Newsupdate zum Mord an Marwa el-Sherbiny 06.07.2009
Über das Wochenende sind wieder viele Berichte und Stellungnahmen zu dem Mord an Marwa in Dresden zusammengekommen. Ich fasse zusammen:
Marwas Ehemann, Elwie Okaz, ist seit Freitag aus dem Koma erwacht und in stabilem Zustand, liegt aber weiterhin im Krankenhaus in Dresden.
Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, hat zusammen mit Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime den Ehemann der Getöteten besucht. Kramer zu seiner Motivation:
“Wir wollen ein deutliches Zeichen gegen Islamophobie setzen”, sagte Kramer. “Viele Muslime haben Angst und das dürfen wir nicht ignorieren.” Die bisherigen Reaktionen auf den Fall seien “unverständlich spärlich”. (Quelle: TAZ)
Am heutigen Abend ist ein Treffen der beiden Generalsekretäre mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) geplant.
Am Sonntag fand ein Totengebet in der Berliner Dar el-Salam Moschee statt, an der auch der ägyptische Botschafter, Ramzi Ezzeldin Ramzi, und der Bruder der Ermordeten, Tariq El-Sherbiny, teilnahmen. Daraufhin wurde der Leichnam von ihrem Bruder nach Ägypten gebracht. Am Flughafen in Kairo nahm ihn u.a. auch der deutsche Botschafter Bernd Erbel in Empfang.
Er verwies in einer kurzen Ansprache darauf, dass das Kopftuch in Deutschland nicht verboten sei und der Mord vom deutschen Volk verurteilt werde. Der Diplomat erklärte, dass die 3 Millionen in Deutschland lebenden Muslime alle Freiheiten genießen und und das deutsche Volk den Muslimen nicht feindlich gegenüberstehe. (Quelle: al-Sharq)
Heute fand die Beerdigung von Marwa in Alexandria, Ägypten, statt. Al-Jazeera berichtet, dass die deutsche Botschaft in Ägypten verlauten ließ, dass diese Tat nicht die allgemeine Haltung gegenüber Muslimen reflektiere. Sulaiman Wilms von der Islamischen Zeitung, widerspricht im selben Artikel dieser Aussage teilweise, indem er sagt, dass dieser Vorfall die Ressentiments deutlich mache, mit denen Muslime in Europa konfrontiert seien.
Der Interkulturelle Rat hat sich in seiner Pressemitteilung dafür ausgesprochen, dass es besonders von politischer Seite Solidaritätsbekundungen mit den Opfern geben sollte, da die Haltung der Mehrheit der Menschen in Deutschland reflektieren würde, die antimuslimischen Rassismus ablehnen.
Peter Widmann von Institut für Antisemitismusforschung äußert sich zu de Fall in der TAZ:
“Falls es stimmt, was die Medien schreiben, war es ganz offensichtlich ein islamfeindlicher Anschlag”, sagte Peter Widmann, der am Zentrum für Antisemitismusforschung zu Islamophobie forscht.
(…)
“Dieser Anschlag wurde möglicherweise atmosphärisch durch eine Hassszene im Internet vorbereitet und durch problematische Tendenzen unter bestimmten Intellektuellen, die bis in die Mitte der Gesellschaft reichen”, sagte Wissenschaftler Widmann. Dennoch würde das Thema Islamfeindlichkeit in der Öffentlichkeit bislang kaum diskutiert.Das liege, so Widmann, zum einen an einem “verbreiteten Unbehagen über den Islam” bis in die gesellschaftliche Mitte hinein. “Zudem gibt es Unsicherheit darüber, was legitime Kritik ist und wo ein Feindbild beginnt”, sagte Widmann. Aus seiner Sicht ist das aber einfach: Legitim sei Kritik immer, wenn sie sich an konkrete Personen oder Organisationen richtet, nicht aber, wenn ein Kollektivcharakter angenommen werde. (Quelle: TAZ)
Da nun ja diverse Gerüchte und Wutausbrüche die Runde machen, noch ein paar Anmerkungen von mir. Ich habe des öfteren gelesen, dass Leute sich in Foren, bei Twitter usw. darüber aufregen, dass die Anklage gegen Marwas Mörder auf Totschlag – nicht auf Mord – lauten solle. Das ist nicht wahr, aus dem einfachen Grund, weil noch gar keine Anklage erhoben wurde. Noch laufen die Ermittlungen laut einem Bericht der “Welt” wegen heimtückischen Mord. Eine Anklage wird dann aufgrund der Ermittlungsergebnisse erhoben.
