Der erste Tafsir (Korankommentar) von einer Frau

Kariman Hamzah – eine ehemalige Fernsehmoderatorin aus Ägypten – hat einen Korankommentar geschrieben. In vielen Medienmeldungen wird dieser Tafsir als der erste, der von einer Frau geschrieben wurde, bezeichnet. Das stimmt so nicht, ich hatte ja vor ein paar Tagen schonmal das Thema gestreicht – mir sind mindesten zwei Frauen bekannt, die einen (in einem Fall kompletten) arabischen Korankommentar verfasst haben. Dies einmal abgesehen von den zahlreichen Interpretationen zu kleineren Abschnitten des Qurans in arabisch und vielen Sprachen, die von Fauen zu allen Zeiten unternommen wurden.

Kariman Hamza ist allerdings die erste Frau, dessen Tafsir mit dem Titel “Der deutliche Korankommentar für Kinder und Jugendliche”1 von der al-Azhar Universtät genehmigt wurde.

Mit Dank an Muslimah Media Watch.

Fußnoten
  1. al-Wadih fi Tafsir al-Quran li-ash-Shabab wa-ash-Shabiba []

Rezension “Koran für Kinder und Erwachsene”

Ich bin heute auf den Blog eines Muslims aus Köln aufmerksam geworden. Er hat das Buch “Koran für Kinder und Erwachsene” von Lamya Kaddor und Rabeya Müller rezensiert. Das Buch hat seit Erscheinen für viel Diskussionsstoff unter Muslimen gesorgt – und ist teilweise unberechtigt bzw. sehr uninformiert kritisiert worden. Das kann man nun von der vorliegenden Rezension nicht behaupten – Sami Alphan geht recht neutral und sprachlich versiert vor allen Dingen auf die Übersetzung aus dem Arabischen ein. Empfehlenswerte Lektüre, besonders wenn man das Buch schon kennt.

Mufti Ceric zum Zweiten.

Die Diskussion um die Aussagen des Muftis von Bosnien-Herzegovina zum Thema Scharia ist ja erneut entflammt, anlässlich der kommenden Preisverleihung. Genug Zeit zum Lesen haben die “Kritiker” bis jetzt ja gehabt – aber anscheinend nicht genutzt. Deswegen hier noch mal der Verweis auf den umstrittenen Text mit eindringlicher Leseempfehlung. Ganz wichtig ist, was meint der Autor – also der Mufti selbst – und nicht seine Kritiker eigentlich mit dem Wort “Scharia”…

Kurz verlinkt: Kommentar zur Diskussion um Kalisch

Im Spiegel gibt es heute ein ausführliches Interview mit Michael Marx (Corpus Coranicum). Anlass ist die Diskussion um den Münsteraner Professor Kalisch, der mit seiner Einstellung zur Natur des Propheten Muhammad für Wirbel gesorgt hatte. Im Mittelpunkt steht dabei die Aussage es entspräche dem derzeitigen Forschungsstand innerhalb der Islamwissenschaft, begründete Zweifel an der Existenz des Propheten zu haben.

Ich verfolge diese Diskussion schon etwas länger, Kalisch ist ja auch nicht der einzige der Aussagen in der Art tätigt. Das Novum ist bei ihm nur, dass es sich hier um einen bekennenden Muslim handelt. Was mir bei diesen Behauptungen besonders aufstößt ist allerdings nicht der offensichtliche Widerspruch zu muslimischen Grundüberzeugungen. Was mich am meisten verwundert ist, dass diese Behauptung nur dann als Ergebnis einer Forschung postuliert werden könnte, wenn überhaupt eine Forschung stattgefunden hat. Eigentlich ganz simpel. Das ist aber innerhalb der Islamwissenschaft noch gar nicht in ausreichendem Ausmaß passiert.1 Das Projekt in Potsdam setzt an dieser Stelle an:

Wir am Corpus Coranicum versuchen, erst einmal Grundlagenforschung zu treiben, bevor man mit Supertheorien kommt.

Interessant ist, dass Michael Marx die mündlichen Aussagen Kalischs qualitativ auf dieselbe Stufe einordnet wie die Arbeiten Ohligs und sie als außer-wissenschaftlich empfindet – weil widersprüchlich und argumentativ lückenhaft.

Marx: Es gilt, vorsichtig zu sein. Für die Geschichte generell kann man keine naturwissenschaftlichen Beweise anführen. Wie wollen Sie die Existenz von Karl dem Großen beweisen? Wir können keine Experimente durchführen, wir müssen mit Evidenzen arbeiten. Und ein Evidenzstrang in dieser Frage ist der Koran. Hier ist die Evidenzlage so gut wie bei keiner anderen Religion. Wir kennen Koranhandschriften und islamische Inschriften schon ab 40 bis 50 Jahre nach dem Tode des Propheten. Der Koran wäre extrem erklärungsbedürftig, wenn man den Propheten rausrechnet. Ohlig behauptet, der Islam sei bis in die Ommajadenzeit, also bis ins 9. Jahrhundert, im Wesentlichen eine christliche Sekte gewesen. In dem Fall aber habe ich das massive Problem, dass der Text des Koran dazu nicht passt. Wieso ist dann die Christusfigur im Koran nicht zentraler? Abraham, Moses und Noah werden viel häufiger genannt.

