutsche, die hauptsächlich von Orientalisten erbracht wurden. Mittlerweile ist meine Sammlung größer als anfangs erwartet und enthält auch einige wenige Übersetzungen aus dem Persischen oder Osmansichen. Meine Lieblingsbücher sind zum größten Teil im Kiepenheuer-Verlag (Leipzig) noch zu DDR-Zeiten (in der Reihe «Orientalische Bibliothek») oder im Erdmann Verlag (in der Reihe «Bibliothek arabischer Erzähler», 2004 in neuer Auflage) erschienen. Diese Bücher sind – abgesehen von der qualitativ hochwertigen Übersetzung – immer sehr schön eingebunden, oft reich bebildert mit seltenen Miniaturen und immer hervorragend gesetzt. Sie werden heute in der Form tatsächlich nicht mehr verlegt. Diese Art der übersetzten Literatur (Reiseberichte, Biographische Werke, Geschichtsbände, religiös-philosopische Abhandlungen etc.) ermöglicht einen faszinierenden, nachdenklich stimmenden und oft amüsierenden Einblick in vergangene Weltanschauungen. Es wäre schade, wenn diese Bücher in Vergessenheit geraten. Deshalb will ich hier die einzelnen Bücher kurz vorstellen und damit den Ein oder Anderen anregen, sich damit zu beschäftigen – zumal man alle antiquarisch noch recht häufig und günstig bekommt. Meine Sammlung ist bestimmt nicht vollständig, für weitere Anregungen bin ich natürlich offen.
Ich habe die Literatur in zehn Kategorien unterteilt:
Kriegsberichte
Reiseberichte
Geschichtsschreiber
Religiös-philosophische Abhandlungen
Biographien
Geographie und Kulturgeschichte
Arabische Kunstprosa / Poesie
Tierfabeln
Anstandsbücher
Anthologien
Die Osmanen in Europa – Erinnerungen und Berichte türkischer Geschichtsschreiber. Schreiner, Stefan (Hg.) (1985 Kiepenheuer: Leipzig)
Bei diesem schönen Buch handelt es sich um eine Zusammenfassung von Tagebucheinträgen und Reiseberichten osmanischer Diplomaten, Kriegsberichterstatter, Dolmetscher und Historiker. Die Originalquellen berichten so z.B. vom Kampf um Konstantinopel, von den Ungarnfeldzügen, über Botschaftsreisen nach Wien oder die Belagerung Wins. Das Buch verfügt außerdem über einen ausführlichen Register von Personennamen, Ortschaften und Titeln/Fachausdrücken und ist mit wunderschönen Abbildungen versehen.
Usama Ibn Munqidh: Ein Leben im Kampf gegen Kreuzritterheere. (1985 Erdmann: Stuttgart)
Usama ibn Munqidh – Ritter und Jäger, Literat und Höfling – gehört zu den interessantesten Gestalten des syrischen Arabertums zur Zeit der Kreuzzüge. Seine Memoiren sind ein einzigartiges Dokument für die Mentalität und die Sitten, die täglichen Freuden und Nöte des muslimischen Ritters. Seine Liebe zum Grotesken, seine Freude am witzigen Detail und seine Neugier für die merkwürdigen Verhaltensweisen der Franken machen seine Lebenserinnerungen nicht nur zu einer informativen, sondern auch zu einer überaus unterhaltsamen Lektüre. (Beschreibung via amazon.de)
Ibn Dschubair: Tagebuch eines Mekkapilgers. Günther, Regina (1985 Erdmann: Stuttgart)
Bei dieser Beschreibung einer Pilgerreise – von Granada über Alexandria und Kairo nach Mekka – handelt es sich wohl um die berühmteste des arabischen Mittelalters. Ich habe die Lektüre sehr genossen, da der Bericht ein sehr lebendiges Bild der der damaligen Zeit zeichnet – das 12. Jahrhundert, also die Zeit der Kreuzzüge.
