Denunziere deinen Freund und verdiene Geld dabei…

So etwas ähnliches hat sich wohl eine 54-Jährige konvertierte Britin gedacht, als sie die 21-jährige Studentin Nabilah Hussain erpresste. Sie drohte ihr damit mitgeschnittene Gespräche der Polizei zu übergeben und sie so als Terror-Sympathisantin anzuzeigen. Nun muss sie selber zahlen und eine Haftstrafe antreten. Sachen gibt es…

Aldi, Lidl, Israel und die große Spendenaktion

Normalerweise kriege ich Massenmails mit irrsinnigen Betreffs (”Macht bei dieser Online-Umfrage mit!?!?!?!”, “Gehe nicht zu Demonstration weil das unislamisch ist!!!!!!!”, “SubhanAllah – Mekka Zentrum der Erde!?!?!??!!?!!!“) und offenen Mailadressen nur unterbewusst mit. Sie landen bei mir direkt im Papierkorb. In den letzten Tagen erreichen mich allerdings soviele SMS, Anrufe und Emails einem Boykottaufruf von Aldi und Lidl betreffend, dass ich mich genötigt sehe dazu jetzt mal was zu schreiben1 . Die Emails haben folgenden Inhalt:

Salam, Aldi und Lidl machen Spende für Israel. daher bitte nicht dort einkaufen,vor allem in der Zeit bis übernächsten Samstag,den 17.01.2009.

oder auch in Variation:

Den Freitag 9.1. 09 und den Samstag 10.1.09 alles bei LIDL und ALDI verkauft werden dieses Geld für Israelis schicken um die Israelis zu “Helfen Palästina zu zerstören” .

oder als SMS:

Am 10.01. nicht bei Aldi + Lidl einkauffen! Das Geld wird für Israel gespendet! Bitte weitersagen! Nachricht ist von einem Bruder, der bei Aldi als Filialleiter arbeitet!

Ich habe gleich mehrere Probleme mit diesen Nachrichten:

  1. Die Unlogik. Wenn ein Konzern etwas spenden möchte, dann tut er das ohnehin und nicht nur an bestimmten Tagen. Was soll mein Boykott an diesen Tagen also bringen?
  2. Die fehlenden Quellen. Wie kommen Muslime (die Absender sind bei mir ausschließlich Muslime, oder zumindest Leute mit arabisch oder türkisch klingenden Namen) darauf, solch offensichtlich abstrusen und dubiosen Behauptungen ohne vorherige Überprüfung weiterzuleiten? Auf Nachfrage kommt die Antwort: Ja, das haben soooo viele mir geschickt, dann muss es ja stimmen!. Oder: “Aldi gehört ja auch Juden2” .
  3. Hier habe ich dann gleich das nächste Problem, nämlich die misstrauische bis offen feindliche Haltung Juden in ihrer Gesamtheit gegenüber. Sie ist mir schon öfters begegnet, nur heißt das nicht, dass sie deswegen auch richtig ist. Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass Menschen die irgendeiner Gruppe – Juden, Christen, Afrikaner, Atheisten usw. – angehören nicht alle gleich sein, denken oder handeln können. Trotzdem wird dieses Pauschalurteil immer wieder geäußert. Ironischerweise von Leuten, die sich selbst – oft zurecht – als Opfer eines rassistischen Vorurteils sehen und es wegen dieser Erfahrung besser wissen könnten/sollten.

Nun, wenn schon die eigene Vernunft einen nicht mehr aufhält, dann doch wenigstens – so meine stille Hoffnung – die Realität. Ein paar Muslime haben sich die Mühe gemacht, das Märchen zu überprüfen. Ich dokumentiere an dieser Stelle zwei Emails zum Thema, damit möglichst viele darauf aufmerksam werden, die sich erstmal im Netz informieren wollen, bevor sie sinnlose Emails weiterleiten oder unsinnigen Boykottaufrufen folgen.

Die erste ist von der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen:

Von: “Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen”
Datum: 9. Januar 2009 09:38:50 MEZ
Betreff: ACHTUNG: Falsche Meldungen zu Palästina/Israel mittels SMS und E-Mail

Liebe Freunde und Geschwister,

rael spenden” auch in Deutschland kursiert seit 07. Jänner die gleiche Nachricht.”

Dieser ist ein absoluter UNFUG und BLÖDSINN. Wir haben es auch inzwischen verifiziert, indem wir bei den Konzernen direkt nachfragten.

