Kopftuchverbot verletzt Menschenrechte…
Aufgrund von Zeitmangel hier nur ein Link zur Studie (basierend auf Gesprächen mit gut 30 verhinderten Lehrerinnen in Deutschland) von Human Rights Watch: Diskriminierung im Namen der Neutralität von Haleh Chahrokh.
Hier noch ein guter Kommentare zu dem Bericht “Kopftuchverbot für Lehrerinnen:
Glaube oder Beruf? Beides!” von Claudia Kirsch. (Überraschenderweise aus der Brigitte).
Der erste Tafsir (Korankommentar) von einer Frau
Kariman Hamzah – eine ehemalige Fernsehmoderatorin aus Ägypten – hat einen Korankommentar geschrieben. In vielen Medienmeldungen wird dieser Tafsir als der erste, der von einer Frau geschrieben wurde, bezeichnet. Das stimmt so nicht, ich hatte ja vor ein paar Tagen schonmal das Thema gestreicht – mir sind mindesten zwei Frauen bekannt, die einen (in einem Fall kompletten) arabischen Korankommentar verfasst haben. Dies einmal abgesehen von den zahlreichen Interpretationen zu kleineren Abschnitten des Qurans in arabisch und vielen Sprachen, die von Fauen zu allen Zeiten unternommen wurden.
Kariman Hamza ist allerdings die erste Frau, dessen Tafsir mit dem Titel “Der deutliche Korankommentar für Kinder und Jugendliche”1 von der al-Azhar Universtät genehmigt wurde.
Mit Dank an Muslimah Media Watch.
Neue Internetseite muslimischer Frauen

Zusammen mit zwei anderen muslimischen Frauen arbeite ich schon seit einigen Monaten an einer neuen Webpräsenz . Zusammen mit Nina Mühe und Silvia Horsch haben wir jetzt die Seite Nafisa.de ins Leben gerufen auf der wir den Diskurs über muslimische Frauen kritisch betrachten wollen. Aus dem Klappentext:
Wir – das sind drei muslimische Frauen und Wissenschaftlerinnen – beschäftigen uns aus persönlichen und beruflichen Gründen intensiv mit den Themenbereichen “Frau”, “Geschlecht”, “Islam” in einer pluralistischen Gesellschaft. Mit nafisa wollen wir über unsere Arbeit, Ansichten und Ergebnisse informieren. Dabei verfolgen wir zwei Ziele: Erstens möchten wir uns am gesellschaftlichen Diskurs über den Islam und muslimische Frauen beteiligen. Schon oft haben wir uns an einseitigen Debatten und tendenziöser Berichterstattung zu einer Reihe von Themen gestört und wollen deshalb unsere Sicht der Dinge in die Diskussion bringen.
Wir hoffen damit auf Interesse zu stoßen!
Interview über islamischen Feminismus
Es ist schon etwas her, dass ich meine Magisterarbeit geschrieben habe. Dennoch habe ich es nie geschafft (bis auf einen kleinen Text zu weiblichen Gelehrten), etwas zu dem darin bearbeiteten Thema auf musafira.de zu veröffentlichen. Der Titel meiner Arbeit lautete “Islamischer Feminismus in Ägypten am Beispiel Omaima Abou-Bakrs” und sagt auch eigentlich schon alles über den Inhalt. Zu diesem Zweck hatte ich damals besagte Wissenschaftlerin in Kairo interviewt und ihre relevanten Texte analysiert.
Dem Begriff “Islamischer Feminismus” gegenüber bin ich nach wie vor kritisch eingestellt1, dennoch hat mich die Arbeit mit den Konzepten und der Forschung von Omaima Abou-Bakr inspiriert und mir Horizonte eröffnet. Außerdem ist sie jemand, mit deren Ideen ich mich stark identifizieren konnte und noch immer kann.