Ibn Battuta: Reisen ans Ende der Welt. Leicht, Hans (Hg.) (1974 Erdmann: Stuttgart)
Als sich Ibn Battuta im Jahr 1325 zu einer Pilgerfahrt nach Mekka aufmachte, ahnte er nicht, daß diese Reise 25 Jahre dauern würde. Ihn schreckten weder tosende Stürme oder Schiffbruch noch Wegelagerer oder die Truppen feindlicher Landesherren. Pioniergeist, Wissensgier und Abenteuerlust leiteten ihn. Seine Reise führte Ibn Battuta schließlich in Länder, von denen die Menschen des Abendlandes damals noch nie etwas gehört hatten. (Beschreibung via Merio)
Die Reisen des Ibn Battuta – Band I und II. Grün, Horst Jürgen (Hg. und Übers.) (2007 Allitera Verlag: München)
Die Reisen des Ibn Battuta sind noch einmal frisch aus dem Arabischen übersetzt worden. Diese Übersetzung ist vollständig im Gegensatz zu der aus dem Erdmann Verlag, die nur etwa 40% des geamten Textes umfasst. Die Übersetzung besteht aus zwei Bänden im Gesamtumfang von 700 Seiten. Bestellen kann man sie hier.
Die Welt der sieben Meere – auf den Spuren arabischer Kaufleute und Piraten. Meissner, Marek (1980 Kiepenheuer: Leipzig)
Dies ist eins meiner Lieblingsbücher, weil es so viele interessante Abbildungen von Kaligraphien, geographische Karten, Zeichnungen von Messinstrumenten und farbige Miniaturen enthält. Das Buch ist keine reine Übersetzung von Originalquellen, geht aber anhand dieser Fragen nach dem arabischen Seehandel, der Navigation, Geographie, Navigation und Mathematik nach.
Naser-e-Khosrou: Safarname. Najmabadi, Weber (Übers.) (1993 Diederichs: München)
Safarname ist das bekannteste Werk des persischen Dichters Naser-e-Khosrou und erschien erstmals im Jahr 1029. Es ist die Schilderung einer siebenjährigen Reise durch die islamische Welt. Detailliert beschreibt der Autor auch heute noch existierende Städte und Ortschaften, berichtet von Begegnungen mit berühmten Zeitgenossen und äußert sein Erstaunen über die ihm fremd und kurios erscheinenden Sitten und Gebräuche. (Beschreibung via amazon.de)
Ibn Iyas: Alltagsleben eines Ägyptischen Bürgers. Schimmel, Annemarie (Übers.) (1985 Erdmann: Stuttgart)
Ibn Iyâs lebte in einer Zeit des Umbruchs – was sich in seinem fünfbändigen »Journal eines Bürgers von Kairo« authentisch widerspiegelt. Aus diesem Werk wählte Annemarie Schimmel die interessantesten, wichtigsten und auch vergnüglichsten Berichte aus. So geht es hier nicht nur um die großen geschichtlichen Ereignisse, sondern auch um viele Episoden aus dem Alltagleben im Kairo des 16. Jahrhunderts: vom Leben und Sterben der Vornehmen und Mächtigen wie auch des einfachen Volkes bis hin zu Politik und höfischem Skandal.
Religiös-philosophische Abhandlungen
Ibn Qayyim al-Dschauziyya: Über die Frauen. Bellman, Dieter (1986 Kiepenheuer: Leipzig)
Ibn Qayyim – Schüler des Ibn Taymiyya – lebte von 1292 bis 1350 in Damaskus. Das Buch kann nicht abschließend ihm zugeschrieben werden, was in dem Nachwort der Übersetzung ausführlich behandelt wird. Bei den Akhbar an-Nisa’ (Mitteilungen über die Frauen) handelt es sich um überlieferte Berichte oder Gedichte über bemerkenswerte Ereignisse und Persönlichkeiten der Geschichte. Aus dem Nachwort: “Seine Sammlung […] gewährt uns einen tiefen Einblick in das Bildungsgut und die Gedankenwelt, […] zwischenmenschliche Beziehungen, gesellschaftliche Verhältnisse und historische Ereignisse.”
Ali Ibn Hazm Al-Andalusi: Halsband der Taube – Über die Liebe und die Liebenden. Weisweiler, Max (1942 Brill: Leiden)
Ein Freund hatte Ibn Hazm gebeten dieses Buch “über die Liebe, ihre Entstehung, ihre Wechselfälle und das Verhalten der Liebenden” für ihn zu schreiben. Ibn Hazm beschreibt zunächst das Wesen der Liebe selbst und dann die verschiedenen Arten die beim Menschen in allen seinen Beziehungen zu anderen Menschen vorkommen kann: z.B. die Liebe auf den ersten Blick, die Liebe die erst nach langer Bekanntschaft auftritt usw. Das schönste an diesem Buch sind für mich die persönlichen, tief empfundenen Erfahrungen, die Ibn Hazm an vielen Stellen in seine Beschreibung mit einfließen lässt. Ich war richtig traurig als die letzte Seite erreicht war…
Ibn Tufayl: Hayy ibn Yaqzan – Der Naturmensch. Eichhorn, Johann Gottfried (1983 Kiepenheuer: Leipzig)
Hayy Ibn Yaqzan ist ein Junge, der im Laufe dieses philosophischen Romans aus dem Spanien des 12. Jahrhunderts zum Mann heranwächst. Er wächst alleine ohne menschliche Gesellschaft auf einer Insel auf und wird von Tieren ernährt und aufgezogen. Nur durch seine Beobachtungen und Erfahrungen in und mit der Natur, die ihn umgibt, gelangt er etappenweise zu immer höheren Erkenntnisstufen, bis er schließlich erkennt, dass eine höhere Wesenheit existieren muss, die die Erde erschaffen hat. Mehr zu dem Autor und dem Roman, der Vorlage für Robinson Crusoe gewesen sein soll, auf Wikipedia.
