Kreuzberger Eindrücke
Frauenschwimmen oder “Schwestern, schwimmt doch grade!”
Es gibt ja mittlerweile in vielen Schwimmbädern Zeiten, die für Frauen reserviert sind. Ich nutze diesen Service gerne, war nur in den unterschiedlichen Bädern meistens frustriert bzw. belustigt. Hier meine Beobachtungen:
- Ich habe das Gefühl, dass es für manche eher als Picknick als zur sportlichen Betätigung dient. Da wird dann der Tee und das leckere Käsegebäck ausgepackt und so macht man es sich dann in Gruppen von 10 oder mehr Frauen so richtig am Rand gemütlich. Das soll wohl gute alte Hamamtradition sein, wie ich mir von einer Insiderin erklären ließ. Gut, das stört mich auch nicht, so lange ich in Ruhe auf einer Bahn hin und her schwimmen kann. Aaaaaaber…
- Es gibt da noch die Angewohnheit, nicht längs der Bahn entlang zu schwimmen, sondern quer oder wahlweise auch von einer Ecke zur anderen. Manchmal trifft man dann auch eine oder gleich mehrere Freundinnen auf dem Weg, woraufhin man sich dann mitten im Becken über wichtige Dinge austauschen muss und sich dabei köstlich amüsiert. Das treibt mich dann endgültig in den Wahnsinn, weil ich dann andauernd anhalten muss und gar nicht richtig zum schwimmen komme. Zum Glück gibt es Bademeisterinnen!
Fahrradfahren…
… hat eine besonders irritierende Wirkung auf Mitmenschen wenn man dazu ein Kopftuch trägt. So wie scheinbar alles, außer Alditüten schleppen und Fenster putzen. Die Reaktionen sind auch oft für mich irritierend, z.B. wenn jemand meint, mich ermutigen zu müssen und anerkennend bis bewundernd sagt: “Find ich echt ganz toll, du fährst ja Fahrrad!”, oder wenn ein schwäbischer Tourist am Brandenburger Tor ganz aufgeregt seine Frau dazu auffordert, doch ganz schnell ein Foto von diesem außergewöhnlichen Ereignis (ich auf Fahrrad) zu schießen.
Überhaupt Touristen: fast vom Sattel gehauen hat mich mal eine Gruppe süddeutscher Touristen, denen ich eines sommerlichen Tages auf dem Weg durch den Tiergarten begegnete. Sie (ungefähr 5 Frauen und Männer mittleren Alters) winkten mir zunächst freudig entgegen, als ich näher kam rief mir dann einer von ihnen – unter schallendem Lachen seiner Begleiter – zu: “Allahu akbar!”
Verwirrungen
Eines schönen Tages spazierte ich durch einen südlichen Stadtteil Berlins, in dem ich mich nicht gut auskannte. Ich war bei Freunden zum Essen eingeladen und kannte die Gegend nicht. Also fragte ich einen Mann mittleren Alters, der grade in seinem Vorgarten die Hecke schnitt, nach dem Weg. Der Weg war schnell erklärt, aber:
Er: “Was ich Sie mal fragen wollte… Also, von welchem Orden kommen Sie eigentlich?”
Ich: (Nach kurzer Verwirrung) “Ähh, dem islamischen.”
Er: (nickt nachdenklich) “Achso.”
Nach einer kurzen Pause schaut er mich mit zusammengekniffenen Augen – noch immer nachdenklich – an und fragt:
“Übergetreten was?”
Neue Kategorie: Absurditäten aus meinem Alltag
Seitdem ich als Muslima erkennbar bin passieren mir allerlei Dinge, die ich nie erwartet hätte. Manchmal sind es lustige Begegnungen, manchmal ärgerliche, manchmal traurige, oft verletzende. Immer komme ich mir jedoch vor wie vom Mars: “Wo bin ich hier gelandet und was wollen mir all diese komischen Leute eigentlich sagen?” Heute war es wieder soweit, was mich zur Eröffnung meiner neuesten Kategorie auf diesem Blog veranlasste. Vorsicht lieber Leser: Ich habe noch einige Geschichten aus meiner Vergangenheit aufzuarbeiten und rechne auch mit immer wieder neuen Anekdoten, so dass mir der Stoff so schnell nicht ausgehen wird!