Unser Appell an alle die Nerven zu bewahren und KEINE wie immer unverifizierte Meldungen herum verteilen. Wir sollen gerade in dieser emotionalen Situation um Gaza nicht jede dubiose Meldung weiterleiten. So etwas würde auf uns schlecht zurückfallen.

Liebe Grüße und besten Dank

Für die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen:

Tarafa Baghajati

Liebe Grüße und besten Dank
Für die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen:
Tarafa Baghajati
_______
Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

www.islaminitiative.at
e-mail:dieinitiative@gmx.at

Die zweite Email habe ich von einem Muslim, den ich nicht persönlich kenne, weiter geleitet bekommen. Es ist die Antwort vom ALDI SÜD-Serviceteam zum Thema:

Datum: Fri, 09 Jan 2009 17:03:55 +0100
Von: mail@aldisued.de
Betreff: RE:Boykottaufruf [#394936]
An: xxxxx.xxxx@yahoo.de

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre Email und die damit verbundene Anfrage.

Gerne teilen wir Ihnen mit, dass es sich bei der angeblichen Unterstützung von Israel um ein Gerücht handelt, das jeder Grundlage entbehrt.

Wir möchten Sie an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es zu den Grundsätzen der Unternehmensgruppe ALDI SÜD gehört, sich nicht politisch oder religiös zu engagieren.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr ALDI SÜD-Serviceteam

Die ganze Aufregung geht meines Erachtens auf eine berechtigte Empörung über die aktuellen Verbrechen am palästinensischen Volk zurück. Es kann aber nicht sein, dass man daraufhin unvernünftig, irrational, unlogisch und zudem noch rassistisch wird. Wir ändern gar nichts an der Sache wenn wir die falschen Ursachen dafür verantwortlich machen – hier die Religion des Anderen – und unsere Zeit mit Quatsch verschwenden. Dieser Konflikt ist vor allen Dingen ein politischer – es geht um Land, Wahlen, und die Vertreibung eines Volkes durch ein anderes durch Massenmord und Deportation vertriebenes Volk. Muslime sollten sehen, dass sie nicht alleine sind in ihrer Ablehnung der israelischen Vorgehensweise in Gaza. Ich habe in meinem vorherigen Blogeintrag ja unterschiedliche Websites vorgestellt, die Informationen zur Geschichte des Konflikts zur Verfügung stellen und den politischen Widerstand und Friedensaktivismus verschiedener Gruppierungen (muslimisch, jüdisch, national oder säkular motivierter Natur) reflektieren – vor allen Dingen weil diese Seiten wirklich gut und umfassend informieren, aber auch, um zu zeigen, dass Protest selbst aus Israel kommt, also über religiöse und nationale Grenzen hinausgeht. Die Ohnmacht, die viele Menschen aufgrund dieser Situation empfinden ist real: wir werden den Konflikt nicht mit einem Zauberstab von heute auf morgen beenden. Aber es gibt Möglichkeiten, Leid zu lindern, indem man Zeit und Geld spendet; aufzuklären, indem man echte Informationen verbreitet und evtl. durch Übersetzungen zur Verfügung stellt und darüber diskutiert; sich zu engagieren bei den vielen Gruppierungen (Kulturvereine, manche Parteien, Friedensinitiativen) die das Thema Palästina auch in “ruhigen” Zeiten auf der Agenda haben oder sich an Politiker (auch die lokalen) wendet um das eigene Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen und ihre Unterstützung in irgendeiner Form zu gewinnen.

UPDATE:

Mittlerweile finden sich auf den Seiten von Aldi und Lidl schon Dementis. Mit Dank an Blog-Dunia.

Fußnoten
  1. Mittlerweile glaube ich, dass so viele Muslime diese Nachricht bekommen haben, dass es sich fast lohnen würde, morgen mal beim Aldi um die Ecke zum Test vorbei zu schauen. []
  2. Diese “Info” ist zwar vollkommen irrelevant, aber trotzdem ausgemachter Quatsch, die beiden Gründer sind katholisch-christlich und das Unternehmen befindet sich noch immer in Familienbesitz laut Wikipedia. []

Infolinks zu Gaza/Palästina


Electronic Intifada


Gegründet im Jahr 2001, informiert dieses Online Portal regelmäßig mit Hintergrundberichten, Medienanalysen, Augenzeugenberichten und Aktionen zu aktuellen Themen zu Palästina und Israel. Die Autoren sind Aktivisten, Akademiker und Nahostexperten.

v.l.n.r.: EI-Gründer Ali Abunimah, Nigel Parry, Arjan El Fassed, Laurie King-Irani.

v.l.n.r.: EI-Gründer Ali Abunimah, Nigel Parry, Arjan El Fassed, Laurie King-Irani.

