Merkel kondoliert Mubarak und ignoriert damit das Wesentliche
Laut der sächsischen Zeitung ist Bundeskanzlerin Merkel auf dem G8-Gipfel in Italien auf den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak ihre Anteilnahme ausgesprochen.
Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat plötzlich etwas zu dem Fall zu sagen:
Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich am Freitag „persönlich tief bestürzt“. Er schrieb seinem ägyptischen Amtskollegen Ahmed Abul Gheit nach offiziellen Angaben, es werde alles getan, um solche Verbrechen zu verhindern. „Wir stehen dafür ein, dass sich in Deutschland jeder ungeachtet seiner Herkunft, seiner Nationalität oder seines Glaubens sicher fühlt“, heißt es in Steinmeiers Schreiben. „Dies ist oberste Maxime für staatliches Handeln. Ausländerfeindlichkeit und Islamophobie haben in Deutschland keinen Platz.“
Mal abgesehen davon, dass Herr Steinmeier für mich seit der Guantanamo-Affäre vollkommen unglaubwürdig geworden ist, möchte ich doch darauf hinweisen, dass man auf diese Art geschafft hat, den Mord an Marwa E. völlig aus der politischen Verantwortung in Deutschland genommen hat. Man hat das Ganze so zu einem diplomatischen Ärgernis herabignoriert. Das Problem Islamfeindlichkeit in Deutschland, die berechtigten Sorge und Nöte deutscher Muslime angesichts dieses Mordes und der immer wieder betonten Diskriminierungserfahrungen von Muslimen werden so schlichtweg nicht ernst genommen. Herr Steinmeier und Frau Merkel, ich darf Sie daran erinnern, dass dieser Fall vor allen Dingen in Deutschland für Sorge und Unruhe gesorgt hat. Ihr beider Umgang damit ist höchst fahrlässig.
8 Kommentare auf “Merkel kondoliert Mubarak und ignoriert damit das Wesentliche”
Kommentieren:

11. Juli 2009, 0:16 Uhr
In der HAZ hieß es:
http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Aegypter-werfen-Deutschen-Rassismus-vor
“Die Trauerfeier in Alexandria wurde zur Anklage gegen die deutsche Politik und die angebliche Islamfeindlichkeit in Deutschland.”
Zeit-online (in der Zeitung hab ich nichts dazu gefunden:
http://www.zeit.de/online/2009/28/der-neue-hass
(Diese Debatte wird im Laufe des Donnerstags wieder geöffnet.)
11. Juli 2009, 9:01 Uhr
Ein sehr notwendiger Post!!!!!
Word up!
12. Juli 2009, 15:04 Uhr
vllt halt ich mich dann ja im august in einem deutschland auf, das ich so nicht kenne.
aber mir scheint die bedrohungslage, die von dir gezeichnet wird, genauso uebertrieben, wie von der(nennen wir sie) gegeneeite (à la PI usw).
aber machen wir doch einen test.
du läufst einen nachmittag lang durch schöneberg und charlottenburg und kaufst dort ein. traegst kopftuch, gerne auch schleier.
dein mann laeuft mit yarmulke und einem t-shirt mit einem riesen davidstern durch neukoelln und kreuzberg.
wer haeufiger bloed angsprochen oder gar taetlich angegriffen wird, den lade ich zum chumus bei abu-chasan in yafo ein.
12. Juli 2009, 15:47 Uhr
@Zionist Juice: Ich versteh nicht richtig, ist es etwas so, dass die Diskriminierungserfahrung des einen, die des anderen aufwiegt, oder besser/schlechter ist? Oder willst du mit deiner Aussage suggerieren, dass Muslime/Muslimische Frauen gar nicht diskriminiert werden? Gewalttätige Übergriffe auf muslimische Frauen sind kein Einzelfall, siehe nur als Beispiel diesen Bericht über den Angriff auf zwei Libanesinnen und die daraus resultierenden teils lebensgefährlichen Verletzungen durch männliche Jugendliche in Berlin-Hellersdorf vor 7 Jahren.
Aber eigentlich “reicht” ja auch schon de alltägliche Diskriminierung muslimischer Frauen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, im Freizeitsektor usw. usf. Nur weil du diese konkrete Erfahrung nicht machst, heißt das ja nicht, dass sie nicht existiert.
13. Juli 2009, 6:47 Uhr
nein. ich will damit sagen, dass ich das fuer panikmache von deutschen moslems halte.
natuerlich sind gewaltaetige uebergriffe auf moslems kein einzelfall. aber eben auch nicht ein regelfall. es kommt vor, leider.
aber das mit der wohnungssuche wuerde mich interessieren. hast du das selbst erlebt? und hat dir tatsaechlich jemand ins gesicht gesagt, dass du die wohnung nicht bekommst, weil du muslima bist?
was du nun mit diskreminierung um freizeitsektor meinst, weisst ich nicht. falls du damit meinen solltest, dass es etwa in fitnessstudios keinen abgetrennten raum fuer muslimas gibt oder keine besonderern oeffnungszeiten im hallenbad, dann kann ich dir nur sagen, dass das keine diskriminierung ist. was du vorderst ist ein sonderstatus, der eine ungleichbehandlung aller anderen verlangen wuerde.
13. Juli 2009, 7:05 Uhr
zur Wohnungssuche: Ja, das wurde mir direkt (nicht nur einmal) ins Gesicht gesagt. Kenne das auch aus dem Bekanntenkreis, ist jetzt wirklich nicht außergewöhnlich. Du hast Recht, es passiert nicht immer, aber das muss es ja auch nicht um ein immer wieder auftauchendes Problem zu sein, dass einen im Alltag begleitet.
Interessant, dass du Fitnessstudios ansprichst. Interessent auch, dass du gleich deine Scheuklappen ausfährst, um mir die Irrelevanz und Unberechtigtkeit meiner Behauptung auszuführen, mir gar eine unverschämte Forderung unterstellen möchtest. Merkst du eigentlich noch, dass du da ein Bild im Kopf hast, was völlig unabhängig von der Realität existiert? Nun zurück zur Sache, es ging mir natürlich nicht um den von dir imaginierten Fall, sondern um konkrete Ablehnungen muslimischer Frauen in diesem Bereich, aus dem Grund, dass man das Neutralitätsgebot einhalten wolle und andere Frauen – es gibt, wie du weißt, Frauenfitnesstudios – sich durch einen belästigt fühlen können.
Zionist Juice, du steckst einfach nicht in der Haut einer muslimischen Frau, möchtest aber trotzdem gerne mitreden und Erfahrungen für irrelevant erklären. Das funktioniert nicht.
13. Juli 2009, 8:11 Uhr
btw:
mich interessier etwas ganz brennend:
woher kommt deine obsession mit israel und den palaestinensern?
13. Juli 2009, 19:44 Uhr
@ Juice: Danke der Nachfrage, bin kerngesund. Und welchem Umstand habe ich deine gesteigerte Aufmerksamkeit zu verdanken?