Also heute war es mal wieder soweit und traf mich – wie so oft – völlig unvorbereitet. Da es heute sehr warm war, ging ich zur Tankstelle um die Ecke, um mir ein leckeres Eis zu holen. Das Eis war schnell ausgesucht, die Schlange vor der Kasse lang. Noch in der Schlange drängelte sich ein Halbwüchsiger mit Bravo in der Hand vor und in halb wehmütiger halb belustigter Erinnerung an meine eigene Jugendzeit ließ ich ihn gewähren. Als ich endlich an der Reihe war fragte mich die Kassiererin:
“Haben Sie getankt?”
Ich dazu “Nein”
Und nun kommt der Teenie von eben wieder ins Spiel, der noch die ganze Zeit neben mir stand:
(kichernd) “Die sieht ja auch nicht aus als ob sie ein Auto hätte.”
Ich: “???”
Teenie: “Naja, so Leute mit Tuch, die haben ja keine Autos.”
Ich (nicht glaubend, dass ich mich auf dieses Gespräch einlasse): “Ich hab aber eins.”
Teenie: “Nein, aber meistens haben die doch keins.” (Man bemerke, dass er zwar die ganze Zeit mich ansprach, aber immer von ominösen Dritten sprach, damit aber mich meinte. Übrigens Standard, was man an noch folgenden Geschichten sehen wird.)
Wir waren mittlerweile auf dem Weg nach draußen und ich wollte eigentlich noch etwas sagen, aber der Junge fing dann auf einmal an zu rennen und haute ganz schnell ab. Es war ihm wohl peinlich.

Bildnachweis: Hijab-a-scooter von aymanshamma
In meine abgenutzten Hände, Herr
Ich liebe es, in Antiquariaten zu stöbern. Eine Sache, die mich dabei besonders reizt, ist zu sehen was Menschen so alles mit ihren Büchern anstellen. Da finden sich liebevolle Widmungen und manchmal auch Bleistiftanmerkungen an den Rändern. Ich habe z.B. ein Buch, das dem Vorbesitzer wohl gar nicht gefallen hat. Man findet an den Rändern Anmerkungen, die auf einen intensiven inneren Dialog mit dem Autor hinweisen, wie z.B.: “So einfach war das nicht, mein Herr”; “Kleingeist!”; “Aha, wieso nicht?”; “Linguistenidiot”; “Hier vergisst er sich”; “Kotz!” usw. auf vielen Seiten des Buches. Es war ein riesiges Vergnügen für mich, dieses Buch zu lesen.

Foto: psilver
In einem anderen Buch mit den Namen “Der Rosengarten” entdeckte ich zuhause viele wunderbar duftende Rosenblätter, die der Vorbesitzer zum Trocknen dort ablegte.
Aber eigentlich wollte ich ja nur meinen heutigen Fund mit der Welt da draußen teilen. Ich habe nämlich einen Papierschnipsel mit einem ganz schönen Gedicht von Rainer Maria in einem kürzlich antiquarisch erworbenem Buch gefunden:
In meine abgenutzten Hände, Herr:
wie darf ich meine schwere Seele nehmen
in meine abgenutzten Hände, Herr?
Vielleicht sind jene Stellen grad noch rein,
an denen ich im Heben sie berühre:
vielleicht sind jene Stellen grad noch rein.
Un dann: erheb ich sie, mein Gott, wer weiß.
Nimmst du sie ab, wenn ich sie aufwärts halte,
so lange und so hoch ich halten kann:
Nimmst du sie ab, wenn ich sie aufwärts halte?
Endlich Winter!
Auch bei uns… Innerhalb von 2 Stunden ist alles zugeschneit und auf der Straße kann man sich Schneeballschlachten mit 4-Jährigen liefern. So macht mir der Winter Spaß.
