Marwa E. – Opfer eines anti-islamisch motivierten Mordes
Ich fasse zusammen, was ich den letzten Tagen aus Medienberichten über den Mord am Mittwoch in Dresden in Erfahrung bringen konnte.
Die Apothekerin Marwa E. lebt seit dem Jahr 2005 mit ihrem Mann Ali in Dresden. Sie arbeitet dort in einer Apotheke und er ist Stipendiat am renommierten Max-Planck-Institut.
Im August 2008 begegnen sich Marwa E. (32) und Alexander W. (28) auf einem Dresdner Kinderspielplatz im Stadtteil Johannstadt. Nachdem sie ihn bittet auf einer Schaukel Platz für ihren Sohn zu machen, beschimpft er sie unter anderem mit den Worten “Islamistin”, “Terroristin” und “Schlampe”. Marwa E. ist Ägypterin, Muslima und trägt Kopftuch.
Marwa E. will sich gerichtlich gegen diese Beleidigungen wehren. Es kommt zur Verhandlung, in der Alexander W. vom Amtsgericht Dresden zu einer Geldstrafe von 780 € verurteilt wird.
Es kommt aber zu einem Berufungsverfahren. Die Berufung ging von der Staatsanwaltschaft aus, weil ihr das vorherige Urteil als zu Milde erschien und der Angeklagte sich uneinsichtig zeigte. Am 1. Juli um 9.30 beginnt also die Verhandlung vor dem Landgericht Dresden.
W., der zuvor nicht anwaltlich vertreten worden war, wurde nun Markus Haselier als Pflichtverteidiger beigeordnet. Die 12. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Tom Maciejewski hatte ihn dazu verpflichtet – wegen der Unfähigkeit des Angeklagten, sich selbst zu verteidigen, wie es hieß. (Quelle: Sächsische Zeitung)
Weil Alexander W. in dem Strafverfahren am 1.Juli Marwa E. erneut massiv beleidigte, hatte die Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht auf eine Haftstrafe gedrängt. Nach einer Stunde eskaliert die Situation, gerade in dem Moment in dem Marwa E. ihre Zeugenaussage beendet hatte. Alexander W. stürzt sich auf Marwa E., sticht innerhalb von 30 Sekunden 18 mal auf sie ein. Er ruft dabei “Du hast kein Recht, zu leben”. Marwa E. ist zu diesem Zeitpunkt im 3. Monat schwanger, ihr drei-jähriger Sohn wird Zeuge des Mordes und ihr Ehemann, der ihr zu Hilfe eilen wollte, wird ebenfalls lebensgefährlich verletzt und zudem noch versehentlich von einem Polizisten angeschossen. Ali O. ist mittlerweile, alhamdulillah, aus der Lebensgefahr. Der drei-jährige Sohn wird betreut.
Während viele Medienberichte noch über das (so offensichtliche) Motiv rätseln, ihre Artikel teilweise irreführend betiteln mit “Mord wegen Streit um Schaukel”, gibt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft folgendes über den Täter bekannt:
Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte am Donnerstagabend im MDR-Fernsehen, der Täter sei ein “notorischer Ausländerhasser”. (Quelle: FR-Online)
Nabil Yacoub, ehemaliger Geschäftsführer des Dresdner Ausländerrats, gab der Sächsischen Zeitung gegenüber Aufschluss über die Hintergründe des Falles.
Der 72-jährige Ägypter kümmerte sich jahrelang um die Sorgen von Migranten. Die jetzt so schwer geschädigte ägyptische Familie habe seit vier Jahren in Dresden gelebt, sagt er.
(…)
Die Frau sei Apothekerin gewesen, ihr Mann Pharmakologe am Max-Planck-Institut. „Er ist Stipendiat seiner Regierung. Der Anschlag macht bereits in Ägypten Schlagzeilen.“ Die Botschaft habe sich eingeschaltet.