Vor ein paar Monaten hatte ich ihr ein paar Fragen zu ihrer Forschung und dem Thema “Islamischer Feminismus” im Allgemeinen geschickt, die sie mir vor kurzem beantwortet hat und freundlicherweise zur Veröffentlichung auf diesen Seiten freigegeben hat. Die Kommunikation fand auf englisch statt, weswegen ich in den letzten Tagen eine Übersetzung angefertigt habe. Beide Texte sind nun mit Einleitung und Literaturverzeichnis auf musafira.de zu lesen.
Zum deutschen Interview: Interview mit Omaima Abou-Bakr über Wissenschaft, islamischen Feminismus und Geschichte.
Zur englischen Version:
Interview with Omaima Abou-Bakr on science, islamic feminism and history.
Kurz verlinkt: Wie schön es ist, eine muslimische Frau zu sein…
Mohja Kahf hat einen sehr lesenswerten Artikel mit dem Titel “Spare Me the Sermon On Muslim Women” in der Washington Post verfasst.
Scharia in westlichen Gesellschaften
Die Debatte um eine Anwendung der Scharia auch im Westen erhitzt die Gemüter immer wieder. Sei es aufgrund der verzerrten Wahrnehmung eines Vorschlags des Bischofs von Canterbury, oder weil der bosnische Mufti wagte, das Unwort in einem Artikel zu benutzen. Auf eine interessante Studie, die sich mit der Praxis in westlichen Gesellschaften (hier Kanada und die USA) beschäftigt, bin ich heute gestoßen. Ganz unhysterisch und aus einer rechtswissenschaftlichen Perspektive untersucht nun eine Forscherin in Nordamerika – gefördert vom Social Science and Humanities Council of Canada – das Phänomen “islamische Scheidung”. Das laufende Projekt geht also den Fragen nach, warum manche Muslime zusätzlich zum zivilrechtlichen Weg in Eheangelegenheiten religiöse Beratschlagung und Regelung in Anspruch nehmen, warum dies eine Bedeutung für sie hat, welche Rolle Imame in diesem Prozess spielen, inwieweit islam-rechtliche Prinzipien in diesem Prozess zur Anwendung kommen und inwieweit Moscheen eine Rolle spielen im Bereich der Konfliktlösung zwischen Ehepartnern. Das Projekt hat eine Internetseite, die man unter www.islamicdivorce.org erreichen kann.
Körting sieht wenig Zukunft für das Kopftuchgesetz
Hatte ich ganz vergessen zu bloggen…
Auf der Islam-Woche, die vor ein paar Wochen in Berlin war, gab es eine Podiumsdiskussion auf der Günter Piening (Beauftragter für Integration und Migration, Die Grünen), Ehrhart Körting (Berliner Innensenator, SPD), Oğuz Üçüncü (Generalsekretär der IGMG) und Amir Zaidan (Direktor des IRPI in Wien) zum Thema “Wie loyal sind Muslime zu unserer Gesellschaft?” Die war ziemlich interessant und ergebnisreich, zumal man eine solche Konstellation ja nicht alle Tage zu sehen bekommt.

Quelle: Lebe deinen Traum von Maharepa
Ehrhart Körting machte zum wiederholten Male optimistische Äußerungen zum Thema Kopftuchgesetz. In Berlin ist es so, dass das Kopftuch und Symbole von anderen Religionen nicht sichtbar im öffentlichen Dienst getragen werden dürfen. Das hört sich zunächst einmal besser an als die Gesetzgebungen in anderen Ländern, in denen das Kopftuch eine gesonderte Position unter den religiösen Symbolen innehat und oft als einziges im Staatsdienst verboten ist. In Berlin bezieht sich das Verbot aber auf den gesamten öffentlichen Dienst und wird zudem noch in den einzelnen Bezirken höchst unterschiedlich ausgelegt. So kann es sein, dass eine Studentin mit Kopftuch im Quartiersmanagment Neukölln keine Chance auf ein Praktikum hat, in Kreuzberg aber schon.
„Es ist unerträglich, dass jemand, der kein Kopftuch trägt, beschimpft wird“, sagt Körting. „Und genauso wenig gibt es einen Freibrief, Kopftuchträgerinnen zu diskriminieren.“ Doch diese Erfahrung machen viele unter den 200 000 in Berlin lebenden Muslimen. „Frauen, die Kopftuch tragen, werden oft benachteiligt. Arbeitgeber in der Privatwirtschaft lehnen sie ab, obwohl es eine Religionsfreiheit gibt“, sagt Sabine Kroker-Stille, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Landes Berlin.
