Frauen und männliche Koranexegese

Die folgende Sendung ist aus dem vergangenen Jahr und leider nur auf arabisch zu konsumieren, ich will sie hier trotzdem teilen. Die marokkanische Kroanwissenschaftlerin Farida Zumurrud gibt in der Sendung al-Sharia wa’l-hayat auf dem Sender al-Jazeera ein langes Interview zu männlicher Koraninterpretation und der damit verbundenen Problematik, möglichen Lösungsansätzen und Frauen im Koran.

Hier geht es zu einem vollständigen Transkript des Interviews.

Neue Zeitschrift für muslimische Debattenkultur erscheint

Die neue Zeitschrift “Horizonte. Zeitschrift für muslimische Debattenkultur” ist im Handel und kann im Buchhandel oder direkt beim Kalam Verlag bestellt werden. Hier geht es zur Facebookseite der Zeitschrift, hier zum Verlag.

Horizonte – Zeitschrift für muslimische Debattenkultur möchte im Diskurs über die Religion des Islam aus theologischer, aber auch anderen wissenschaftlichen Perspektiven intellektuelle, kreative und innovative Denkimpulse geben. Neben theologischen Fragen sollen Diskussionsbeiträge genereller Art zur islamischen Religion publiziert werden. Geplant sind Themen wie Reformislam, feministischer Islam, Sufismus, Islam und Ökonomie oder auch Islam in der Psychotherapie; somit soll der Fokus auf bisher nicht behandelte oder kaum bekannte Ansätze liegen.
Die Zeitschrift soll keine akademisch-wissenschaftliche Publikation sein, sich aber auf inhaltlich sehr hohem Niveau bewegen: Damit richtet sie sich nicht nur an Islamwissenschaftler, Theologen und Geisteswissenschaftler, sondern an ein möglichst breites Publikum, das Interesse an fundierten und kritischen Aufsätzen zum Islam hat. Vor allem unabhängige junge und innovative Autoren und Wissenschaftler sollen die Möglichkeit zur Publikation ihrer Thesen und Beiträge bekommen. Fundierte Beiträge aus anderen Sprachen können durch eine Übersetzung der Leserschaft zugänglich gemacht werden.

Symposium der Islamwissenschaft und Arabistik

Eine gute Idee hatten Studierende der Uni Münster. Unter dem Titel “Iftah ya Simsim – Eine Tür zum modernen Orient?” organisieren sie ein Symposium für andere Studierende des Faches. Die Tagung so vom 30.04.09 bis zum 03.05.09 stattfinden.

Dadurch wollen wir insbesondere eine Plattform für Studierende schaffen, die ihre Haus- und Abschlussarbeiten nicht einfach nur in der Schublade verschwinden lassen wollen, sondern einem interessierten Publikum vorstellen möchten. Des Weiteren wird die Gelegenheit geboten, sich über Studienbedingungen, Auslandsaufenthalte und Masterstudiengänge auszutauschen. Ziel ist nicht nur ein einmaliges Symposium, sondern auch den Grundstein für zukünftige Symposien zu legen.

Via Gedankensplitter.

Handschriften

Vor kurzem empfahl mir eine Freundin, doch mal die Seiten der Datenbank für arabische Papyri der Universität Zürich zu besuchen. Dort werden arabische Papyri aus dem ersten bis zum zehnten Jahrhundert Hijri online archiviert und sind für jedermann anzusehen. Bei den Dokumenten handelt es sich um Protokolle, Eheverträge, Steuerbescheide, Schenkungsschreiben, private Briefe usw. Die Papyri sind nach ganz unterschiedlichen Parametern durchsuchbar und sind auch teilweise übersetzt. Einfach spannend, einen einfachen Zugriff auf so frühe Dokumente islamischer Kultur-, Rechts- und Sozialgeschichte zu bekommen.

Das beste kommt aber noch: ein weiteres Projekt der Uni Zürich ist die Schule für arabische Papyri. Die dortigen Wissenschaftler haben sich tatsächlich die Mühe gegeben, einen online-Kurs zu entwerfen, in dem man lernen kann, arabische Papyri aus den unterschiedlichen Jahrhunderten lesen zu lernen. Zunächst erhält man eine theoretische Einführung zu Zustand, Konservierung und Editierung von arabischen Papyri. Im Lehrgang selbst wird anhand sieben verschiedener Papyri zunächst das Lesen geschult und noch zusätzlich Vokabeln abgefragt, Redewendungen gelernt und Verständnisfragen zum entzifferten Text gestellt. Wenn man sich dort als Nutzer registriert, werden alle Fortschritte, die man gemacht hat gespeichert, so dass man jederzeit wieder an dem Punkt ansetzen kann, an dem man aufgehört hat. Ich selbst bin ganz begeistert von dem Programm und setze mich immer mal wieder daran. Es ist zwar nicht ganz einfach, macht aber unheimlich Spaß! Man kann sogar ein offizielles Zertifikat der Uni Zürich bekommen, wenn man alle sieben Handschriften entziffert hat.

