Kurz verlinkt: Islamwissenschaft im Umbruch
Auf derstandard.at gibt es eine interessante dreifach-Rezension zu aktuellen Debatten innerhalb der Islamwissenschaft mit deutschem Schwerpunkt. Rezensiert werden die folgenden Bücher:
- Abbas Poya, Maurus Reinkowski (Hg.), “Das Unbehagen in der Islamwissenschaft. Ein klassisches Fach im Scheinwerferlicht der Politik und der Medien”. € 31,70 / 334 Seiten. Transcript, Bielefeld 2008.
- Rüdiger Lohlker, “Islam. Eine Ideengeschichte”. € 19,50 / 282 Seiten. Facultas, Wien 2008.
- Iman Attia (Hg.), “Orient- und IslamBilder”. € 20,40 / 307 Seiten. Unrast, Münster 2007.
Arabische Umschrift – stressfrei?

Beispiel für arabische Umschrift in einem Literaturverzeichnis. (In einem recht eigenwilligen Stil
)
- Word kann auf dem Mac die arabische Schrift nicht darstellen.
- Ich kann dort kein Tastaturlayout aktivieren, das mit Unicode Schriften arbeitet.
- Mir gefällt schon seit längerem das Schriftbild und der Schriftsatz nicht.
- Bei NeoOffice kam hinzu, dass es bei mir ab 20 Seiten so extrem langsam wurde, dass ich irgendwann entnervt aufgab.
Da ich aber damals schon mitten im Schreiben war, war eine Umstellung für mich eher schwierig. Ich hatte zwar einen LaTeX-Kurs im Rechenzentrum meiner Uni besucht, kam aber durch den Zeitdruck nicht zur Umsetzung. Das hab ich mir aber nun für die Dissertation vorgenommen…
Ich stecke zwar noch in den Anfängen für die Arbeit an meiner Promotion, recherchiere allerdings schon fleißig. Ich stehe also wieder vor der lästigen Umschrift. Meine Doktormutter hat mir heute einen Hinweis gegeben, der mir das Schreiben wohl vereinfachen wird. Auf der Seite des orientalischen Seminars der Universität gibt es eine Reihe an Hilfen für das Benutzen der Umschrift. Ich kann jetzt mithilfe eines Transkriptionslayouts für die Tastatur Unicodeschriften (Gentium ist eine besonders schöne) benutzen. Das funktioniert zwar immer noch nicht in Word (und seinen Verwandten), allerdings in dem zu Mac OSX gehörendem Texteditor TextEdit.
Artikel in der IZ zur Frankfurter Tagung – Teil 2
So nun komme ich endlich dazu, mich mit den Reaktionen zu meinem in der Islamischen Zeitung veröffentlichten Artikel zu beschäftigen. Mich erreichten diese teils per Mail, teils als Kommentar unter dem Artikel selber. Es gibt auch eine Anmerkung zu meinem Artikel von Wolf Ahmed Aries in der Islamischen Zeitung, die mittlerweile auch ohne Online-Abo einsehbar ist. Ich will versuchen, thematisch auf die geäußerte Kritik einzugehen. Mal sehen ob es mir gelingt.
Was die Organisation auf der Tagung anging will ich mich nicht weiter auslassen, da bereits alles gesagt wurde und es über das Inhaltliche weit mehr zu sagen gibt.
Wissenschaftlicher Anspruch muss sich dementsprechend messen lassen
Den Anmerkungen Ahmad Aries entnehme ich, dass Kritik an den auf dem Symposium formulierten Thesen lediglich ein Hinweis auf die mangelnde Diskussionskultur bzw. unbegründete Skepsis innerhalb der muslimischen Minderheit in Deutschland sei. Mal davon abgesehen, dass unter Muslimen tatsächlich eine große Skepsis gegenüber allem Staatlichen herrscht und sehr oft auch undifferenziert diskutiert wird, so ist dies natürlich überhaupt kein Maßstab an dem sich eine These messen muss, die in einem wissenschaftlichen Kontext formuliert wird. Wenn ich also eine Behauptung in den Raum stelle, so ist es erst einmal irrelevant wie dies innerhalb der muslimischen (oder sonstigen) Community aufgenommen wird. Relevant ist ob diese Behauptung einer wissenschaftlichen Überprüfung standhält.