Weiterhin habe ich des öfteren Vorwürfe gegen den deutschen Staat vernommen. Ich muss sagen, dass zumindest der Teil des deutschen Staates, der in diesem Fall durch den Dresdner Staatsanwalt und den Richter repräsentiert wird, gut funktioniert hat. Das mag vielleicht einige überraschen, allerdings muss festgehalten werden, dass durch das erste Gerichtsurteil der Tatbestand der Diskriminierung und des Rassismus festgestellt und bestraft wurde. Die Staatsanwaltschaft kam sogar zu der Auffassung, dass aufgrund der wiederholten Beleidigungen des Alex W. vor Gericht eine Revision angestrebt werden müsste, die möglicherweise eine Freiheitsstrafe nach sich gezogen hätte. Natürlich sehe ich auch eine Verantwortung für eine zunehmend islamfeindliche Stimmung in der Gesellschaft seitens Persönlichkeiten der Politik und Gesellschaft, wie ich an anderer Stelle schon erwähnt habe.
4 Kommentare auf “Newsupdate zum Mord an Marwa el-Sherbiny 06.07.2009”
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6. Juli 2009, 22:19 Uhr
Newsupdate on the Murder of Marwa el-Sherbiny 06.07.2009…
This is a translation of my latest news-summary on the Case of Marwa el-Sherbiny’s murder in Dresden.
A lot of new articles and statements appeared on the murder of Marwa in Dresden during the weekend. I try to summarize:
Marwas husband, Elwie Ok…
13. Juli 2009, 17:34 Uhr
Hallo,
im Zusammenhang mit diesen Mord wird von Islamophobie in Deutschland gesprochen. Ich möchte überhaupt nicht bestreiten, dass eine solche Haltung unter der Bevölkerung verbreitet ist. Das ist Grund zur Sorge, aber wichtiger erscheint mir, dass man nun öffentlich fragen muß, wie man die eben auch verbreitete Unkenntnis über die islamische Welt, über ihre Kulturen und Regionen verringern kann. Vor einigen Jahren habe ich der Programmdirektion des Deutschlandfunks geschrieben, er möge doch eine ähnliche Sendung wie der tägliche Beitrag für die jüdische Glaubensgemeinschaft einrichten. Die schriftliche Antwort des Senders hat meines Eindrucks nicht einmal ein Erwägen dieses Vorschlags erkennen lassen. Möglicherweise hat man diese Frage völlig unterschätzt, schade!
Im deutschen/staatlichen Gymnasium wird heute der Islam neben anderen Religionen behandelt. Wie erreichen wir aber jene Menschen, deren Schulzeit schon länger zurückliegt?
Es ist sehr ärgerlich, dass einzelne Spitzenpolitiker Deutschlands und manche Medien hierzulande in den letzten Jahren den Eindruck erweckt haben, dass der Islam mit einer terroristischen Bedrohung gleichzusetzen ist. Das war außerordentlich unverantwortlich. Keine Differenzierung zur vielseitigen Welt der islamischen Gesellschaft. Das hat die “Stammtischdiskussionen” in der Folge islamophob beeinflußt.
Nachdenkliche und gut informierte Menschen lassen sich nicht so leicht verdummen. Will man das hierzulande überhaupt?
grüsse Peter
17. Juli 2009, 1:19 Uhr
Hallo,
ja, Infos wären schon hilfreich, nur, wenn man sich gar nicht auskennt so wie ich, dann weiß man nicht wo man suchen soll, gibt es eine Website mit guten Informationen oder wo man auch Fragen stellen kann?
1. November 2009, 20:37 Uhr
Halbzeit im Prozess zum Mord an Marwa el-Sherbiny…
Die Zeugenbefragung im Prozess gegen Alex W., dem Mörder Marwa el-Sherbinys, ist zur Hälfte um. Zeit, die Medienberichte die den Prozess begleiten zusammen zu fassen. Insgesamt sind 23 Zeugen geladen, 12 davon wurden bis jetzt angehört.
Der Ehemann
Al…