Frauenabteilung
Ich bin heute auf den überaus interessanten Blog einer kanadischen Muslima namens Safiyya gestoßen. Wirklich lesenswert, ich bin auch schon eine Weile damit beschäftigt
Ein für mich schockierender, aber leider durch eigene Erfahrungen bestätigter, Beitrag dokumentiert in Bildern den Unterschied zwischen den Gebetsplätzen für Männer und Frauen in einer saudischen Moschee. Bevor ich loslege, muss ich der Fairness halber sagen, dass in manchen Ländern Moscheen nicht häufig von Frauen genutzt werden (aus umstrittenen Gründen, die hier aber nicht das Thema sein sollen) und es deswegen meist keine oder nur sehr kleine Räume/Abteilungen für Frauen gibt, die zudem auch oft vernachlässigt werden.
Trotzdem ist es unverständlich, dass ein Frauengebetsraum, wenn schon vorhanden, hässlicher und/oder einfacher sein muss als der der Männer. Dies habe ich leider des Öfteren erlebt und habe das nie verstanden. In einer sehr neuen, schönen Moschee in Kairo war es sogar so, dass es zwar einen riesigen Raum für Frauen gab, der auch von sehr vielen Frauen genutzt wurde. Generell werden die Moscheen in Kairo sehr stark von Frauen genutzt, vermehrt in den letzten zehn Jahren. Leider war der Raum sehr schwer zugänglich (viele Treppen bis in das zweite Stockwerk), was für Behinderte und Ältere ein Problem darstellt. Besonders auffällig und für mich deprimierend war dann aber der qualitative und ästhetische Unterschied der Inneneinrichtung dieses Raumes im Vergleich zur Männerabteilung auf der unteren Ebene. Die Teppiche der Frauen waren grau und unscheinbar, die der Männer reich verziert (man konnte durch ein kleines Fenster heruntergucken), die Frauen beteten vor kahlen weißen Wänden, die Wände der Männerabteilung waren mit schönen Kalligrafien oder aufwändigen Holzschnitzereien verziert. In dieser Moschee konnte man von purer Absicht ausgehen, weil sie sehr neu war und genauso konzipiert war. Der Frauenraum wurde also nicht erst im Nachhinein eingerichtet. Ich verstehe so etwas einfach nicht!
Ich habe dann auch nach Möglichkeit nicht mehr dort gebetet, da es mir zu sehr auf Gemüt schlug und die Trennung in anderen Moscheen netter gelöst ist. Wie z.B. durch eine Trennung im selben Raum durch eine Holzwand oder Ähnliches. Am liebsten habe ich in der Sultan Hassan Moschee gebetet, die ohnehin eines der schönsten und beeindruckendsten Gebäude Kairos ist. Die Frauen beten dort in einem der vier Iwane, gegenüber der Gebetsrichtung. Man kann die Khutba von dort sehr gut verstehen und an dem erhebenden Gefühl eines gemeinschaftlichen Gebets uneingeschränkt teilhaben.

Frauen an der Kaaba
Manchmal kann man einfach nur wütend sein… wie zum Beispiel beim Lesen dieser Nachricht über die neuesten Pläne, Frauen aus dem inneren der Moschee um die Kaaba herum fernzuhalten.
Es ist für jeden Muslim, der die Hajj unternimmt, ein tiefes Bedürfnis, so nah wie nur irgend möglich an der Kaaba zu beten. Das ist aufgrund der Menge der Menschen, die sich während der Hajj Zeit dort aufhalten nicht immer möglich und man muss oft mit einem hinteren Platz Vorlieb nehmen.
Als ich vor zwei Jahren zur Hajj in Mekka war, lief es meistens so, dass die Plätze in der Nähe der Kaaba meisten schon eine Stunde vor dem jeweiligen Gebet besetzt waren. Jedoch umkreisen noch bis kurz vor dem Gebet viele Menschen die Kaaba (tawaf). Das bedeutet, dass jeder an dem Platz betet an dem er sich grade aufhält, wenn der Vorbeter das Gebet anfängt. Es ist zu wenig Zeit und Platz um extra einen anderen Platz zu suchen. So kann es dann passieren, dass Männer und Frauen nebeneinander beten. Durch die Massen an Menschen ist es in den letzten Jahren sehr eng geworden und man hatte deshalb einen Teil des Hofes um die Kaaba extra für Frauen reserviert. Dieser Platz befindet sich in der Nähe der Quelle Zamzam. Das war auch vor zwei Jahren noch so und ich fand die Regelung eigentlich sehr gut. Die Stelle hätte nur noch ein bisschen größer sein können. So konnte man noch Tawaf machen bis das Gebet anfing und dann den wunderschönen Anblick der Kaaba während des Gebets genießen, ohne von einem der lästigen Aufseher behelligt zu werden.
