Vom Suchen und Finden arabischsprachiger Literatur im Netz
Auf der Suche nach bestimmten Tafsiren im Original wird man in den Weiten des Internets recht gut fündig. Ein sehr gutes Instrument für die Suche ist der Suchdienst Yamli. Am besten man probiert es einfach mal aus. Der Vorteil hier ist, dass man für eine arabischsprachige Suche nicht immer mehr das Tastaturlayout wechseln muss. Man umschreibt den gesuchten Begriff einfach in lateinischen Buchstaben und Yamli gibt dann mehrere Varianten in Arabisch vor. Auf diese Weise habe ich recht schnell den Tafsir von Aisha Abd ar-Rahman alias Bint as-Shati gefunden.1 Meines Wissens ist dies einer der ganz wenigen Korankommentare auf arabisch, die von einer Frau verfasst wurden.2
Eine reiche Quelle (nicht nur) für arabische Bücher in elektronischer Form ist archive.org. Dieser Dienst archiviert nicht nur alle Internetseiten sondern auch lizenzfreie Texte. So bin ich hier bei meiner Such nach einer Reihe von Tafsiren fündig geworden: der bekannte moderne Tafsir von Ibn Ashur in 15 Bänden mit dem Titel “at-Tahrir wa-t-Tanwir”3, der Tafsir al-Manar von Muhammad Abduh4 oder aber der Tafsir von Jalal ad-Din as-Suyuti namens “ad-Durr al-manthur fi-t-tafsir bi-l-ma’thur” aus dem 15. Jahrhundert. Weiterhin findet man dort auch orientalistische Werke wie die “Geschichte des Qorans” von Theodor Nöldeke aus dem Jahre 1860 oder islamische Klassiker wie das berühmte Geschichtswerk Ibn Jarir at-Tabaris in persischer Sprache.
2 Kommentare auf “Vom Suchen und Finden arabischsprachiger Literatur im Netz”
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2. January 2009, 3:01 Uhr
Ein Kenner von kritischen Editionen hat mir geraten sehr vorsichtig mit solchen Büchern zu sein, die man einfach runterladen kann.. Man kann sehr viele Bücher als pdf runterladen. Dabei ist oft nicht gewährleistet, das diese Bücher auch auf das Orginal zurückgehen. Viele Lektoren schreiben fuschen im Text oder lassen ihnen unangenehme Zeilen weg.
Das Problem gibt es auch in gedruckter Form. Da kursieren sehr viele Werke von berühmten Imamen und Theologen auf dem Markt. Bei Abgleich mit den verschiedenen Originalen fallen oft die schlechten Editionen auf. Das überträgt sich dann auch in die elektronische Form.
Ich hatte mal die Möglichkeit eine saudische Übersetzung aus dem türkischen zu lesen. Das Buch war total entstellt.
2. January 2009, 12:32 Uhr
Das hast du Recht, Serdar. Das Problem ist allerdings, wie du schon sagtest, in der Edition/im Druck angelegt und hat nur sekundär etwas mit elektronischer Literatur zu tun.
Man legt innerhalb des arabischen Buchwesens scheinbar keinen großen Wert auf ein Lektorat, das Markieren von Einfügungen/Auslassungen o.ä. Mir hat mal jemand, der für einen ägyptischen Verlag Korrektur gelesen hat, erzählt, dass es wohl kein Buch (auch keine Neuauflage klassischer Werke!) ohne eine Vielzahl an (neuen!) Rechtschreibfehlern gäbe. Echt traurig.
Ich bearbeite z.B. grade einen klassischen Tafsir (in Buchform), in dem sich zu meinem anfänglichen Erstaunen “naturwissenschaftliche” Exkurse befinden. Es ist leider nirgends vermerkt – weder im Vorwort noch in Fußnoten – von wem diese Einfügungen kommen und in welchem Zusammenhang sie zum Tafsir stehen.
Diese Haltung überträgt sich dann oft auch auf Übersetzungen in andere Sprachen. Hab schon oft die Lust am Lesen verloren, wegen der vielen Fehler und unverständlichen Übersetzungen.