Es kursieren ja immer mal wieder die unterschiedlichsten Behauptungen in Bezug auf den Koran oder die Person des Propheten (saws). Behaupte ich nun etwa der Prophet Muhammad (saws) habe nicht existiert, der Koran sei ein Produkt späterer Zeiten, gegenwärtig nicht vollständig oder beruhe auf einer ursprünglich aramäischen Lesart so ist daran zunächst einmal nichts auszusetzen, wenn ich mich einer Überprüfung und aufkommenden Fragen fachmännisch stelle. Ich sollte also in der Lage sein, Begründungen oder besser noch Beweise für meine Annahme vorzulegen und außerdem schlüssig darlegen zu können, warum Belege, die die das Gegenteil meiner Behauptung nahelegen, in diesem Fall nicht hinzu gezogen wurden oder gleich gar keine Gültigkeit besitzen.
Der Mutawatir1 Charakter des Qurans und einiger Ahadith wurde in den Anfangszeiten und bis heute immer mal wieder diskutiert. Aus diesem Grund hat man sich ja auch schon früh mit der Glaubwürdigkeit und der Anzahl der Überlieferer auseinandergesetzt. Wie gesagt, es gibt eine eigene Gattung in der Wissenschaft, die sich nur mit den Biographien und der Bewertung von Überlieferern befasst (30.000 Biographien). Es ist also nicht so, dass hier Behauptung (“Der Koran ist nicht vollständig/falsch/später überliefert”) gegen Behauptung (“Der Koran ist so überliefert wie er offenbart wurde”) stehen würde. Ersteres bleibt so lange nichts weiter als eine haltlose Behauptung bis es sich a) gründlich mit den Belegen für zweiteres auseinandergesetzt hat und b) eigene stichhaltige Belege hervorgebracht hat. All dies habe ich bis jetzt von niemandem gesehen, weder ist dies auf dem Symposium passiert, noch habe ich dies in Veröffentlichungen von Vertretern dieser Behauptungen vorfinden können. Es blieb bis heute bei Behauptungen.
Es zeugt meines Erachtens auch von einer gewissen Uninformiertheit in Bezug auf islamische Wissenschaftsgeschichte, wenn man behauptet, bis heute wären sich Muslime (wie gesagt innerhalb der wissenschaftlichen Auseinandersetzung) der eigenen Relativität nicht bewusst gewesen. Über Relativität der eigene Aussagen waren sich Gelehrte im Islam schon seit langem klar, siehe die Voraussetzungen für Ijtihad Meinungen (Fatawa), die nur auf Zann-Belegen2 beruhen können und genau deshalb nur für den einzelnen Mujtahid selbst verbindlich waren/sind und niemals für den Rest der Menschen. Fatawa gründen sich entweder auf komplett beleglosen Verstandesanstrengungen eines Gelehrten oder auf einen Beleg, der der Bedeutung und/oder der Überlieferung nach zanni (also mehrdeutig) ist. Andere Belege sind wiederum eindeutig, auch hier wieder der Bedeutung und/oder der Überlieferung nach und erzwingen aus diesem Grund eben nur eine einzige Bedeutung. Dies ist so im Aqidabereich, der nicht diesen Namen trägt, weil man bestimmte Dogmen einfach so festgesetzt hat, wie man sie grade persönlich für richtig hielt. Er trägt diesen Namen weil – als Ergebnis der Auseinandersetzung mit dem Quran und seiner Entstehung – es sich hier um eindeutige Belege der Überlieferung nach3 handelt und der Bedeutung nach (was ja nun wirklich nicht bei allen Koranversen der Fall ist). Jemand der diese Prinzipien leugnet, widerspricht – nach klassischer Auffassung – also als allererstes der Vernunft und nicht irgendeinem widersinnigen Gebot.