(…)
Frauen anderer Stipendiaten, die wie Marwa S. Kopftuch tragen, hätten bereits über Anfeindungen geklagt. „Wir wollten ihnen Mut machen, sich an die Behörden zu wenden, damit die Verwaltung Bescheid weiß“, sagte Yacoub.(Quelle: Sächsische Zeitung)
Viele muslimische Frauen, die wegen ihrer Kleidung angefeindet oder diskriminiert werden, trauen sich nicht, sich damit an die zuständigen Stellen zu wenden. Deswegen versucht man in vielen Gemeinden, Ausländerbeiräten und Antidiskriminierungsstellen, diese Frauen dazu zu ermutigen, ihre Stimme zu erheben. Marwa E. hatte sich dazu entschlossen, sich nicht als “Terroristin” und “Islamistin” beleidigen zu lassen. In drei Monaten wollte sie zusammen mit ihrem Mann zurück nach Ägypten gehen.
Inna lillahi wa ilayhi raji’un – Zu Allah gehören wir und zu ihm kehren wir zurück. Möge Allah Marwa gnädig sein. Amin.
Update
Der Ehemann der Toten befindet sich laut neueren Berichten weiterhin in kritischem Zustand.
Quellen:
Sächsische Zeitung: Streit um eine Schaukel endet tödlich
Sächsische Zeitung: 18 Messerstiche in 32 Sekunden
Sächsische Zeitung: Im Gericht: Polizist schoss auf Falschen
FR-Online: Motiv war Ausländerhass
MDR-Info: Haftbefehl nach tödlicher Messerattacke
33 Kommentare auf “Marwa E. – Opfer eines anti-islamisch motivierten Mordes”
Kommentieren:

3. Juli 2009, 15:34 Uhr
[...] is a translation of the German article, my wife just wrote about Marwa E. and her murder in a district court hearing in [...]
4. Juli 2009, 11:25 Uhr
gibt es kundgebunden oder demonstrationen in deutschland!?
und wenn ja wo?
4. Juli 2009, 15:07 Uhr
[...] Kathrin den Artikel zum Mord an Marwa E. verfasst hatte, strömen viele Besucher über Suchbegriffe rund um den Vorfall auf ihre Seiten. [...]
4. Juli 2009, 19:44 Uhr
mann, wie kann die deutsche polizei so dumm sein ihn in diesen “32″ sekunden abzuhalten, das zu tun !??…stattdessen können sie nur auf ihren Mann schießen !…….. estaghfirullah !…. wir haben aufzuwachen !…. unsere situation wird immer schlimmer !…. nur wenn wir zusammenhalten, geschieht uns nichts !…. inna lilahi wa inna ilayhi ragiun !
salam
4. Juli 2009, 20:00 Uhr
Schwester, uns passiert nur das, was Allah will, dass es uns passiert.
5. Juli 2009, 12:34 Uhr
[...] Marwa E. – Opfer eines anti-islamisch motivierten Mordes (musafira.de, 3. Juli [...]
5. Juli 2009, 18:37 Uhr
Jeder Mord ist unerträglich, dieser aber ganz besonders. Ich wünsche mir, daß die Richter auf die “besondere Schwere der Schuld” erkennen und daß dieser Mörder nie mehr freikommt.
5. Juli 2009, 18:39 Uhr
Damit ich meys Kommentar verstehe, mein arabisch ist nicht besonders: was bitte hast Du zitiert?
5. Juli 2009, 19:53 Uhr
@Wolfgang: schön, dass du hierher gefunden hast. Das Arabische bedeutet: Zu Allah gehören wir und zu ihm kehren wir zurück. Das sagt man u.a., wenn jemand verstorben ist.
5. Juli 2009, 23:39 Uhr
ich finde das heftig das er überhaupt mit einem messer ins gericht rein kam für mich klingt das alles wie geplannt ich finde nicht das die muslime wegen dieser sache ruig sein sollten sondern endlich mal auf ihre bestehen sollten wo leben wir hier denn
6. Juli 2009, 9:59 Uhr
Mich macht es wütend das nichts in den Medien rüberkommt, wenn es um die verunglimpfung des Islam geht dann wird nichts weggelassen, wenn es z.B. um Kopftuchverbot, Ehrenmord, Zwangsverheiratung, Schwimmuntericht usw. ich bin der Meinung das ein großes schuld an den Mord die Medien Beitragen.