Vokabellernen mit Karteikarten

Ich lerne Vokabeln seit einem Spanischkurs an der Uni mit Karteikarten. Ich finde dieses Methode bis jetzt die beste. Gestern habe ich den Internetdienst vokker.net entdeckt. Dort kann man mit virtuellen Karteikarten Vokabeln aus vielen verschiedenen Sprachen lernen (auch Arabisch ist vorhanden), selber Vokabellisten anfertigen, die Listen anderer Nutzer verwenden und bei Bedarf auch Karteikarten ausdrucken.

Vom Suchen und Finden arabischsprachiger Literatur im Netz

Auf der Suche nach bestimmten Tafsiren im Original wird man in den Weiten des Internets recht gut fündig. Ein sehr gutes Instrument für die Suche ist der Suchdienst Yamli. Am besten man probiert es einfach mal aus. Der Vorteil hier ist, dass man für eine arabischsprachige Suche nicht immer mehr das Tastaturlayout wechseln muss. Man umschreibt den gesuchten Begriff einfach in lateinischen Buchstaben und Yamli gibt dann mehrere Varianten in Arabisch vor. Auf diese Weise habe ich recht schnell den Tafsir von Aisha Abd ar-Rahman alias Bint as-Shati gefunden.1 Meines Wissens ist dies einer der ganz wenigen Korankommentare auf arabisch, die von einer Frau verfasst wurden.2

Eine reiche Quelle (nicht nur) für arabische Bücher in elektronischer Form ist archive.org. Dieser Dienst archiviert nicht nur alle Internetseiten sondern auch lizenzfreie Texte. So bin ich hier bei meiner Such nach einer Reihe von Tafsiren fündig geworden: der bekannte moderne Tafsir von Ibn Ashur in 15 Bänden mit dem Titel “at-Tahrir wa-t-Tanwir”3, der Tafsir al-Manar von Muhammad Abduh4 oder aber der Tafsir von Jalal ad-Din as-Suyuti namens “ad-Durr al-manthur fi-t-tafsir bi-l-ma’thur” aus dem 15. Jahrhundert. Weiterhin findet man dort auch orientalistische Werke wie die “Geschichte des Qorans” von Theodor Nöldeke aus dem Jahre 1860 oder islamische Klassiker wie das berühmte Geschichtswerk Ibn Jarir at-Tabaris in persischer Sprache.

Fußnoten
  1. Er hat den Titel “Tafsir al-Bayani lil-Qur’an al-Karim”. []
  2. Vielleicht der einzige? Ein anderer Korankommentar, der immer mal wieder in der Literatur genannt wird, den ich aber bis jetzt nicht gefunden habe, ist der von Zaynab al-Ghazali. []
  3. Das könnte man mit “Befreiung und Erleuchtung” übersetzen. []
  4. Umstrittener Großmufti von Ägypten von 1899 bis 1905. []

Arabische Verben für Faule

Sehr bequem ist dieser automatische Verbkonjugator auf den ich grade über einen Mailverteiler aufmerksam wurde. Laut Aussage des Softwareautoren lassen sich fast alle regelmäßigen und einige seltene unregelmäßige Verben konjugieren. Genau das richtige für Leute die keine Lust aufs Auswendiglernen haben – was natürlich nicht heißt, dass sich dies durch das Programm ersetzen lassen könnte.

Interview über islamischen Feminismus

Es ist schon etwas her, dass ich meine Magisterarbeit geschrieben habe. Dennoch habe ich es nie geschafft (bis auf einen kleinen Text zu weiblichen Gelehrten), etwas zu dem darin bearbeiteten Thema auf musafira.de zu veröffentlichen. Der Titel meiner Arbeit lautete “Islamischer Feminismus in Ägypten am Beispiel Omaima Abou-Bakrs” und sagt auch eigentlich schon alles über den Inhalt. Zu diesem Zweck hatte ich damals besagte Wissenschaftlerin in Kairo interviewt und ihre relevanten Texte analysiert.