Momentan gibt es vor allen Dingen Augenzeugenberichte und Berichte über einzelne Personen und Familien, die den jetzigen Krieg schon mit dem Leben bezahlen mussten. So gibt es aktuell einen Bericht von Eva Bartlett, einer kanadischen Menschenrechtsaktivistin die seit November 08 in Gaza ist, mit Augenzeugenberichten zum Beschuss der UN-Schule in Fakoura.

Eine weitere Rubrik ist die der Satire. Dort findet man aktuell ein Telefongespräch mit einem IDF-Offizier. Noch während der Luftattacken wurden Flyer über Gaza abgeworfen, die die Bewohner dazu aufrufen, mit den israelischen Streitkräften zu kollaborieren und Verstecke von Terroristen Preis zu geben.


B’tselem


Das israelische Informationscenter für Menschenrechte in den besetzten Gebieten wurde 1989 von israelischen Akademikern, Anwälten, Journalisten und Knesset-Mitgliedern gegründet, um die israelische Öffentlichkeit und Politiker über die Menschenrechtsverletzungen in den besetzten Gebieten zu informieren. Es stellt in der letzten Zeit vor allen Dingen sogenannte Testimonies online, die dokumentieren wer in den besetzten Gebieten zu welchem Zeitpunkt durch feindliche Angriffe ums Leben gekommen ist – dies beeinhaltet Opfer sowohl auf israelischer als auch auf palästinensischer Seite. Weiterhin gibt es derzeit fast täglich Nachrichten aus dem Gazastreifen über Menschenrechtsverletzungen im Krieg.


Palestine Remembered


Gaza 1918

Gaza 1918

Diese Seite ist ein eher allgemeiner Tip zum Thema Palästina und Israel von mir – aber deswegen nicht weniger wertvoll. Hier soll über die Geschichte Palästinas seit der Vertreibung und Enteignung unterrichtet werden. Flüchtlinge können hier über ihre Geschichte informieren: alte Fotos und Videos ihrer verlassenen Häuser einsenden; Erinnerungen an Orte, Ortsnamen, Geschäfte, Nachbarn etc. aufzeichnen. So soll ein umfassendes Verzeichnis der Orte entstehen, die von der israelischen Armee gesäubert und zerstört wurden. Man will so dem zionistischen Mythos begegnen, der besagt: “Palästina war ein Land ohne Volk, für ein Volk ohne Land.” Auf der Seite wird mit einem reichen Materialfundus die Geschichte Palästinas, seines Volkes, seiner Kultur und Werten dokumentiert. Die meisten Zugriffe auf die Seite kommen nach eigenen Angaben aus Israel und viele der Fotos und Videos auf der Seite kommen von Israelis selbst.


Palestinian Blogs


Palestine Blogs - The Gazette
Auf dieser Seite sammeln sich viele verschiedene Blogs die über Palästinarelevantes berichten. Aktuell eine gute Quelle für Live-Berichte.


Yohay Elams Blog


Dieser private Blog eines Israelis hat interessante Informationen und Videomaterial zu Demonstrationen in Tel Aviv gegen den Militäreinsatz Israels in Gaza.


Jewish Peace News


Jewish Peace News (JPN) ist ein Informationsservice, der Kommentare, Analysen und Benachrichtigungen zu Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Israel/Palästina-Konflikt zur Verfügung stellt. Ziel ist die Förderung eine gerechte Lösung für den Konflikt, ein Ende der Besatzung und kompletter Rückzug aus den palästinensischen Gebieten, sowie eine Lösung des Flüchtlingsproblems. Aktuell findet sich eine Zusammenstellung verschiedener Artikel zum Widerstand gegen den Krieg in Gaza auf dem Blog.


Raising Yousuf and Nour


Diesen Blog einer Mutter aus Gaza, gibt es schon recht lange. Laila El-Haddad ist Journalistin, lebt in den USA und schreibt regelmäßig Informatives zu den aktuellen Ereignissen aus ihrer persönlichen Perspektive.