Und jetzt anstatt es anzusprechen tun sie so alles sei nichts gewesen ob wohl es in allermunde ist und gleichzeitig uns Muslime näher zusammenrücken lässt.
6. Juli 2009, 10:08 Uhr
Natürlich hielt der Polizist den Ausländer für den Angreifer – ekelhaft und typisch.
Danke an den Autor für die Zusammenfassung, ich habe von dieser Sache garnichts mitbekommen. Schade nur das er diesen Artikel mit einem Zauberspruch beendet.
6. Juli 2009, 11:26 Uhr
Die Sache mit dem Fehlschuss wird von der Anwaltschaft auf strafrechtliche Relevanz geprüft (laut Welt.de). Ich finde bis jetzt hat der zuständige Staatsanwalt kompetent gehandelt.
Der Artikel endet mit einem Gebet, kein Zauberspruch.
6. Juli 2009, 18:23 Uhr
Bisher habe ich nur den skandalösen Mord genau vor dem Richtertisch mit Empörung zur Kenntnis genommen. Es ist unglaublich, wie wenig die Presse sich bemüht, die tatsächlichen Hintergründe der Tat aufzuarbeiten. Es ist ja wohl das Mindeste zu erwarten, dass der Fehlschuss verfolgt und aufgearbeitet wird! Wie kann man dem kleinen Sohn erklären, dass seine Mama nicht mehr wiederkommt und der Papa schwer krank ist? Wer kümmert sich um das Kind?
7. Juli 2009, 2:14 Uhr
Ich habe zwei Leserkommentare zu dem Bericht der FAZ gesendet. Nachfolgender wurde nach etlichen Stunden freigegeben.
“Ich bin nicht schockiert !
“Der sächsische Justizminister Geert Mackenroth (CDU) besuchte den Tatort noch am Mittag und sagte anschließend: „Ich bin völlig schockiert.“”
Ja, ja, die üblichen Betroffenheitsäusserungen. Konsequent wäre ein Rücktritt wg. versagen im Amt. Das ist doch nur die Spitze von den kommenden Krisenszenarien. Dafür haben die Qualitätsmedien und die Politiker schon die Saat gesät. Bald sind die echten Muslime vogelfrei.
Warum?
Muslima=Islam= Terrorist?
Es gibt eine Studie von der EU. Ungefähr 73% der Muslime wehren sich nicht bei Diskriminierung oder Beleidigungen.”
Zum Beitrag: Angeklagter ersticht Zeugin in Landgericht Dresden
Am 4.7.09 hat die FAZ nochmal berichtet. Mein zweiter Leserkommentar wurde trotz zweimaliger Zusendung nicht veröffentlicht. Meinungsfreiheit? Pressefreiheit? Aber ja, natürlich, solange dass zu unserer Medienhetze passt. Wenn nicht, Zensur. Dabei habe ich doch die Zensur im Kopf, damit die FAZ nicht irritiert wird und aus mir einen Islamisten oder sogar (Schreib)-Terroristen macht. Nachfolgend mein comment:
“Kopftuchträgerin nicht ausreichend beschützt..
03. Juli 2009, 02:58 (hatte ich doch schon gepostet.)
..kann ich dazu nur sagen. Warum hat Sie sich auch nicht integriert und die “deutsche Leitkultur” angenommen.
Wo sind die selbstkritischen Medien, Politiker und “islamkritische” Stimmen wie Ralph Giordano, Necla Kelek, Thorsten Klier etc.. Anscheinend leben Muslime nach all der Medienhetze etwas gefährlicher, wenn Sie sich für Ihr Recht auf Menschenwürde vor Gericht einklagen.
Klar, Durchgeknallte gibt es überall auf der Welt. Aber einsetzende Selbstkritik bei Massenmedien wäre ja auch nicht nutzlos für ein friedfertiges, ja warum nicht, nebeneinander. Miteinander vollständig einig sind wir doch schon.
Du sollst nicht töten, falsches Gelübde ablegen, nicht lügen, deine Eltern ehren etc.
