Frauen und männliche Koranexegese
Die folgende Sendung ist aus dem vergangenen Jahr und leider nur auf arabisch zu konsumieren, ich will sie hier trotzdem teilen. Die marokkanische Kroanwissenschaftlerin Farida Zumurrud gibt in der Sendung al-Sharia wa’l-hayat auf dem Sender al-Jazeera ein langes Interview zu männlicher Koraninterpretation und der damit verbundenen Problematik, möglichen Lösungsansätzen und Frauen im Koran.
Hier geht es zu einem vollständigen Transkript des Interviews.
Neue Zeitschrift für muslimische Debattenkultur erscheint
Die neue Zeitschrift “Horizonte. Zeitschrift für muslimische Debattenkultur” ist im Handel und kann im Buchhandel oder direkt beim Kalam Verlag bestellt werden. Hier geht es zur Facebookseite der Zeitschrift, hier zum Verlag.
Horizonte – Zeitschrift für muslimische Debattenkultur möchte im Diskurs über die Religion des Islam aus theologischer, aber auch anderen wissenschaftlichen Perspektiven intellektuelle, kreative und innovative Denkimpulse geben. Neben theologischen Fragen sollen Diskussionsbeiträge genereller Art zur islamischen Religion publiziert werden. Geplant sind Themen wie Reformislam, feministischer Islam, Sufismus, Islam und Ökonomie oder auch Islam in der Psychotherapie; somit soll der Fokus auf bisher nicht behandelte oder kaum bekannte Ansätze liegen.
Die Zeitschrift soll keine akademisch-wissenschaftliche Publikation sein, sich aber auf inhaltlich sehr hohem Niveau bewegen: Damit richtet sie sich nicht nur an Islamwissenschaftler, Theologen und Geisteswissenschaftler, sondern an ein möglichst breites Publikum, das Interesse an fundierten und kritischen Aufsätzen zum Islam hat. Vor allem unabhängige junge und innovative Autoren und Wissenschaftler sollen die Möglichkeit zur Publikation ihrer Thesen und Beiträge bekommen. Fundierte Beiträge aus anderen Sprachen können durch eine Übersetzung der Leserschaft zugänglich gemacht werden.
Die Grünen…
…sind ja eigentlich die letzten, denen ich Rassismus im Wahlkampf zugetraut hätte. Falsch gedacht. Die Kaarster Grünen haben sich in diesem Wahlkampf dazu entschlossen unter dem Slogan “Der einzige Grund Schwarz zu wählen”, das nackte Gesäß einer weiblichen schwarzen Person abzubilden. Kommt also auch noch Sexismus dazu.
Am allerübelsten ist jedoch die Reaktion der Kaarster Grünen auf die berechtigterweise eingehenden Protestmails. Man weißt dort argumentationslos alle Vorwürfe von sich, mit der Begründung, die Grünen stünden “für eine Politik, die sich durch Toleranz, Weltoffenheit und Gleichberechtigung auszeichnet”. Peinlich, Peinlich.
Die Stellungnahme scheint seit heute geändert worden zu sein. Dort war gestern nämlich noch zu lesen:
Im Gegenteil könnte dieses Motiv als „antirassistisch“ bezeichnet werden, entsprechende Äußerungen erhielten wir als Reaktion auch von Menschen mit Migrationshintergrund”
Glaubt der/die VerfasserIn dieser Stellungnahme wirklich, dieses billige Argument würde davon überzeugen können, hier läge kein Rassismus vor? Wie rassistisch ist es eigentlich zu glauben, dass man nur einen “Migranten” zum Freund haben muss, um sich von Rassismus rein waschen zu können?
Auf dem Blog von derbraunemob.info wird die Aktion gegen das Plakat koordiniert. Bitte unterstützen, Rassismus geht wirklich alle an.
Merkel kondoliert Mubarak und ignoriert damit das Wesentliche
Laut der sächsischen Zeitung ist Bundeskanzlerin Merkel auf dem G8-Gipfel in Italien auf den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak ihre Anteilnahme ausgesprochen.
Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat plötzlich etwas zu dem Fall zu sagen:
Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich am Freitag „persönlich tief bestürzt“. Er schrieb seinem ägyptischen Amtskollegen Ahmed Abul Gheit nach offiziellen Angaben, es werde alles getan, um solche Verbrechen zu verhindern. „Wir stehen dafür ein, dass sich in Deutschland jeder ungeachtet seiner Herkunft, seiner Nationalität oder seines Glaubens sicher fühlt“, heißt es in Steinmeiers Schreiben. „Dies ist oberste Maxime für staatliches Handeln. Ausländerfeindlichkeit und Islamophobie haben in Deutschland keinen Platz.“
Mal abgesehen davon, dass Herr Steinmeier für mich seit der Guantanamo-Affäre vollkommen unglaubwürdig geworden ist, möchte ich doch darauf hinweisen, dass man auf diese Art geschafft hat, den Mord an Marwa E. völlig aus der politischen Verantwortung in Deutschland genommen hat. Man hat das Ganze so zu einem diplomatischen Ärgernis herabignoriert. Das Problem Islamfeindlichkeit in Deutschland, die berechtigten Sorge und Nöte deutscher Muslime angesichts dieses Mordes und der immer wieder betonten Diskriminierungserfahrungen von Muslimen werden so schlichtweg nicht ernst genommen. Herr Steinmeier und Frau Merkel, ich darf Sie daran erinnern, dass dieser Fall vor allen Dingen in Deutschland für Sorge und Unruhe gesorgt hat. Ihr beider Umgang damit ist höchst fahrlässig.