Ibn Ishaq: Das Leben des Propheten. Rotter, Gernot (Übers.) (1982 Erdmann: Stuttgart)
Dies ist wohl die bekannteste Biographie eines arabischen Geschichtsschreibers und braucht nicht vieler Worte. Der Autor Ibn Ishaq (704–768 n. Chr.) sammelte bereits hundert Jahre nach dem Tod des Propheten (saws) alle verfügbaren Nachrichten über ihn.
Abu l-Faradsch: Und der Kalif beschenkte ihn reichlich. Rotter, Gernot (Übers.) (1982 Erdmann: Stuttgart)
Abu l-Faradsch al-Isfahani ist ein Literat und Allround-Gelehrter des 9./10. Jahrhunderts, der sich in Aleppo und Bagdad aufhielt. Bei diesem Buch handelt es sich um einen Ausschnitt aus seinem monumentalen, da 10.000 Seiten umfassendes, Lebenswerk «Buch der Lieder» (Kitab al-Aghan). Es ist “Kultur-, Literatur- und Musikgeschichte in einem” und erfreut sich wohl noch heute mehrerer Ausgaben in der arabischsprachigen Welt. Der Hauptteil der vorliegenden Übersetzung widmet sich – neben einer kurzen Darstellung vor- und frühislamischer Biographien – dem Sänger- und Dichtermilieu des Hidschas zur Omayyadenzeit und dem Hof der Abbassiden in Bagdad.
Ibn Khallikan: Die Söhne der Zeit. Fähndrich, Hartmut (Übers.) (1984 Erdmann: Stuttgart)
Ibn Khallikan ist noch heute berühmt durch sein im Orient weit verbreitetes biographisches Lexikon. Es enthält Hunderte von Lebensbeschreibungen bedeutender Persönlichkeiten, aus denen in der Übersetzung eine Auswahl vorgenommen wurde. In der Verbindung von Geschichte und Literatur entsteht so ein faszinierendes Bild vom politischen, religiösen und kulturellen Leben in den ersten 603 Jahren islamischer Geschichte.
Geographie und Kulturgeschichte
Al-Mas’udi: Bis zu den Grenzen der Erde. Auszüge aus dem Buch der Goldwäschen. Rotter, Gernot (Übers.) (1978 Erdmann: Stuttgart)
Al-Mas’udi war Geograph und Enzyklopädist aus dem Irak des 10. Jahrhunderts. Bei diesem Buch handelt es sich um eine sehr fesselnde Darstellung aller möglichen Völker und Erdteile: Inder, Slawen, Griechen, Langobarden etc. und der Kaukasus, das Mittelmeer, das Schwarze Meer etc.