Zum Beitrag: Tödliche Attacke vor Gericht
Werde bald auswandern. Da ist System dahinter. In Krisenzeiten, die noch stärker kommen werden, wurden immer Minderheiten als gesellschaftlicher Druckabfallventil benutzt, vorher kriminalisiert und danach oft auch ermordet.
7. Juli 2009, 8:36 Uhr
Es ist nicht zu glauben das so etwas mitten in Deutsche Gerichte passiert so etwas ist nicht einmal passiert in den Ländern die als Terror Länder bezeichnet werden. Warum gab es keine Kontrollen am Eingang ?
Und was mich besonders ärgert, kein Deutscher Politiker hat sich über die Sache geäußert nicht einmal Stellung genommen .Und wenn man die Kommentare der Leser in der Zeitschrift Welt Online sich anschaut da bleibt wirklich ein nur den Kopf zu schütteln ,die meisten Leser geben ja das Opfer die Schuld ,warum es ein Kopftuch trägt!
Aber wenn diese Menschen den Islam wirklich kennen dann werden sie feststellen das es eine Friedliche Religion ist.
Als aller erstes müßen langsam die Hetzerein gegen den Islam in den Medien gestoppt werden das bringt nur noch mehr Haß unter den Menschen.
7. Juli 2009, 12:46 Uhr
Na ja es ist ein Einzelfall, tragisch aber trotzdem nur ein Einzelfall. Gerade in muslimischen Ländern kommt es genau so oft zu Anfeindungen gegen religiöse Minderheiten, inklusive Mord und Verschleppung und wenn ich dann aus dem islamischen Raum so Sprüche höre wie die deutschen wären Rassisten und ausländerfeindlich geht mir das Messer in der Tasche auf. Ganz ehrlich man sollte so was immer differenziert sehen, solche Probleme wie in Dresden passieren überall auf der Welt vielleicht nicht in Gerichtssälen aber auf der Straße oder vor Kirchen schon. Die Tür schwingt nach beiden Seiten!
Darüber hinaus finde ich es eine Sauerei dem Polizisten pauschal zu unterstellen das er auf den Mann geschossen hat weil er Ägypter war, keiner von euch war dabei und kann beurteilen was da passiert ist, die Staatsanwaltschaft hat das neutral zu beurteilen und gegebenenfalls abzustrafen, keiner sonst! Unschuldig bis zum beweis der Schuld! Aber Hauptsache man kann mal wieder ordentlich hetzen.
7. Juli 2009, 15:36 Uhr
Das ganze, einschliesslich der Leserzuschriften, erinnert mich stark an die Reaktionen auf rechtsradikalen Seiten, wenns mal wieder einen “einheimischen” Deutschen erwischt hat. Das Verhalten von Einzeltätern wird gnadenlos pauschalisiert und die Opfer für Politpropaganda missbraucht.
7. Juli 2009, 16:08 Uhr
Woran machst du das fest, Steve?
Das Opfer ist ja nun nicht das erste Opfer eines rassistischen Mordes geworden, auch nicht das erste muslimische. Dass es hierbei zu einer besonderen Beachtung kommt liegt m.E. an der gut dokumentierten Vorgeschichte nicht zuletzt durch den Dresdner Staatsanwalt des offenen Islamhasses des Täters, die eben eine immer alltäglicher werdende Erfahrung von vielen musl. Frauen ist. Dass es sich hier um einen Einzeltäter (in Bezug auf den brutalen Mord) handelt liegt auf der Hand und das hat kann ja will auch niemand ernsthaft bestreiten. Einzeltäterschaft in Bezug auf rassistische bzw. islamfeindliche Diffamierung liegt allerdings nicht vor.
7. Juli 2009, 16:12 Uhr
@Kreuzer: das Messer in deiner Tasche finde ich geschmacklos.
Was den Polizisten angeht, so wird sein Verhalten auf strafrechtliche Relevanz geprüft. Ich denke man wartet einfach die Ergebnisse der Ermittlungen ab, bevor man sich hier oder anderswo in Verdächtigungen ergeht. Dass eine solche Untersuchung stattfindet ist selbstverständlich und rechtens.