Ganz zu schweigen von der Signalwirkung des Gesetzes auf andere Bereiche der Wirtschaft, so dass es schon zur Normalität gehört, dass Frauen aufgrund ihres Kopftuches und trotz (teils hervorragender) Qualifikation nicht als Krankenschwestern, Ärztinnen, Kosmetikerinnen, Schneiderinnen, Rechtsanwaltsgehilfinnen oder auch als Küchenhilfe bei MacDonalds arbeiten dürfen.
Umso hoffnungsvoller stimmt wenn heute einer der größten Befürworter der Regelung im Jahr 2003, die Lage heute anders bewertet:
„Ob es auf Dauer bei einer solchen Regelung bleibt, halte ich für unwahrscheinlich“, sagte Innensenator Ehrhart Körting (SPD).
NuN – Zeitschrift für muslimische Kultur
In der neuesten Ausgabe der Nun-Zeitschrift wurde ein Artikel von mir veröffentlicht. Es handelt sich dabei um eine gekürzte Version des Vortrages über weibliche islamische Gelehrte, den ich bei der IHV in Köln gehalten habe.
Fatwa zum Thema Frauen als Staatschefs und Richter
Mohammad Akram: Vortrag über weibliche Hadith Gelehrte
ch bin heute auf einen interessanten Artikel von Allama Muhammad Akram Nadwi’ gestoßen. Dr. Mohammad Akram ist der Autor eines 40-bändigen Werkes über weibliche Hadithgelehrte (Muhaddithat) in arabischer Sprache. In diesem Lexikon hat er biographische Daten von 8000 weiblichen Gelehrten vom ersten bis zum 15. Jahrhundert islamischer Zeitrechnung (also bis zur Gegenwart) gesammelt. Der Autor deckt auch eine weite geographische Spanne ab, so dass sich sogar (obgleich wenige) Informationen zu weiblichen Hadithgelehrten aus Südostasien und China finden.
Der Artikel ist wirklich lesenswert: es gibt einige interessante Informationen zu bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten islamischer Geschichte, an die man sonst nicht so ohne weiteres herankommt. Außerdem kommt der Autor zu spannenden Schlussfolgerungen.
So sagt er z.B., dass die Überlieferung von Hadithen durch Frauen meist zuverlässiger war als die durch Männer:
It is well-known that a good number of male narrators of hadith have been accused of inaccurate reporting and some even of fabrication. No woman hadith scholar has ever been accused of such wrongs and weaknesses. Imam Dhahab comments on this point by declaring that he knew of no women who had been accused of any willed or unwilled aberrance from the strict standards of the scholarly tradition.
Schön finde ich auch, wie Dr. Akram betont, dass das Erlangen und Lehren von Wissen und Wissenschaften eine Pflicht (nicht nur ein Recht) für das Individuum darstellt – und zwar unabhängig von seinem Geschlecht. Eine islamische Gesellschaft müsse es also Frauen wie Männern ermöglichen, diesen Bereich ihrer individuellen Verpflichtung Gott gegenüber zu verwirklichen. Eine Beschränkung von Frauen im wissenschaftlichen Bereich verurteilt er scharf:
To restrict educational scope for girls to what trains them to serve in house and home is to deny their right to learn (and then teach) what is needed for the full realization of their potential as worshipping servants of their Creator. To do so is to limit the cultural space ahead of them, to make the earth around them narrower, to draw down the horizons above them. Then, if such restriction is carried too far, it is no great exaggeration to liken it to a sort of burying alive. The burying alive of infant girls was a terrible practice of the Arab Jahiliyyah, the period of Ignorance before Islam. And the Qur’an (al-Takwir, 81: 8–9) warns of the Day when the victims of that crime will cry out to God for justice – the day when the infant buried alive shall ask for what sin she was killed.