Al-Qazwini: Die Wunder des Himmels und der Erde. Giese, Alma (Übers.) (1986 Erdmann: Stuttgart)
Das Werk von Al-Qazwini (ca. 1203-1283) gilt als die wertvollste Kosmographie der islamischen Kultur. Wissenschaftliche Fakten werden mit Anekdoten, Versen und Aussprüchen berühmter Leute verbunden. So wird der Leser informiert und zugleich glänzend unterhalten. Erstaunliches und Amüsantes stehen nebeneinander: Zum einen weiß Al-Qazwînî beispielsweise, dass die Erde eine Kugel ist. Zum anderen glaubt er an die Existenz von Wassermännern. Die Anschaulichkeit, die Geschlossenheit und der Reichtum dieser frühen Weltbeschreibung beeindrucken immer wieder. (Beschreibung via avicenna)
Al-Hamadhani: Vernunft ist nichts als Narretei. Rotter, Gernot (Übers.) (1982 Erdmann: Stuttgart)
Al-Hamadhani (gest. 1008 n. Chr.) schuf mit seinen Maqamen eine neue Gattung innerhalb der arabischen Literatur. Mit Hilfe der Reimprosa als Stilmittel formte er kunstvolle und meist sehr witzige Kurzgeschichten und Sketche. Er lässt seinen Helden in verschiedenste Rollen schlüpfen – als Bettler, als Quacksalber, als brillanten Dichter, als scheinheiligen Vorbeter, als Händler oder als Irren. Diese Geschichten bieten geistreiche Unterhaltung und einen Schatz an kulturhistorischen Informationen. (Beschreibung via amazon.de)
Al-Hariri: Die Verwandlungen des Abu Seid von Serug. Rückert, Freidrich (Übers.) (1989 Reclam: Leipzig)
Al-Hariri – ein Basraer Dichter und Sprachgelehrter des 11. Jahrhunderts – hat in diesem Werk die Maqamen des Abu Seid aufgeschrieben. Dieser “schlägt sich mit List und Tücke durchs Leben, ohne je einer ernsthaften Beschäftigung nachzugehen. Skrupellos täuscht und betrügt er gutgläubige Zeitgenossen, die ihm gern verzeihen – bietet er ihnen doch […] wahre Feuerwerke an Wortspielen und Doppelsinnigkeiten. (aus dem Klappentext)
Muslih ad-Din Sa’di: Der Rosengarten. Bellmann, Dieter (1982 Kiepenheuer: Leipzig)
Dieses Werk entstand im Jahre 1258 und stellt Reflektionen des Autors über seine Erfahrungen während dreißigjähriger Wanderung durch den Orient dar. Der Autor spricht von den Vorteilen der Genügsamkeit und des Schweigens, von Jugend und Liebe, von Schwäche und Alter aber auch vom Leben der Könige und dem Verhalten der Derwische.
Löwe und Schakal – altarabische Tierfabeln. Rotter, Gernot (Übers.) (1982 Erdmann: Stuttgart)
Nach dem Motto, dass ein kluger Mann seine Weisheit in Fabeln versteckt, so wie kluge Ärzte eine bittere Arznei in Speisen verbergen, verbirgt der anonyme Autor aus dem 12. Jahrhundert, seine zeitkritischen Anmerkungen in Tiergeschichten. Die Hauptfiguren sind der Löwe, der als König nach der besten Regierungsweise sucht, und der Schakal, der ihn als kluger und listenreicher Wesir berät. Im Gegensatz zu europäischen Fabeln zieht sich durch diese erst kurz vor der Erstveröffentlichung wiederentdeckte Sammlung eine durchgehende Handlung. (Beschreibung via avicenna)
Ibn al-Wassa’: Das Buch des buntbestickten Kleides. Bellmann, Dieter (1984 Kiepenheuer: Leipzig)
Dieses Buch stammt aus dem 9. Jahrhundert und stellt gewissermaßen den “Knigge” für das Bagdad dieser Zeit dar. Themen sind die richtigen Moden und Verhaltensweisen, die man an den Tag legen musste um zur guten Gesellschaft gehören zu können: der richtige Umgang unter Freunden und Geliebten, die richtige Kleidung feiner Herren und Damen, die Bedeutung von Geschenken, die richtige Art der Zahnreinigung, woran man einen wirklich feinen Menschen von einem, der nur so tut unterscheiden kann usw. Auch dieses Buch verfügt über ein ausführliches Personenregister.
Altarabische Prosa. Fleischhammer, Manfred (1988 Reclam: Leipzig)
In diesem Buch wird mit insgesamt 65 Textbeispielen ein Überblick über einen Großteil arabischer Literatur sowohl der Frühzeit der arabischen Herrschaftsgebiete als auch des Mittelalters. Im Anhang befinden sich Kurzbiographien der im Buch vorgestellten Autoren. Die Texte behandeln folgenden Bereiche: das Leben des Propheten (saws) (Ibn Ishaq), Geschichtsschreibung (Ibn Khaldun, at-Tabari, Miskawaih u.a.), Biographisches (Jaqut, al-Marzubani, al-Qifti, Ibn Juljul u.a.), Geographie und Reiseliteratur (al-Isthari, Ibn Hauqal, al-Muqaddasi u.a.), Philosophie und Unterhaltsames Belehrendes (Ibn al-Muqaffa, al-Jahiz, Ibn Qutaiba, at-Tanuhi u.a.)