Noch ein Wort zur Konstellation auf dem Symposium. Gemessen an der Gesamtheit der Redner auf dem Symposium kam der Ankaraner Schule, wie Serdar in seinem Kommentar beschreibt, tatsächlich nur ein geringer Anteil zu. Wenn jedoch Vertreter “anderer” muslimischer Theologien völlig fehlen, sich Kritische Stimmen auch nur wieder auf die Ankaraner Schule beziehen, dann muss man sich die Kritik der Einseitigkeit gefallen lassen.
Politische Dimensionen der Lehrer- und Imamausbildung in Deutschland
Eine vom Symposium unabhängige andere Frage ist natürlich nun, welche Akzeptanz solche Positionen unter Muslimen in Deutschland finden werden und inwieweit der Durchschnittsmuslim mit der Religionslehrer-, Theologen- und Imamausbildung “einverstanden” sein muss, bzw. inwieweit diese Ausbildung auch den Mainstream an Überzeugungen in sich beinhalten und selber auch vertreten sollte. Ich persönlich bin der Meinung, dass – unabhängig von irgendeiner wie auch immer gearteten Traditionalität oder Progressivität – es wenig Sinn macht Lehrstühle mit Exoten zu besetzen, die dann wiederum aufgrund dieser Eigenschaft auf Ablehnung stoßen. Ich denke übrigens nicht, dass dies seitens der Politik beabsichtigt ist (Stichwort “Verschwörung”), sondern einfach nur ein Ergebnis der schlechten Zusammenarbeit zwischen Politik und muslimischen Vertretern ist.
Schlusswort
Anschließend will ich noch auf Serdars geäußerten Wunsch nach gegenseitiger Toleranz eingehen. Ich empfinde die mangelnde Diskussionkultur in Bezug auf Differenzen unter Muslimen auch als unerträglich. Ich denke allerdings nicht, dass es in diesem Fall wirklich um Toleranz der “Traditionalisten” gegenüber den “Progressiven”4 geht, sondern darum, ob eine Behauptung auch unter Bezugnahme auf wissenschaftliche Methoden aufrechterhalten werden kann bzw. ob sie sich überhaupt diese Mühe macht. Dabei geht es nicht um Bekenntnisse zu irgendeiner Art von Glauben, sondern ganz einfach um methodische Korrektheit im Umgang mit Texten.
Zudem wird diese Forderung nach Toleranz oft missbraucht, um gar nicht erst auf sich aufwerfende Fragen eingehen zu müssen und vor allen Dingen von der eigenen Intoleranz gegenüber abweichenden Meinungen abzulenken. Ich weiß, dass Serdar das nicht so gemeint hat, sondern auf tatsächliche Erfahrungen anspielt, möchte aber dennoch darauf hinweisen.
Artikel in der IZ zur Frankfurter Tagung
Ich habe vor kurzem einen Artikel für die Islamische Zeitung geschrieben, in dem ich meine Eindrück der Frankfurter Tagung zum Thema “Koranwissenschaften heute – Genese, Exegese, Hermeneutik, Ästhetik” schildere. Inzwischen gibt es einige Rückmeldungen zu dem Artikel, die ich gerne kommentieren möchte… Nur nicht mehr heute! Insha Allah bald mehr dazu.
Nach Luxenberg: Ohlig über den frühen Islam
Nur auf die Schnelle eine Leseempfehlung zu einer grade auf Qantara erschienenen Rezension zu dem neuen Sammelband von Karl-Heinz Ohlig “Der frühe Islam” von Daniel Birnstiel:
Der gestellten Forderung, Licht in die dunklen Anfänge des Islam zu bringen, kommt das besprochene Buch somit nicht nach.Die durchaus berechtigte Kritik einer bisherigen Quellen(ver)lesung v.a. zeitgenössischer christlicher Schriftsteller im Sinne der islamischen Tradition erweist sich als Farce angesichts der von den Autoren mindestens ebenso wenig neutralen Verwendung der Quellen und deren (Ver)Lesung im Sinne der eigenen Theorien. Der “erwählte” oder “gelobte” muhammad-Jesus bleibt einstweilen ein weit verfehlter Gegenstand revisionistischen Begehrens.