8. Juli 2009, 15:27 Uhr
@Kathrin: “Dass es sich hier um einen Einzeltäter (in Bezug auf den brutalen Mord) handelt liegt auf der Hand und das hat kann ja will auch niemand ernsthaft bestreiten.”
Das hört sich aber bei den Reaktionen aus Ägypten aber auch aus Deutschland, seitens entsprechender Verbände, völlig anders an… Danach sind wir ja generell Ausländerfeindlich und völlig intolerant gegenüber anderen Religionen.
Ich finde es immer interessant, dass (und wie) Menschen (die ihnen zustehenden) Rechte von anderen Religionen und/oder “Kulturen” für sich einfordern ohne jedoch in ihren eigenem Selbstverständnis, Auftreten und Handeln diese Rechte anderen zuzugestehen.
8. Juli 2009, 15:49 Uhr
@Max: bitte genau mein Posting lesen.
Sagen Sie mir, wo ein Verband davon gesprochen hat, dass alle Deutschen Mörder sind.
Was Rassismus, Ausländerhass, Islamfeindlichkeit usw. angeht, so habe auch ich geschrieben, dass es sich bei der ursprünglich zur Anzeige gebrachten Tat eben nicht um eine Einzeltat handelt. Das kann Ihnen jedes Dokumentationzentrum für rassistische Übergriffe auch bestätigen. Es ist nun mal Fakt, dass es sowas in Deutschland gibt.
Zu Ihrem letzten Absatz kann ich nur sagen: Jeder (Mann, Frau, Dunkel, Hell, und sogar auch ein Muslim) kann das Recht auf Diskriminierungsfreiheit in Deutschland einfordern, weil es vom Grundgesetz her so gegeben ist. Es gibt für niemanden hier ein Recht darauf, einen anderen zu diskriminieren. Das mögen Sie schade finden, angesichts Ihrer Feindbildphantasien, es bleibt aber trotzdem so.
8. Juli 2009, 17:03 Uhr
@Kathrin
Stop! Ich weiß schon warum ich mich bei Beiträgen normalerweise geschlossen halte… Irgendwas geht immer schief.
Also, irgendwie bin ich völlig falsch verstanden worden. Ich habe überhaupt keine Feindbildphantasien und gehöre mit Sicherheit auch nicht in irgendeine “rechte” Schublade.
Grade das Grundgesetz und die Grundrechte in Deutschland halte ich für eine der wichtigsten Errungenschaften dieses Landes und selbstverständlich gilt es für alle bzw. ist für alle verbindlich.
Ich habe überhaupt keine Probleme mit (wie haben
Sie so schön geschrieben?!)”Mann, Frau, Dunkel, Hell, und sogar auch ein Muslim.” Ganz im Gegenteil, ich finde es immer interessant und spannend viele unterschiedliche Menschen, Meinungen, Religionen und, und, und kennen zulernen.
Bei meiner Bemerkung über die Verbände ging es nicht um den Vorwurf deutsche wären Mörder sondern um die häufige Verallgemeinerung “die” Deutschen sind Rassisten und ausländerfeindlich. Ich habe ein Problem mit solchen Verallgemeinerungen. Das gilt im Übrigen nicht nur wenn es mich betrifft sondern grundsätzlich.
Muslime sind für mich ja auch nicht automatisch Extremisten.
Ich habe auch überhaupt nicht vor zu bestreiten dass es Ausländerfeindlichkeit und Übergriffe in Deutschland gibt und halte dieses für überall auf der Welt für absolut untragbar.
Meinen letzten Absatz bezog sich auf die Kritik aus dem Ausland… leider gilt das von Ihnen zitierte Grundgesetz und die Grundrechte nicht überall.
Leider ist dieses Medium für eine Diskussion nicht die passende Plattform (Zeitverzug, unpersönlich, etc). Daher greife ich auf einen ziemlich plakative rhetorische Frage zurück: “Welche Rechte hat ein praktizierender Christ z.B. in Saudi Arabien und welche ein praktizierender Muslim in Deutschland?”
…bitte nicht wieder falsch verstehen…
8. Juli 2009, 18:18 Uhr
@Max: ok, entschuldigen Sie bitte.