Jewish Voice for Peace


Aktion von Jewish Voice for Peace zum Versand anti-muslimischer DVDs während des vergangenen Wahlkampfes in den USA.

Aktion von Jewish Voice for Peace zum Versand anti-muslimischer DVDs während des vergangenen Wahlkampfes in den USA.

Die Seite gehört zu einem Zusammenschluss jüdischer Friedensaktivisten aus den USA. Derzeit macht JVP sich stark gegen eine Resolution des US-Kongresses, die sich einseitig für das derzeitige Vorgehen Israels ausspricht.

Auf der Seite kann man sich auch über die grundlegenden Fragen des Konflikts informieren wie: Was ist eigentlich Basatzung?, Ist Israel die einzige Demokratie, umgeben von Diktaturen?, Wo ist die palästinensische Stimme für Frieden?

Update:

Auf der Seite InkforGaza kann sowohl Artikel auf Deutsch lesen als auch einreichen. Ein sehr lohnenswertes Projekt.

Befreit durch Schönheitswettbewerb

Anlässlich eines Schönheitswettbewerbes für pakistanische Frauen, der vor kurzem in Ontario, Kanada stattfand, gibt es hier bei Muslimah Media Watch einen herrlich-kritischen Kommentar.

Gespräche in Behörden…

..können durchaus sprachlos machen.

So kam es eines schönen Tages in irgendeiner deutschen Behörde zu diesem denkwürdigen Gesprächsansatz zwischen Sachbearbeiterin (SB) und Muslima (M):

SB: “Islam… (nachdenkliches Stirnrunzeln) … dit is do so eher im Süden anjesiedelt, wa?”

M:”hmm”

taz-Artikel zu unserem Flitterwochenerlebnis

Astrid Geisler von der Taz ist vor ein paar Wochen auf unseren Fall aufmerksam geworden und hat sich an die Recherche gemacht. Dabei ist eine recht gelungene Reportage herausgekommen, die auch einiges an neuen Erkenntnissen bringt. Am wichtigsten ist für mich, dass Frau Geisler versucht hat einigen Ungereimtheiten nachzugehen, die sich aus der Darstellung der Ereignisse durch die Polizei ergeben haben. Allerdings scheint man sich bei der zuständigen Polizei, um Genauigkeit bei der Darstellung nicht allzu sehr Gedanken zu machen:

Mit solchen Feinheiten hat man sich bei der Soltauer Polizei bisher nicht herumgeplagt. Immer wieder kramt der Pressesprecher schweigend in seiner Akte. Wann wurde die Ferienwohnung bezahlt? “Das spielt im Endeffekt ja keine große Rolle.” Hat die Polizei geklingelt oder geklopft? “Sie hat sich auf jeden Fall irgendwie an der Tür bemerkbar gemacht.” Lief drinnen wirklich jemand die Treppe hinauf? “Da glaube ich meinen Kollegen”, sagt Peter Hoppe. “Die schreiben so was ja nicht just for fun.”

Das bedeutet für den Verlauf des Beschwerdeverfahrens natürlich, dass erst einmal geklärt werden muss, was an diesem Abend wirklich passiert ist. Die Version der Polizei lässt sich zwar relativ einfach widerlegen, aber auch dem müsste man erstmal nachgehen. Wir hoffen, dass das zuständige Gericht dies tun wird, um dann endlich auch erst entscheiden zu können ob die Durchsuchung rechtmäßig war.

Omar hatte ja auch schon auf die Erklärung des Pressesprechers hingewiesen, warum wir denn überhaupt gegen diese Aktion vorgehen würden.

Der Polizeisprecher scheint den Fall anders zu deuten. “Wissen Sie”, sagt er schließlich, “ich kenn mich mit diesem Glauben ja nicht so aus.” Aber für dieses Paar sei der Knackpunkt bei der Sache wohl, dass seine Kollegen die Urlauberin im “islamistischen Sinn unvermummt” gesehen haben. Er ringt einen Moment nach der richtigen Formulierung. “Ich denk mal”, sagt er dann in verständnisvollem Ton, “das muss so eine Art religiöser Gesichtsverlust gewesen sein.”

