Halbzeit im Prozess zum Mord an Marwa el-Sherbiny

Die Zeugenbefragung im Prozess gegen Alex W., dem Mörder Marwa el-Sherbinys, ist zur Hälfte um. Zeit, die Medienberichte die den Prozess begleiten zusammen zu fassen. Insgesamt sind 23 Zeugen geladen, 12 davon wurden bis jetzt angehört.

Der Ehemann

Als erster sagte der Witwer der Ermordeten aus. Elwy Ali Okaz schilderte noch einmal, wie es zu der Verhandlung kam. Zwischen seiner Frau und Alex W. sei es an einer Schaukel auf einem Spielplatz zu einer Auseinandersetzung gekommen:

Die junge Ägypterin hatte W. damals höflich gebeten, die Schaukel für ihren Sohn freizugeben, worauf W. sie mit unflätigen Worten überzog: Er wolle sie und ihr Kind nicht auf dem Spielplatz haben; sie habe weder das Recht, auf dem Spielplatz noch in Deutschland zu sein. Ihr Sohn werde später ohnehin ein Terrorist werden, und deutsche Kinder sollten das Gesicht eines späteren Terroristen nicht ansehen müssen. Er, W., wolle dies vermeiden. Auch sie, die Mutter, sei eine Terroristin. Und wenn ihr Kind schaukle, werde er es schaukeln bis zum Tod.1

Elwy Ali Okaz bestätigte auch noch einmal, dass es nicht seine Frau war, die die Anzeige gegen Alex W. erstattete. Sie habe lediglich die Polizei gerufen, mit einem Handy, welches Anwesende auf dem Spielplatz ihr gaben und sei später dann als Zeugin vorgeladen worden.

Der Pflichtverteiger

Am 28.10., dem dritten Verhandlungstag, sagte auch der ehemalige Pflichtverteidiger von Alex W., Markus Haselier, aus und schilderte die Vorgänge am Tag des Mordes aus seiner Sicht. Der Angeklagte sei wie aus heiterem Himmel auf Marwa el-Sherbiny losgegangen und habe auf sie ein geprügelt.

«In dem Moment höre ich einen entsetzlichen menschlichen Schrei und sehe, wie der Angeklagte mit einem Messer mit langer Klinge wie ein rasendes Tier auf den Oberkörper der Frau einsticht, immer wieder», sagte Haselier. «Ich sah, wie er auf sie einstach, sie fiel, lag in einer riesigen Blutlache. Ihr kleiner Junge lag mit dem Popo auf dem Boden, mit dem Rücken an der Wand. Sein rechtes Beinchen war unter ihrem Oberkörper eingeklemmt, er konnte gar nicht weg, lag im Blut seiner Mutter und musste miterleben, wie sie verblutete.» (Quelle: Südwest Presse)

Der Verteidiger schient sehr geistesgegenwärtig gehandelt zu haben: er beschmiss Alex W. mit Stühlen um ihn von seinem Opfer abzubringen, und schob einen Tisch zwischen ihn und den Richter, der bei seinen Versuch zu helfen, selbst Gefahr lief von Alex W. angegriffen zu werden. Haselier, der vor einiger Zeit als Sanitäter gearbeitet hat, versuchte noch im Gerichtsaal, die Blutungen Marwa el-Sherbinys zu stoppen.

Der Richter

Tom Maciejewski schilderte in seiner Aussage den Vorgang bis zum Mord so. Während der Verhandlung sei der Angeklagte ruhig bis schroff gewesen. Der Richter ging zu keinem Zeitpunkt von einer Gefahr aus, weswegen er auch kein Wachpersonal zur Verhandlung bestellt hatte.

Ein Detail ist mir bei einem Bericht vom Stern aufgefallen:

Er sagt: “Ich habe registriert, dass sich W. eine Tasche auf den Schoß gelegt hat. Ich hörte den Reißverschluss.”