Newsupdate zum Mord an Marwa el-Sherbiny 06.07.2009
Über das Wochenende sind wieder viele Berichte und Stellungnahmen zu dem Mord an Marwa in Dresden zusammengekommen. Ich fasse zusammen:
Marwas Ehemann, Elwie Okaz, ist seit Freitag aus dem Koma erwacht und in stabilem Zustand, liegt aber weiterhin im Krankenhaus in Dresden.
Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, hat zusammen mit Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime den Ehemann der Getöteten besucht. Kramer zu seiner Motivation:
“Wir wollen ein deutliches Zeichen gegen Islamophobie setzen”, sagte Kramer. “Viele Muslime haben Angst und das dürfen wir nicht ignorieren.” Die bisherigen Reaktionen auf den Fall seien “unverständlich spärlich”. (Quelle: TAZ)
Am heutigen Abend ist ein Treffen der beiden Generalsekretäre mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) geplant.
Am Sonntag fand ein Totengebet in der Berliner Dar el-Salam Moschee statt, an der auch der ägyptische Botschafter, Ramzi Ezzeldin Ramzi, und der Bruder der Ermordeten, Tariq El-Sherbiny, teilnahmen. Daraufhin wurde der Leichnam von ihrem Bruder nach Ägypten gebracht. Am Flughafen in Kairo nahm ihn u.a. auch der deutsche Botschafter Bernd Erbel in Empfang.
Er verwies in einer kurzen Ansprache darauf, dass das Kopftuch in Deutschland nicht verboten sei und der Mord vom deutschen Volk verurteilt werde. Der Diplomat erklärte, dass die 3 Millionen in Deutschland lebenden Muslime alle Freiheiten genießen und und das deutsche Volk den Muslimen nicht feindlich gegenüberstehe. (Quelle: al-Sharq)
Heute fand die Beerdigung von Marwa in Alexandria, Ägypten, statt. Al-Jazeera berichtet, dass die deutsche Botschaft in Ägypten verlauten ließ, dass diese Tat nicht die allgemeine Haltung gegenüber Muslimen reflektiere. Sulaiman Wilms von der Islamischen Zeitung, widerspricht im selben Artikel dieser Aussage teilweise, indem er sagt, dass dieser Vorfall die Ressentiments deutlich mache, mit denen Muslime in Europa konfrontiert seien.
Der Interkulturelle Rat hat sich in seiner Pressemitteilung dafür ausgesprochen, dass es besonders von politischer Seite Solidaritätsbekundungen mit den Opfern geben sollte, da die Haltung der Mehrheit der Menschen in Deutschland reflektieren würde, die antimuslimischen Rassismus ablehnen.
Peter Widmann von Institut für Antisemitismusforschung äußert sich zu de Fall in der TAZ:
“Falls es stimmt, was die Medien schreiben, war es ganz offensichtlich ein islamfeindlicher Anschlag”, sagte Peter Widmann, der am Zentrum für Antisemitismusforschung zu Islamophobie forscht.
(…)
“Dieser Anschlag wurde möglicherweise atmosphärisch durch eine Hassszene im Internet vorbereitet und durch problematische Tendenzen unter bestimmten Intellektuellen, die bis in die Mitte der Gesellschaft reichen”, sagte Wissenschaftler Widmann. Dennoch würde das Thema Islamfeindlichkeit in der Öffentlichkeit bislang kaum diskutiert.Das liege, so Widmann, zum einen an einem “verbreiteten Unbehagen über den Islam” bis in die gesellschaftliche Mitte hinein. “Zudem gibt es Unsicherheit darüber, was legitime Kritik ist und wo ein Feindbild beginnt”, sagte Widmann. Aus seiner Sicht ist das aber einfach: Legitim sei Kritik immer, wenn sie sich an konkrete Personen oder Organisationen richtet, nicht aber, wenn ein Kollektivcharakter angenommen werde. (Quelle: TAZ)
Da nun ja diverse Gerüchte und Wutausbrüche die Runde machen, noch ein paar Anmerkungen von mir. Ich habe des öfteren gelesen, dass Leute sich in Foren, bei Twitter usw. darüber aufregen, dass die Anklage gegen Marwas Mörder auf Totschlag – nicht auf Mord – lauten solle. Das ist nicht wahr, aus dem einfachen Grund, weil noch gar keine Anklage erhoben wurde. Noch laufen die Ermittlungen laut einem Bericht der “Welt” wegen heimtückischen Mord. Eine Anklage wird dann aufgrund der Ermittlungsergebnisse erhoben.