Ich habe auch ein Problem mit Verallgemeinerungen.
Sie sprechen nun von Verallgemeinerungen, die die Verbände geäußert haben sollen im Sinne von “die Deutschen wären Rassisten”. Ich konnte das aber tatsächlich in keiner der Stellungnahmen (konkret die vom ZMD und KRM) lesen. Es wird eine Islamophobie beklagt, die von manchen bekannten Weblogs ausgeht, aber auch bis in Teile der Gesellschaftsmitte auf Anerkennung stößt. Weiterhin wird eine “weitgehende gesellschaftliche und menschliche Abwertung” muslimischer Frauen beklagt, die sich durch Hetze und Verunglimpfungen in diversen Kopftuchdebatten und eben genannten Weblogs speist. Ich kann Ihren Vorwurf beim besten Willen nicht darin erkennen. Bitte zitieren Sie doch die entsprechende von Ihnen kritisierte Stelle, dann lässt sich darüber leichter diskutieren.
Zu Ihrem letzten Absatz: Ich stimme Ihnen weitestgehend zu. “Kritik” wie ich sie von den Protesten in Alexandria vernahm nach dem Motto “wir fordern Vergeltung” und “Nieder mit Deutschland” halte ich für rassistisch, ideologisch verbrämt und zudem von einer Doppelmoral (kurze Erinnerung an ermordete ausl. Touristen in Ägypten, oder auch nur an die Polizeiwillkür, die in Ägypten herrscht und unter der viele Ägypter leiden müssen) geprägt, die für mich schon fast nicht mehr erträglich ist. Es wäre für manche wirklich sinnvoller, sich an die eigene Nase zu fassen, anstatt sich an Feindbildern abzureagieren. Auch den deutschen Staat und/oder seine Justiz für diesen Mord verantwortlich zu machen ist schlichtweg falsch, da es sich hier um die Tat eines Einzelnen handelt, völlig losgelöst von staatlichem Einfluss und zudem der deutsche Staat und gerade seine Justiz eben in der Regel doch verlässlich sind. Allerdings halte ich es (auch für ägyptische Bürger) für legitim, eine Stellungnahme der deutschen Regierung zu diesem Fall zu verlangen, bzw. die lückenlose Aufklärung einzufordern. Und genau dies haben der Großteil der Teilnehmer der Beerdigung in Alexandria kundgetan.
Zu Ihrer letzten rhetorischen Frage: Sie genießen nicht die gleichen Rechte. Aber was wollen Sie mit dieser Frage eigentlich sagen? Das meine ich nicht rhetorisch.
8. Juli 2009, 19:16 Uhr
Die Aufforderung seitens Ägyptens, sowohl der Regierung als auch der Bürger, ist völlig legitim und ich kann mich dieser Forderung nur anschließen.
Meine Bemerkung aus dem ersten Kommentar:
“Ich finde es immer interessant, dass (und wie) Menschen (die ihnen zustehenden) Rechte von anderen Religionen und/oder “Kulturen” für sich einfordern ohne jedoch in ihren eigenem Selbstverständnis, Auftreten und Handeln diese Rechte anderen zuzugestehen.”
Hat ja nicht unerheblich zu dem anfänglichen Missverständnis beigetragen. Die rhetorische Frage sollte nur verdeutlichen wie diese Bemerkung gemeint war. Wenn vielleicht auch etwas provokant.
Ich finde es tragisch, wenn der Bundesrepublik vorgeworfen wird, Muslime würden aufgrund ihrer Religion benachteiligt oder gar unterdrückt werden. Noch tragischer finde ich, dass dies nicht auszuschließen ist… An Absurdum wird diese Aussage allerdings geführt, wenn sie ausgerechnet von Ländern erhoben wird, in denen andere Religionen öffentlich nicht einmal praktiziert werden dürfen.
Dazu muss ich vielleicht einmal erklären, dass meine Ansichten nicht religiös geprägt ist. Ich halte die Religion grundsätzlich für eine sehr persönliche Sache jedes einzelnen.