Dem Begriff “Islamischer Feminismus” gegenüber bin ich nach wie vor kritisch eingestellt1, dennoch hat mich die Arbeit mit den Konzepten und der Forschung von Omaima Abou-Bakr inspiriert und mir Horizonte eröffnet. Außerdem ist sie jemand, mit deren Ideen ich mich stark identifizieren konnte und noch immer kann.

Vor ein paar Monaten hatte ich ihr ein paar Fragen zu ihrer Forschung und dem Thema “Islamischer Feminismus” im Allgemeinen geschickt, die sie mir vor kurzem beantwortet hat und freundlicherweise zur Veröffentlichung auf diesen Seiten freigegeben hat. Die Kommunikation fand auf englisch statt, weswegen ich in den letzten Tagen eine Übersetzung angefertigt habe. Beide Texte sind nun mit Einleitung und Literaturverzeichnis auf musafira.de zu lesen.

Zum deutschen Interview: Interview mit Omaima Abou-Bakr über Wissenschaft, islamischen Feminismus und Geschichte.

Zur englischen Version:
Interview with Omaima Abou-Bakr on science, islamic feminism and history.

Fußnoten
  1. Dazu vielleicht an anderer Stelle mehr []

Arabisch lernen im Jemen

Über meinen Uni Verteiler bekam ich grade eine Infomail einer Sprachschule in Sana’a, Jemen. Die Schule nennt sich “Saba Institute”. Ich habe kurz die Seite des Instituts überflogen und Ausbildung der Lehrer, Unterrichtsangebot, Preise und Unterkunft machen einen sehr soliden Eindruck.

Kurz verlinkt: Kommentar zur Diskussion um Kalisch

Im Spiegel gibt es heute ein ausführliches Interview mit Michael Marx (Corpus Coranicum). Anlass ist die Diskussion um den Münsteraner Professor Kalisch, der mit seiner Einstellung zur Natur des Propheten Muhammad für Wirbel gesorgt hatte. Im Mittelpunkt steht dabei die Aussage es entspräche dem derzeitigen Forschungsstand innerhalb der Islamwissenschaft, begründete Zweifel an der Existenz des Propheten zu haben.

Ich verfolge diese Diskussion schon etwas länger, Kalisch ist ja auch nicht der einzige der Aussagen in der Art tätigt. Das Novum ist bei ihm nur, dass es sich hier um einen bekennenden Muslim handelt. Was mir bei diesen Behauptungen besonders aufstößt ist allerdings nicht der offensichtliche Widerspruch zu muslimischen Grundüberzeugungen. Was mich am meisten verwundert ist, dass diese Behauptung nur dann als Ergebnis einer Forschung postuliert werden könnte, wenn überhaupt eine Forschung stattgefunden hat. Eigentlich ganz simpel. Das ist aber innerhalb der Islamwissenschaft noch gar nicht in ausreichendem Ausmaß passiert.1 Das Projekt in Potsdam setzt an dieser Stelle an:

Wir am Corpus Coranicum versuchen, erst einmal Grundlagenforschung zu treiben, bevor man mit Supertheorien kommt.

Interessant ist, dass Michael Marx die mündlichen Aussagen Kalischs qualitativ auf dieselbe Stufe einordnet wie die Arbeiten Ohligs und sie als außer-wissenschaftlich empfindet – weil widersprüchlich und argumentativ lückenhaft.

Marx: Es gilt, vorsichtig zu sein. Für die Geschichte generell kann man keine naturwissenschaftlichen Beweise anführen. Wie wollen Sie die Existenz von Karl dem Großen beweisen? Wir können keine Experimente durchführen, wir müssen mit Evidenzen arbeiten. Und ein Evidenzstrang in dieser Frage ist der Koran. Hier ist die Evidenzlage so gut wie bei keiner anderen Religion. Wir kennen Koranhandschriften und islamische Inschriften schon ab 40 bis 50 Jahre nach dem Tode des Propheten. Der Koran wäre extrem erklärungsbedürftig, wenn man den Propheten rausrechnet. Ohlig behauptet, der Islam sei bis in die Ommajadenzeit, also bis ins 9. Jahrhundert, im Wesentlichen eine christliche Sekte gewesen. In dem Fall aber habe ich das massive Problem, dass der Text des Koran dazu nicht passt. Wieso ist dann die Christusfigur im Koran nicht zentraler? Abraham, Moses und Noah werden viel häufiger genannt.

Insgesamt kann ich nur empfehlen, das gesamte Interview zu lesen, da dadurch die wissenschaftlichen Dimensionen der Diskussion dem Außenseiter klarer werden.

Fußnoten
  1. Was einfach an der schieren Masse der zu bearbeitenden Texte/Dokumente liegt. []
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