Weiterhin habe ich des öfteren Vorwürfe gegen den deutschen Staat vernommen. Ich muss sagen, dass zumindest der Teil des deutschen Staates, der in diesem Fall durch den Dresdner Staatsanwalt und den Richter repräsentiert wird, gut funktioniert hat. Das mag vielleicht einige überraschen, allerdings muss festgehalten werden, dass durch das erste Gerichtsurteil der Tatbestand der Diskriminierung und des Rassismus festgestellt und bestraft wurde. Die Staatsanwaltschaft kam sogar zu der Auffassung, dass aufgrund der wiederholten Beleidigungen des Alex W. vor Gericht eine Revision angestrebt werden müsste, die möglicherweise eine Freiheitsstrafe nach sich gezogen hätte. Natürlich sehe ich auch eine Verantwortung für eine zunehmend islamfeindliche Stimmung in der Gesellschaft seitens Persönlichkeiten der Politik und Gesellschaft, wie ich an anderer Stelle schon erwähnt habe.
Muslimisches Sorgentelefon
In Berlin soll es ab dem 1.5.2009 ein muslimisches Sorgentelefon geben. Unter der Nummer 030 / 44 35 09 821 soll vorerst täglich von 16-24 einer der fachgerecht ausgebildeten Seelsorger zu erreichen sein. In Zukunft wird ein 24-Stunden-Dienst angestrebt. Aus dem Infotext:
Wichtige Grundsätze der Arbeit des Muslimischen SeelsorgeTelefons sind:
- Verständnis: Wir haben für den Anrufer und seine Situation Verständnis und urteilen nicht über ihn. Wir suchen gemeinsam mit ihm nach ersten Schritten aus der Krise.
- Für die Gesellschaft: Jeder, der unseren Beistand haben möchte, ob Muslim oder nicht, ist uns willkommen.
- Islamischer Rahmen: Hierbei wird jederzeit der islamische Rahmen von unserer Seite respektiert und bewahrt. Wir sind aber keine Auskunftshotline für rein religiöse Fragestellungen. Bei solchen Anfragen werden wir andere mögliche Ansprechpartner der muslimischen Landschaft in unserer Stadt, wie z.B. Moscheen benennen, an die man sich wenden kann.
- Muttersprache: Unsere Ehrenamtlichen sprechen alle Deutsch. Einige sprechen Türkisch bzw. Arabisch. Wir möchten deswegen an bestimmten Terminen auch Gespräche in diesen Sprachen ermöglichen.
- Anonymität: Wir garantieren beiderseitige Anonymität
- Verschwiegenheit: Was uns anvertraut wird, dringt selbstverständlich nicht nach außen und ist absolut vertraulich. Unsere Mitarbeiter sind zur strikten Verschwiegenheit verpflichtet.
Schüleraustausch Berlin Mitte-Neukölln
Das Jüdische Museum Berlin hat ein Projekt namens »on.tour – Das JMB macht Schule« entwickelt. Mit einer mobilen Ausstellung werden bundesweit Schulen besucht. Heute habe ich einen schönen Film der Deutschen Welle über dieses Projekt gesehen, in dem es zusätzlich um ein Austauschprojekt zwischen Schülern einer jüdischen Schule in Berlin-Mitte und Schülern aus Berlin-Neukölln geht. Wirklich empfehlenswert: Koscher – gibt’s das nicht auch im Islam?
Kopftuchverbot verletzt Menschenrechte…
Aufgrund von Zeitmangel hier nur ein Link zur Studie (basierend auf Gesprächen mit gut 30 verhinderten Lehrerinnen in Deutschland) von Human Rights Watch: Diskriminierung im Namen der Neutralität von Haleh Chahrokh.
Hier noch ein guter Kommentare zu dem Bericht “Kopftuchverbot für Lehrerinnen:
Glaube oder Beruf? Beides!” von Claudia Kirsch. (Überraschenderweise aus der Brigitte).
Billigdiscounter, die zweite
Einen echten Grund, Discounter wie Lidl, Aldi, Schlecker und andere Ketten wie Kaisers zu boykottieren, kann man beim Spiegelfechter nachlesen, in einem Artikel über eine gewerkschaftlich organisierte Kassiererin die wegen angeblicher Unterschlagung von 1,30 Euro gekündigt wurde.
Auch die dort verlinkte Reportage “Die Billigheimer” gibt ein wenig Hintergrundinformationen.
Berichtersttaung aus Gaza – Journalismus von der Front
Ich lese seit einiger Zeit den Blog des schweizer Journalisten Andre Marty. Heut gab es einen Eindruck, wie es ist, in einem Kriegsgebiet zu arbeiten: Stell dir vor es ist Krieg – und einer geht hin.