Der Richter selbst versuchte noch Alex W. von seinem Opfer abzubringen, bemerkte aber erst dann, als dieser auch auf ihn losging, das Messer in seiner Hand. Nachdem er daraufhin den Alarmknopf unter dem Richterpult gedrückt hatte, ging er zurück und kümmerte sich auf den mittlerweile am Boden liegenden Ehemann der Toten. (siehe FR-Online)

Der Wahlverteidiger – Veikko Bartel

Die beiden Verteidiger des Angeklagten – Michael Sturm und der Wahlverteidiger Veikko Bartel – beantragten zunächst eine Verlegung des Verfahren zu einem anderen Gericht, wegen der vermuteten Befangenheit der Dresdner Richter. Dieser wurde abgelehnt.

Gleich zu Beginn machte der Wahlverteiger – interessante Nebennotiz: Veikko Bartel war schon Verteidiger von Björn L., einem der Schläger von Ermyas M. – von sich Reden, weil er forderte den Angeklagten doch im Lichte des aktuellen “Islambildes” zu beurteilen. Auf Spiegel-Online wird Bartel folgendermaßen zitiert:

Bartel wörtlich: “Wir müssen fragen, warum dieser Angeklagte getötet hat. Dazu darf man nicht die Augen vor den gesellschaftlichen Umständen in diesem Land verschließen. Ist der Mandant ein fanatischer Einzeltäter mit Ausländerhass? Vielleicht. Aber da ist auch das Bild des Islam in Politik und Medien. Ich spreche nicht von den Anschlägen 2001, sondern von den täglichen Meldungen über Attentate.” Bei den Muslimen herrsche jedes Mal “betretenes Schweigen”, wenn von Ehrenmorden und Aufrufen zu Anschlägen die Rede sei. Ein “Bild der Barmherzigkeit” biete der Islam gerade nicht. Und dies müsse schließlich zugunsten des Angeklagten berücksichtigt werden.

Ein nicht ernst genommener Brief

Während es Prozesses kam auch zu Tage, dass es schon vor der zweiten Verhandlung gegen Alex W. wegen Beleidigung einen Brief an das Amtsgericht gegeben hatte. Alex W. schildert darin seine Ansichten zum Islam und der von ihm Beschimpften Marwa el-Sherbiny recht ausführlich. In der Süddeutschen Zeitung wird folgendermaßen aus dem Brief zitiert:

In dem Brief bezeichnet er den Islam als eine “verrückte, gefährliche Religion”. Alle Anhänger des Islam seien “Islamisten”, die Deutschland “nach ihren verrückten Vorstellungen verändern” wollten. Niemand könne von ihm erwarten, “dass ich meine Feinde in meiner Nähe dulden muss”; falls diese trotzdem “in meine private Sphäre eindringen wollen, werde ich schnell nervös”. Das Kopftuch, das Marwa el-Sherbini trug, nannte W. “ein Anzeichen von totaler religiöser Unterwerfung vor dem Satangott”, dadurch habe sie “Deutschland und deshalb mich beleidigt”.

Der Richter des damaligen Verfahrens – Tom Maciejewski – wird von den Anwälten der Familie der Verstorbenen verklagt, da ihm aufgrund des Briefes, die Gefahr, die von Alex W. ausging bekannt hätte sein müssen und er für mehr Sicherheit im Gerichtsaal hätte sorgen müssen.

Fußnoten
  1. Das hört sich so an, als hätte Alex W. hier dem kleinen Kind mit dem Tode gedroht. Auf Islam.de wird das Zitat mit einer anderen Bedeutung wieder gegeben: “Das Kind darf nicht mehr hier auf dem Spielplatz spielen – wenn es doch kommt, werde ich bis zu seinem Tode hier schaukeln. []

2 Kommentare auf “Halbzeit im Prozess zum Mord an Marwa el-Sherbiny”

  1. Too Much Cookies Network » Pierre Vogel: Versammlung der Umma! Wirklich? Says:

    [...] scheinbar abgelaufen ist1. Diesmal geht es um den Prozess des Mörders von Marwa El-Sherbini, der in der letzten Woche anlief und wohl bis Mitte diesen Monats zuende gebracht wird. Hier ein Auszug aus einer Email, die mich [...]

  2. Printe Says:

    Hi Musafira!
    Danke für die Dokumentaiton des Prozesses. Toll auch, dass man nun wieder regelmäßiger Neues von Dir lesen kann :-) )).
    Dein Fan Printe

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