Mohammad Akram: Vortrag über weibliche Hadith Gelehrte
ch bin heute auf einen interessanten Artikel von Allama Muhammad Akram Nadwi’ gestoßen. Dr. Mohammad Akram ist der Autor eines 40-bändigen Werkes über weibliche Hadithgelehrte (Muhaddithat) in arabischer Sprache. In diesem Lexikon hat er biographische Daten von 8000 weiblichen Gelehrten vom ersten bis zum 15. Jahrhundert islamischer Zeitrechnung (also bis zur Gegenwart) gesammelt. Der Autor deckt auch eine weite geographische Spanne ab, so dass sich sogar (obgleich wenige) Informationen zu weiblichen Hadithgelehrten aus Südostasien und China finden.
Der Artikel ist wirklich lesenswert: es gibt einige interessante Informationen zu bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten islamischer Geschichte, an die man sonst nicht so ohne weiteres herankommt. Außerdem kommt der Autor zu spannenden Schlussfolgerungen.
So sagt er z.B., dass die Überlieferung von Hadithen durch Frauen meist zuverlässiger war als die durch Männer:
It is well-known that a good number of male narrators of hadith have been accused of inaccurate reporting and some even of fabrication. No woman hadith scholar has ever been accused of such wrongs and weaknesses. Imam Dhahab comments on this point by declaring that he knew of no women who had been accused of any willed or unwilled aberrance from the strict standards of the scholarly tradition.
Schön finde ich auch, wie Dr. Akram betont, dass das Erlangen und Lehren von Wissen und Wissenschaften eine Pflicht (nicht nur ein Recht) für das Individuum darstellt – und zwar unabhängig von seinem Geschlecht. Eine islamische Gesellschaft müsse es also Frauen wie Männern ermöglichen, diesen Bereich ihrer individuellen Verpflichtung Gott gegenüber zu verwirklichen. Eine Beschränkung von Frauen im wissenschaftlichen Bereich verurteilt er scharf:
To restrict educational scope for girls to what trains them to serve in house and home is to deny their right to learn (and then teach) what is needed for the full realization of their potential as worshipping servants of their Creator. To do so is to limit the cultural space ahead of them, to make the earth around them narrower, to draw down the horizons above them. Then, if such restriction is carried too far, it is no great exaggeration to liken it to a sort of burying alive. The burying alive of infant girls was a terrible practice of the Arab Jahiliyyah, the period of Ignorance before Islam. And the Qur’an (al-Takwir, 81: 8–9) warns of the Day when the victims of that crime will cry out to God for justice – the day when the infant buried alive shall ask for what sin she was killed.
2 Kommentare auf “Mohammad Akram: Vortrag über weibliche Hadith Gelehrte”
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26. February 2009, 23:57 Uhr
Salam.
Ich bin gerade über deinen Blog gestolpert. Gut gemacht. Und da wollte ich dich gerade auf dieses Werk von Allama Muhammad Akram Nadwi’ aufmerksam machen, als ich sah dass du da schon bescheid weißt.
Interessant ist aber auch dass die Zahl der Muhaddithat (soweit ich das weiß) irgendwann abgenommen hat.
27. February 2009, 16:02 Uhr
Salam Tamim,
das stimmt wohl, in dem Buch von Mohammad Akram Nadwi wird diese Entwicklung auch bestätigt (zumindest für den arabischsprachigen Raum). Auch in dem Rest der Literatur, die es zum Thema gibt, scheint man zu diesem Schluss zu kommen. Manche sagen, es liegt daran, dass es generell immer weniger Gelehrte gegeben hat (?), manch andere vermuten, es läge an der zunehmenden Institutionalisierung (die ganz klar Männer favorisiert) der Gelehrtenschaft ab dem 10./11. Jahrhundert. Auf der anderen Seite ist das Thema ziemlich dürftig erforscht, so dass man kaum eindeutige Aussagen machen kann…