Einführung in das Koranarabische anhand der Sure “al-Mulk” – Robert Breitinger

almulk Viele Menschen lernen Arabisch aus der Motivation heraus, islamische Quelltexte – und zwar vorrangig den Koran – lesen und verstehen zu können. Warum sich also mit den für Anfängerlehrwerke typischen Restaurant- und Arztdialogen herumquälen? Das ist oft extrem frustrierend weil das angestrebte Ziel weit entfernt scheint. Der Verlag für islamische Bildung und Erziehung (VIBE) stellt für dieses Problem ein kleine aber feine Lösung parat: mit der Einführung in das Koranarabisch anhand der Sure 67 “Die Herrschaft” können sogar Grammatikanfänger direkt mit dem Korantext arbeiten. Lediglich mit den arabischen Buchstaben sollte man bereits vertraut sein.

In zwölf Lektionen wird der Lerner in Grundlagen der arabischen Grammatik anhand von Beispielen aus der Sure al-Mulk eingeführt: Wortarten, Verbalstämme, Verneinung usw. Der Anhang ist äußerst hilfreich: hier findet sich die gesamte Grammatik des Buches noch einmal komprimiert und sehr übersichtlich gestaltet auf sieben Seiten wieder. Zum Vokabeltraining ist hier auch der komplette erlernte Wortschatz in Verben und Nomen unterteilt aufgelistet und außerdem sind zum Schluss alle grammatischen Fachausdrücke erklärt. Wirklich brauchbar wird das Buch auch für Anfänger durch die konsequente Umsetzung aller arabischen Passagen in wissenschaftliche Umschrift und Übersetzung und die farbliche Markierung der jeweils relevanten Abschnitte. Kurz: das Buch ist in sich abgeschlossen und benötigt keine zusätzlichen Materialien. Ich würde mich sehr freuen, wenn der Verlag in Zukunft weiterführende Grammatikbücher produzieren würde.

Einführung in die Islamwissenschaft – Peter Heine

Diese Rezension ist eigentlich bei der IZ erschienen. Ich konnte sie dort allerdings nicht mehr online finden, deswegen stelle ich sie hier ein.

Anfang 2009 ist im Akademie Verlag eine Einführung in die Islamwissenschaft von dem renommierten Islamwissenschaftler Peter Heine erschienen. Das Buch soll eine Lücke füllen und Anfänger in ihrem Studium der Islamwissenschaft in Seminaren, Prüfungen und Studienarbeiten begleiten.

In 14 Kapiteln gibt der Autor einen möglichst umfassenden Überblick über Kernthemen, die in der Islamwissenschaft behandelt werden. Das Spektrum ist denkbar vielfältig: Von der Geschichte der Islamwissenschaft, über die obligatorischen Themenbereiche Koran und Sunna, bis zu Forschungen über die muslimische Stadt und moderne Jihad-Forschung wird der Autor dem breiten Themenspektrum des Faches gerecht. In jedem Kapitel wird zunächst ein Überblick über die Hauptdiskussionen im jeweiligen Themengebiet gegeben, die es innerhalb der Islamwissenschaft gegeben hat, dann wird meist ein Überblick über das Phänomen an sich (etwa die Entstehungsgeschichte des Korans oder die Geschichte des Islams in Deutschland) gegeben um dann in abschließenden Fragen dem Leser noch einmal die Möglichkeit zu geben, das Gelesene Revue passieren zu lassen.

Aufgrund der Masse an Themen, die abgedeckt werden, läuft das Buch oft Gefahr in oberflächliche Information abzugleiten und wichtige Information zu übergehen oder fehlerhaft darzustellen. So muss der Leser allerdings stellenweise davon ausgehen, dass mangelnde Kenntnisse muslimischer Glaubenspraxis oder des Korans verantwortlich für den einen oder anderen Lapsus sind. Nur so kann man sich erklären, dass die Befreiung Kranker vom Fasten im Ramadan als „außer Acht lassen“ koranischer Gebote zu betrachten sei, das lediglich auf Rechtskniffen (ungenannter) Rechtsgelehrter beruht. Dass sich diese Regelung aber direkt aus dem Koran ableitet (Sure 2: 185) – also selbst ein koranisches Gebot darstellt –, scheint hier untergegangen zu sein.