Das sagt für mich soviel aus. Die Sichtweise dieser für den Fall zuständigen Inspektion ist so dermaßen eingechsränkt, dass sie tatsächlich glauben alles was Muslime tun (Flitterwochen, Fahrradfahren, Beschwerdeverfahren einleiten usw.) hätte mit ihrer Religion (sprich Islamismus oder gleich Terror) zu tun.((Auch übrigens ein Indiz dafür, wie uninformiert der Pressesprecher über die tatsächlichen Vorgänge zu sein scheint. Ich war zwar nicht vermummt, aber im islamischen Sinne vollständig bekleidet, als ich die Polizisten an mir ins obere Stockwerk vorbeistürmen sah.)) Dass unser jetziges Handeln vielleicht mit unserem Verständnis von Rechtstaat und uns als Bürgern zu tun hat und kein Quentchen religiös motiviert ist, darauf scheint da keiner zu kommen… Au weia

Frauenschwimmen oder “Schwestern, schwimmt doch grade!”

Es gibt ja mittlerweile in vielen Schwimmbädern Zeiten, die für Frauen reserviert sind. Ich nutze diesen Service gerne, war nur in den unterschiedlichen Bädern meistens frustriert bzw. belustigt. Hier meine Beobachtungen:

- Ich habe das Gefühl, dass es für manche eher als Picknick als zur sportlichen Betätigung dient. Da wird dann der Tee und das leckere Käsegebäck ausgepackt und so macht man es sich dann in Gruppen von 10 oder mehr Frauen so richtig am Rand gemütlich. Das soll wohl gute alte Hamamtradition sein, wie ich mir von einer Insiderin erklären ließ. Gut, das stört mich auch nicht, so lange ich in Ruhe auf einer Bahn hin und her schwimmen kann. Aaaaaaber…

- Es gibt da noch die Angewohnheit, nicht längs der Bahn entlang zu schwimmen, sondern quer oder wahlweise auch von einer Ecke zur anderen. Manchmal trifft man dann auch eine oder gleich mehrere Freundinnen auf dem Weg, woraufhin man sich dann mitten im Becken über wichtige Dinge austauschen muss und sich dabei köstlich amüsiert. Das treibt mich dann endgültig in den Wahnsinn, weil ich dann andauernd anhalten muss und gar nicht richtig zum schwimmen komme. Zum Glück gibt es Bademeisterinnen!

Kommentare

Da die Diskussionen im Kommentarbereich zur Hausdurchsuchung in unserem Urlaub ja nun ausgeufert ist, nutze ich einen eigenen Beitrag, um auf einige Fragen und Argumente gebündelt einzugehen. Eines vorweg: Ich habe ein paar Kommentare nicht freigeschaltet bzw. editiert, da ihr Inhalt zu tief unter die Gürtellinie ging, weil ich weiteren Ausführungen aus dem “rechten” Lager kein Forum bieten wollte, oder weil ich keine Verlinkung auf Seiten mit fördern wollte, die letztendlich nicht über den Islam und Muslime informieren, sondern dann doch nur hetzen. Per Mail erreichten mich Anfragen warum ich manche der gehässigen Kommentare überhaupt freigeschaltet hätte. Die Antwort ist: besser kann man doch gar nicht über Islamophobie aufklären. Also an dieser Stelle einen recht herzlichen Dank an alle, die sich auch in unserem Fall – der nichts mit Islam, dafür aber viel mit unserem (dem deutschen) Recht zu tun hat – nicht zu schade waren, sich zu ihren üblichen Gehässigkeiten und Unwahrheiten herabzulassen. Nun zu den Kommentaren:

Die Version der Polizei
Es gab in den Kommentaren auf diesem und anderen Blogs, die die Geschichte aufgriffen, diverse Einwürfe, ob denn die Geschichte überhaupt wahr ist. Ich finde das vernünftig, denn wir hätten ja tatsächlich irgendetwas erfinden können. Deswegen war und ist uns sehr an einer möglichst objektiven Überprüfung des Falles durch Medien und Gerichte gelegen. Die Polizeiinspektion in Soltau hat ja mittlerweile auch unsere Version bestätigt, besteht aber darauf, dass es sich nicht um eine Durchsuchung gehandelt hat. Weiterhin geht man dort immer noch von der Recht- und Verhältnismäßigkeit der Durchsuchung unseres Hauses aus. Der Pressesprecher der besagten Polizeiinspektion gab in einem Interview mit dem Radiosender NDR 1 Niedersachsen an, dass man bei ähnlicher Indizienlage durchaus wieder genauso handeln würde. In diesem Zusammenhang auch noch eine großes “Danke” an pony_huetchen vom Politblog für ihren Anruf bei der Polizeiinspektion Soltau, in dem sie unsere Beschreibung der Durchsuchung mit dem dortigen Pressesprecher besprach..