Zum Abschluss möchte ich aber noch zu dem Blog und dem was ich bisher gelesen habe (wenn es auch noch nicht so viel war) gratulieren. Ich hoffe das diese Seiten helfen werden Missverständnisse und Vorurteile abzubauen… in beide Richtungen.
8. Juli 2009, 22:02 Uhr
Das Frausein ist in dieser Welt offensichtlich lebensgefährlich. Wir sind gleich in dreifacher Hinsicht gefährdet Opfer von Gewalt zu werden;
Wegen unseres Geschlechts
Wegen unserer ethnischen Zugehörigkeit
und jetzt auch noch aufgrund der Religionszugehörigkeit
9. Juli 2009, 13:50 Uhr
Die Empörung von Merkel&Co. und Medien läßt immer noch auf sich warten. Weiter so, super! Gratulation auch an die TrittbrettfahrerInnen von der Mehrheitsgesellschaft und Mainstream-Anheizer wie Kelek&Co.
Diese abschäuliche Tat ist die militante Version und Nebenprodukt von der Haltung dieser “aufgeklärten” pseudo-sozialen Gutmenschen, die sich mit ihrer “Islamkritik” an den herrschenden medialen Zeitgeist
anbiedern.
9. Juli 2009, 14:12 Uhr
@ Max: Sie haben ja gar nicht auf meine Frage nach den von Ihnen kritisierten Stellen in den Stellungnahmen der Verbände geantwortet. Schade
Und zu dem Rest: Tatsache ist, dass Muslime aufgrund ihres Muslimseins in Deutschland diskriminiert werden und diese Tatsache wird auch nicht dadurch ad absurdum geführt, dass sie von Menschen aus Ländern, in denen sogar staatlicherseits diskriminiert wird, festgestellt wird.
Noch mehr haben deutsche Muslime haben ein Recht darauf das Verhalten in deutschen Medien und Politik zu kritisieren und zu verurteilen. Zudem haben sie ein Recht darauf in Ihren Belangen zumindest ernst genommen zu werden, ganz besonders dann, wenn sie sich durch massive Diskriminierung bedrängt fühlen (wie andere Minderheiten in Deutschland ja auch). Muslimfeindlichkeit immer wieder herunterzuspielen, zu ignorieren und so zu tun, als gäbe es sie nicht befördert diese nämlich (das geht in Richtung Politik und Medien) und bestärkt diejenigen die sie hegen in ihrem Rechtsbewusstsein. Ganz zu Schweigen von den Auswirkungen, die von der aktiven Konstruktion des Feindbildes muslimischer Mann/muslimische Frau, die ganz offensichtlich von nicht wenigen Akteuren in Politik und Gesellschaft betrieben wird…
9. Juli 2009, 22:33 Uhr
@Nadine (26)
Ethnische- und Religionszugehörigkeit betrifft auch alle Menschen die nicht Frau sind.
Und ein Schwuler ist somit ebenso dreifach gefährdet wie eine Frau. Ein schwuler Rollstuhlfahrer sogar vierfach. Eine lesbische Rollstuhlfahrer dafür wieder fünffach. Ein … u.s.w.
Es macht keinen Sinn darüber zu reden ob jemand gefährdeter als jemand anders ist.
11. Juli 2009, 17:19 Uhr
Dass der Täter Russe ist, ist natürlich egal.
Liebe erstmal auf die Deutschen schimpfen, denn die sind ja “berufs”schuld an allem.
Das haben ja die Juden schon hervorragend ausnutzen können in den letzten 10 Jahren.
11. Juli 2009, 22:50 Uhr
ich hoffe nicht dass der Möder nach 15 jahren aus der Haft entlassen.
12. Juli 2009, 13:04 Uhr
Man stelle sich vor, ein muslimischer Mann hätte eine russ-
landdeutsche schwangere Frau im Gerichtssaal ermordert.
Was würde da wohl die Presse daraus machen?!!
Und jetzt: kein Wort über die Hintergründe. Das ist mehr
als beschämend und bestätigt nur die einseitige Bericht-
erstattung in Deutschland.
13. Juli 2009, 18:36 Uhr
[...] Hintergründe: Musafira.de Marwa E. – Opfer eines anti-islamisch motivierten Mordes [...]