Wenn den Frauen dieser Anblick genommen wird, ist das mehr als eine absolute Unverschämtheit. Wenn es den Befürwortern einer solchen Maßnahme wirklich um die Sicherheit und den Komfort gehen würde, dann hätte man die Probleme, die durch die großen Massen an Pilgern verursacht werden, auch besser berücksichtigen können und müssen als man den Haram-Komplex vor ein paar Jahren so aufwendig renoviert hat.
Ein weiterer Punkt erscheint mir sehr widersprüchlich: Wie gesagt vollziehen hunderte von Pilgern bis zum Anfang des Gebets den Tawaf nahe der Kaaba. Das ist teilweise notwendig, da der Tawaf relativ zeitaufwendig ist und ein Pflichtteil der Hajj darstellt. Dies gilt selbstverständlich für beide Geschlechter, was bedeutet, dass sich immer auch Frauen unter den letzten befinden werden die noch ganz in der Nähe der Kaaba den Tawaf vollziehen. Das heißt aber auch, dass in der Nähe der Kaaba Frauen unter den Betenden sein werden. Wenn man wirklich Männer und Frauen für das Gebet trennen will, müsste man den Frauen ganz verbieten, auf dem Innenhof die Kaaba zu umkreisen. Und das ist meiner Meinung nach ein unmögliches Unterfangen.
Und was heißt überhaupt Sicherheit? Mir sind während meiner ganzen Zeit in der Kaaba keine schlimmen Dinge passiert. Im Gegenteil, es herrscht überwiegend eine sehr ruhige Atmosphäre unter den Pilgern. Und wenn jemand bei dem Gedrängel in der Nähe der Kaaba mal die Geduld verliert, dann sind sofort andere Pilger dabei, denjenigen mit sanften Worten zu beruhigen. Ich konnte beobachten wie rührend sich die Pilger umeinander kümmern. Männer beschützen ihre Ehefrauen vor zu großem Gedrängel mit ihre Armen, sehr alte Leute werden von ihren jüngeren Familienmitgliedern getragen oder im Rollstuhl gefahren. Ich hatte während der Hajj eine heftige Erkältung und war deshalb sehr geschwächt. Eine sehr alte Frau neben mir schien das bemerkt zu haben und griff an einer sehr dichten Stelle meine Hand und führte mich hindurch. Diese Barmherzigkeit werde ich nie vergessen.
Die einzigen, die dort wirklich manchmal stören, sind bestimmte Aufseher. Oft wird auf ziemlich rabiate Weise versucht, Dinge zu verhindern, die nach saudischer Islam-Aufassung einen Regelverstoß darstellen. So ist mir folgendes passiert: Ich war innerhalb einer Gruppe Frauen kurz vor Anfang des Gebets noch in der Nähe der Kaaba. Dies passiert wie schon erwähnt öfters, wenn man sich noch im Tawaf befindet. Wir blieben also zum Gebet stehen, als ein besonders unfreundlicher Aufseher uns wegschicken wollte. Wütend mit seinem Umhang fuchtelnd und schimpfend, ließ er uns nicht in Ruhe. Das Problem war aber, das wir niemals rechtzeitig einen anderen Platz gefunden hätten. Bis auf den letzten Zentimeter war alles weit und breit besetzt. Wir blieben also dort. Unsere männlichen Begleiter setzten sich vorbildlich für uns ein, so dass der Aufseher schließlich von dannen ziehen musste, als das Gebet begann.
Enstchuldigung, dass es ein wenig lang geworden ist heute, aber es musste mal gesagt werden.