Insgesamt kann ich nur empfehlen, das gesamte Interview zu lesen, da dadurch die wissenschaftlichen Dimensionen der Diskussion dem Außenseiter klarer werden.

Fußnoten
  1. Was einfach an der schieren Masse der zu bearbeitenden Texte/Dokumente liegt. []

Broschüre des Berliner Senats – “Mit Kopftuch außen vor?”

Broschüre der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung | Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales

Broschüre der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung | Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales

Ich habe vor ein paar Wochen von einer Neuerscheinung des Berliner Senats (Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung) erfahren und direkt bestellt. Es handelt sich dabei um eine kleine Broschüre mit dem Namen “Mit Kopftuch außen vor?“. Mit der Broschüre will die Landesstelle einerseits Erfahrungen muslimischer Frauen dokumentieren, mit denen sie aufgrund Kopftuch bedingter Diskriminierung in Kontakt getreten ist. Dabei stützt sich die Broschüre auf Einzelgespräche die in den Jahren zwischen 2005 bis 2007 in der Beratungsarbeit der Landesstelle geführt wurden und auf einzelne Befragungen und Studien zum Thema. Eine davon ist die Magisterarbeit von Canan Korucu – eine qualitative Studie anhand von Leitfadeninterview mit jungen Kopftuch tragenden Musliminnen. Andererseits werden am Schluss der Broschüre äußerst interessante Handlungsvorschläge formuliert, von denen man nur hoffen kann, dass sie auch in die Tat umgesetzt werden:

1. Breite, sich an alle gesellschaftliche Akteure richtende, Aufklärung zum AGG und zum Neutralitätsgesetz (d.h. auch zu dessen begrenztem Regelungsbereich), Öffentlichkeitsarbeit, Bewusstmachen von Ungleichbehandlungen.

2. Herausgabe eines Faltblatts zum Neutralitätsgesetz, das insbesondere die Wirtschaft über den Ausdehnungsbereich und die Grenzen des Gesetzes informiert. Erläuterung auch aktueller antidiskriminierungsrechtlicher Vorgaben (AGG).

3. Überprüfung des Neutralitätsgesetzes vor dem Hintergrund des AGG.

4. Rundschreiben an alle Schulen und Kitas zum Neutralitätsgesetz unter Berücksichtigung des AGG.

5. Spezifische Fortbildungsangebote für Pädagogen und Pädagoginnen, um sie in der Führung situationsangemessener Gespräche mit Schüler/innen und ggf. deren Eltern zu unterstützen.

6. In Kooperation mit den Moscheevereinen sollen Ansprechpersonen in Fällen von Diskriminierung benannt und zum AGG geschult werden.

7. Einbeziehung der für das Themenfeld relevanten Nicht-Regierungsorganisationen als Multiplikatoren und Experten in den Gesamtprozess

8. Hervorhebung positiver Vorbilder: Stimmen von Musliminnen in der öffentlichen Debatte mehr Gehör verschaffen.

8. Empowerment muslimischer Frauen, damit sie sich besser gegen Diskriminierungen zur Wehr setzen und ihre Rechte einfordern können und zur Verbesserung ihrer gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Partizipation. Meldung von Diskriminierungsfällen bei den Beratungsstellen zur Unterstützung und Bekanntmachung.

10. Gespräche mit Wirtschaftsvertretern und Wirtschaftsvertreterinnen zur Erhöhung von deren Akzeptanz gegenüber muslimischen Frauen im Arbeitsleben. Im Sinne des Diversity-Ansatzes ist dabei stärker auf das Qualifikationspotential hinzuweisen, das eine große Anzahl muslimischer Frauen mitbringt und das bei Ausgrenzung brach liegt.1

Die Broschüre kann man entweder hier herunterladen oder als Drucksache bestellen:

Die Broschüre “Mit Kopftuch außen vor?” kann über die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales per E-Mail broschuerenstelle@senias.berlin.de und telefonisch unter 030 9028 2848 bestellt werden.

Fußnoten
  1. Hervorhebungen von mir []

Museumseröffnung in Istanbul zu arabisch-islamischen Wissenschaften

In der FAZ vom 4.7.2008 findet sich ein interessantes Interview mit Fuad Sezgin, das leider nicht ergoogelbar ist. In diesem Interview spricht Sezgin anlässlich einer Museumseröffnung im Topkapi Serail in Istanbul über die von ihm erstellten Modelle der arabisch islamischen Wissenschaftsgeschichte. Am Institut für Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften in Frankfurt kann man 800 dieser Exponate seit langem auch in Deutschland bewundern. Für alle die den Weg nach Frankfurt scheuen gibt es hier einen virtuellen Rundgang.