Auch zeigt sich durch das ganze Buch eine grundlegende Haltung islamischer Geistes- und Wissenschaftsgeschichte gegenüber, die man allzu häufig in den Orientwissenschaften wieder findet. So ist oft von „den Gelehrten“ die Rede, wenn es darum geht konkrete Debatten oder Positionen innerhalb der klassischen islamischen Wissenschaften nachzuzeichnen. Was ist daran problematisch? Ein komplette Welt wird dadurch verschleiert wenn von ominösen namenlosen „Gelehrten“ die Rede ist, wenn in Wirklichkeit bekannte Namen und konkrete Haltungen dahinter stehen. Es ist nicht zu hoch erwartet, angehenden Islamwissenschaftlern Namen und Gruppierungen zu benennen, mit denen sie im Laufe ihres Studiums ohnehin konfrontiert werden müssen. Zudem soll dieses Buch ja als Nachschlagewerk dienen, das den Studenten durch das Studium begleitet.

Besonderes Interesse weckt das Kapitel „Islam in Deutschland“, ist es doch lange kein Kernthema islamwissenschaftlichen Interesses gewesen. Das Kapitel informiert über die Geschichte des Islam in Deutschland, muslimische Organisationen und den derzeitigen Forschungsstand, der erwartungsgemäß recht mager ausfällt. Mit der Struktur und Entstehungsgeschichte muslimischer Verbände scheint der Autor nicht allzu vertraut zu sein – die Gründung des KRM kommt in der Darstellung nicht vor, der Islamrat scheint mit der DML verwechselt worden zu sein u.ä. Dem Autor ist es anzurechnen, die Debatte um eine Anerkennung muslimischer Organisationen als Religionsgemeinschaften/ Körperschaften des öffentlichen Rechts in einer solchen Veröffentlichung zu thematisieren. Die Zukunftsvisionen des Autors – sollte ein solche Anerkennung gelingen – scheinen aber realitätsfern. Peter Heine befürchtet wohl tatsächlich eine der beteiligten Organisationen habe sich vorgenommen, im Falle einer Anerkennung die Zakat durch die deutsche Finanzverwaltung einziehen zu lassen.

Trotz aller Kritik ist dieses Buch zu empfehlen, da es Debatten innerhalb der Islamwissenschaft kurz, knapp und lesbar nachzeichnet. Diese ermöglichen dem interessierten Leser, das breite Interessenspektrum und die Diskussionsviefalt dieses Faches zu erahnen. Weiterhin sind die Literaturempfehlungen am Ende eines jeden Kapitels manchmal hilfreich und meist auch anspruchsvoll – spiegel sie doch Haltungen und Ergebnisse der Islamwissenschaft, die es (leider) nicht immer in die Wahrnehmung der Mainstreammedien schaffen. Für das Studium kann dieses Buch sicherlich in manchen Gebieten als Ausgangspunkt weiterer Recherchen dienen.

Peter Heine, Einführung in die Islamwissenschaft, erschienen im Akademie Verlag. Preis: 19,80 Euro.

Das Unbehagen in der Islamwissenschaft – Abbas Poya, Maurus Reinkowski

Ich hatte ganz vergessen, auf diese Rezension aufmerksam zu machen. Leider ist sie nur per Abo einsehbar:

Das Selbstverständnis der Is­lam­wissenschaft im Westen ist, nicht nur seit Veröffentli­chung der mittlerweile zum Klassiker gewordenen Abrechnung „Orientalism“ von Edward Said Ende der 70er, Thema von Veröffentlichungen und Konferenzen gewesen. Dies ist auch im deutschsprachigen Bereich der Fall. Den jüngsten Versuch einer Identitätssuche stellt die Aufsatzsammlung „Das Unb­e­ha­gen in der Islamwissenschaft – Ein klassisches Fach im Scheinwerferlicht der Politik und Medien“, herausgegeben von Abbas Poya und Markus Reinkowski, dar.