Woanders ist es noch schlimmer
Dies scheint für manche tatsächlich ein Argument darzustellen, dass die Polizeiaktion rechtfertigt oder zumindest geeignet sein soll uns davon zu überzeugen, dass ein Vorgehen gegen den Rechtsbruch der Polizisten geradezu unverschämt wäre. Wir können ja:
a. entweder froh sein, denn “da wo wir herkommen” würde es uns viel schlechter gehen
b. oder froh sein, weil man uns hier nicht das antut, was man Nichtmuslimen angeblich in anderen Ländern antut.

Sicherheit geht vor
Einige sind der Meinung, dass Maßnahmen wie die, die wir über uns ergehen lassen mussten sicherheitsfördernd sind. Einige erkennen zwar durchaus an, dass die unangenehmen für den Betroffenen ist, dass die allgemeine Bedrohung der Mehrheitsbevölkerung durch islamischen Terrorismus diese Unannehmlichkeiten jedoch notwendig mache. Mal von der Gefahrenlage abgesehen, frage ich mich wirklich wie so eine Aktion Sicherheit schaffen und vermitteln kann. Eine Überwachung bestimmter Personen bei vorliegender Indizienlage und wenn notwendig ein darauf basierender Zugriff ist natürlich notwendig. Aber was haben wir davon wenn orientalisch aussehende Menschen nun unter Generalverdacht stehen? Oder besser gefragt: wie soll das Nachgehen dieses Generalverdachts realisiert werden?

Die Scham ein Deutscher zu sein
Wir erhielten vermehrt Kommentare, Emails und auch Anrufe in denen uns Menschen mitteilten, dass sie sich schämen würden in so einem Land zu leben, oder gar dafür Deutsch zu sein. So nett diese Äußerungen auch gemeint sein mögen, ich verstehe sie nicht. Ich habe sie auch noch nie verstanden. Schämen muss man sich in meinen Augen “nur”, wenn man hätte helfen können, es aber nicht tat, oder, wenn man etwas hätte verhindern können, aber untätig blieb, etc. pp. Außerdem hat die Durchsuchung unseres Hauses, oder eben die Verdächtigungen der Dorfbewohner nichts mit Deutschsein zu tun.

So, soviel für heute.

Fahrradfahren…

… hat eine besonders irritierende Wirkung auf Mitmenschen wenn man dazu ein Kopftuch trägt. So wie scheinbar alles, außer Alditüten schleppen und Fenster putzen. Die Reaktionen sind auch oft für mich irritierend, z.B. wenn jemand meint, mich ermutigen zu müssen und anerkennend bis bewundernd sagt: “Find ich echt ganz toll, du fährst ja Fahrrad!”, oder wenn ein schwäbischer Tourist am Brandenburger Tor ganz aufgeregt seine Frau dazu auffordert, doch ganz schnell ein Foto von diesem außergewöhnlichen Ereignis (ich auf Fahrrad) zu schießen.

Überhaupt Touristen: fast vom Sattel gehauen hat mich mal eine Gruppe süddeutscher Touristen, denen ich eines sommerlichen Tages auf dem Weg durch den Tiergarten begegnete. Sie (ungefähr 5 Frauen und Männer mittleren Alters) winkten mir zunächst freudig entgegen, als ich näher kam rief mir dann einer von ihnen – unter schallendem Lachen seiner Begleiter – zu: “Allahu akbar!”

Verwirrungen

Eines schönen Tages spazierte ich durch einen südlichen Stadtteil Berlins, in dem ich mich nicht gut auskannte. Ich war bei Freunden zum Essen eingeladen und kannte die Gegend nicht. Also fragte ich einen Mann mittleren Alters, der grade in seinem Vorgarten die Hecke schnitt, nach dem Weg. Der Weg war schnell erklärt, aber:

Er: “Was ich Sie mal fragen wollte… Also, von welchem Orden kommen Sie eigentlich?”

Ich: (Nach kurzer Verwirrung) “Ähh, dem islamischen.”

Er: (nickt nachdenklich) “Achso.”

Nach einer kurzen Pause schaut er mich mit zusammengekniffenen Augen – noch immer nachdenklich – an und fragt:

“Übergetreten was?”

Ich bejahe und wir verabschieden uns lächelnd.

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