Der Einbürgerungstest

Ich bin heute auf einen lustig-traurigen Kurzfilm von Güclü Yaman aufmerksam gemacht worden. Im Film geht es um den Einbürgerungstest, den man ablegen muss wenn man deutscher Staatsbürger werden will. Es werden echte Fragen aus dem Test benutzt und darum herum eine Geschichte erzählt. Den Film kann man sich direkt auf der oben verlinkten Seite ansehen oder hier (über einen YouTube Link):

Das Geschäft mit dem Dialog

Kurzer Surftipp zu einem sehr auf den Punkt gebrachten Artikel von Farish A. Noor zum interkulturellen/religiösen Dialog und immer wiederkehrenden Widersprüchen:

But consider the oddity of it all: When a Muslim walks into Mc Donalds to order a Big Mac, nobody asks him if Islam compels him to do that, or suggests that it is the Qur’an that determines his tastes and preferences! Yet when a Muslim protests against American oil companies exploiting the resources of his country, the explanation for this anger and indignation has to be found in Islam somehow.

Konferenz in Tel Aviv: Juden und Muslime in Deutschland

Über die Mailingliste Abraham-Ibrahim (eine jüdisch-muslimische Diskussions- und Newsliste) bin ich auf eine Konferenz des Minerva Institute for German History an der Universität Tel Aviv aufmerksam geworden. Die Konferenz lief im April 2008 unter dem Titel: “Jews and Muslims in Germany: Culture, Law and Politics from the Age of Emancipation to the Time of Multiculturalism”. Mehr dazu findet man hier. Es ist noch kein Tagungsbericht erschienen, der ist aber anscheinend in der Mache.

Sabine Schiffer von Institut für Medienverantwortung gehörte zu den Teilnehmern der Konferenz mit einem Votrag zum Thema “The Role of the Media for Muslim and Jewish Interactions”. Sie hat mittlerweile einen sehr lesenswerten Bericht über die Konferenz für die Zeitschrift Zukunft verfasst. Aus dem Artikel wird deutlich mit welcher Bandbreite an Themen man sich auf dieser Konferenz beschäftigt hat. Für mich am interessantesten waren die Zwischenergebnisse von Forschungen zu rechtsrelevanten Themen. So berichtet Shai Lavi über den unterschiedlichen Umgang mit dem Schächten:

Shai Lavi, Direktor des Taubenschlag Instituts, brachte seine Eindrücke direkt aus Berlin mit, wo er derzeit zum Umgang der deutschen Justiz mit dem Thema “Rituelles Schlachten” forscht. Dabei wurde deutlich, dass der Umgang sowohl der Justiz als auch in den öffentlichen Diskussionen in Sachen Schächten sehr unterschiedlich gehandhabt werden. Für Juden wäre es erlaubt, wird aber nicht praktiziert. Für Muslime ist es im Wesentlichen nicht erlaubt, es gibt aber Ausnahmeregelungen. Als konstruiert empfand er den Versuch auf der Website akte-islam.de eine Rechtfertigung für die Ungleichbehandlung bzw. eine andere Sicht auf die beiden Arten rituellen Schlachtens zu werfen, so dass die jüdische als berechtigt, die muslimische als unberechtigt erscheint.

Oder Gila Stopler zum Thema Kopftuch:

Gila Stopler von der Ramat Gan Law School ergänzte diesen Beitrag um den konkreten Fall der Gesetzgebung zum Kopftuch und kam zu dem Schluss, dass die deutsche Justiz hier doppelte Standards anwendet, wenn sie Kopftücher in öffentlichen Einrichtungen verbietet, vergleichbare andere religiöse Symbole jedoch nicht. Für alle Teilnehmer überraschend machte sie in Deutschland gleichzeitig einen besonders starken Konservatismus in Sachen Gleichstellung von Mann und Frau aus, indem sie einige Vergleichszahlen anderer europäischer Länder vom Anteil Berufstätiger und von Kinderbetreuungsplätzen etc. nannte. Vor diesem Hintergrund erschien ihr das verstärkte Eintreten für die “Rechte” muslimischer Frauen, die sie letztendlich in ihrer Berufsausübung beschränkten, zumindest verdächtig, wenn nicht gar heuchlerisch.

Wäre interessant mehr Material von dieser Konferenz zu bekommen!

Mustafa Ceric und die CDU

Um einen Text des bosnischen Muftis Mustafa Ceric braust ja momentan eine heftige Debatte. Der Text hat den Titel “The challenge of a single Muslim authority in Europe” und kann hier als PDF gelesen werden.

Nächste Seite »« Vorherige Seite